Forscher bestätigt Klimawandel: Unwetter werden noch schlimmer

Extreme Unwetter in Deutschland, Hitzewelle am Mittelmeer - genau dies haben die Computermodelle der Klimaforscher lange vorausgesagt. Und die Heftigkeit der Unwetter soll noch weiter zunehmen.

Hamburg (dpa) - «Spätere Generationen werden sagen, um die Jahrtausendwende waren erste Anzeichen für den Klimawandel zu sehen», sagt Mojib Latif vom Max-Planck-Institut für Meteorologie am Montag.

Deutliche Messreihen seit 1879 gibt es am Meteorologischen Observatorium Hohenpeißenberg südwestlich von München. Innerhalb der vergangen 100 Jahre ist dort die Temperatur um 0,9 Grad gestiegen. Die Zahl der Tage mit starken Gewitterschauern oder kräftig anhaltendem Landregen mit mehr als 30 Millimeter Niederschlag hat sich dort in 120 Jahren von 1879 bis 1999 beinahe verdoppelt - von 2,8 Tagen auf 5,2 Tage pro Jahr. Ähnliches könne man laut Latif für ganz Deutschland annehmen.

Grund: Eine wärmere Atmosphäre führt zu einem stärkeren Wasserzyklus. «Wärmere Luftmassen nehmen mehr Wasserdampf auf. Daher steht mehr Wasser für Niederschläge zur Verfügung.» Andere Gebiete werden den Voraussagen zufolge langfristig trockener. «Der Mittelmeerraum wird stärker unter den Einfluss des Azorenhochs kommen.»

Auch die Heftigkeit der Unwetter wird laut Latif noch zunehmen: «Was wir in Berlin und Brandenburg gesehen haben, ist noch nicht das Ende der Fahnenstange.» Weit schlimmer werden die einzelnen Unwetter laut Latif, wenn es an Gewittertagen noch wärmer wird - etwa 40 statt 35 Grad in Brandenburg - und in ein solches Gebiet dann eine Kaltfront kommt.

In den vergangenen 100 Jahren habe sich die Durchschnittstemperatur in Deutschland um rund 1 Grad erwärmt. «Wir rechnen mit zusätzlichen 2 bis 3 Grad in den kommenden 100 Jahren.»

Das Klimaschutzprotokoll von Kyoto sei zwar ein wichtiger Schritt, weil der Zuwachs der Treibhausgase damit zumindest gedeckelt werden solle. Aber das wirkliche Gegenmittel gegen die globale Erwärmung sei der Umstieg auf alternative Energien, und zwar weltweit. Die Diskussion um die Wälder als Kohlendioxidspeicher und den Emissionshandel wie sie im Zuge von Kyoto geführt wird, lenke nur ab, meint Latif. Zudem ist das Protokoll immer noch nicht in Kraft.

«Langfristig kann man das Problem nur lösen, wenn man komplett wegkommt von den fossilen Brennstoffen», sagte Latif. «Es ist billiger, jetzt alternative Energien zu fördern, als im Jahr 2050 pausenlos Gewitterschäden zu beseitigen.»

Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung verweist darauf, dass auch Deutschland noch viel Energie einsparen kann: «Ein Deutscher verbraucht so viel Energie wie zwei Japaner.»

Deutschland müsse aber auch umweltfreundliche Energietechnik und Verkehrsmittel exportieren. Im Schwellenland China leben 1,2 Milliarden Einwohner. Wenn auch dort wie in anderen Industrieländern jeder zweite ein Auto fahren möchte, würde sich die Zahl der Autos weltweit allein deswegen verdoppeln, erläutert Gerstengarbe.

Eine Chance, bei Regierungsdelegationen für umweltfreundliche Energien zu werben, sieht Gerstengarbe auf dem Erdgipfel «Rio + 10», der Ende August in Johannesburg beginnt. Als Vorbild nannte er die Reduktion der Ozon zerstörenden Treibhausgase FCKW, die in einem langjährigen Verhandlungsprozess schließlich ganz verboten wurden.

 Mehr Informationen:

Max-Planck-Institut für Meteorologie

PIK-Potsdam

vista verde: Klima

 

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