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Neuer Fund: Der erste Mensch lebte vor
sieben Millionen Jahren
Halb Mensch und halb Affe,
so müssen wir uns den ältesten Vorfahren der Menschheit
vorstellen. Er lebte vor sieben Millionen Jahren an den Ufern
des Tschad-Sees in Zentralafrika. Wissenschaftler bezeichnen die
Reste von fünf Individuen als den bedeutendsten Fund seit
77 Jahren.
(jkm) - Bereits im Juli vergangenen
Jahres entdeckte ein französisch-afrikanisches Forscherteam
unter Michel Brunet von der Universität Poitiers einen gut
erhaltenen Hominiden-Schädel, zwei Bruchstücke von Unterkiefern
und drei einzelne Zähne, die fünf Vertretern einer frühen
Hominiden-Art gehörten. Der Fundort Toros-Medalla liegt nördlich
des Tschad-Sees in der Djurab-Wüste, etwa 2.500 Kilometer
vom ostafrikanischen Lebensraum der bisher entdeckten Hominiden-Arten
entfernt.
Die frühen Sahel-Menschen
bestritten ihren Lebensunterhalt an den Ufern des Tschad-Sees,
der damals eine Fläche von der Größe Schwedens
bedeckte. In derselben Erdschicht wurden Fossilien von über
700 Wirbeltieren gefunden, die 42 Arten angehören. Sie ermöglichen
eine biochronologische Altersbestimmung auf bis zu sieben Millionen
Jahre.
Die frühen Menschen durchstreiften
eine Mosaiklandschaft aus Galeriewäldern, Strauchsavannen
und offenen Grasländern. Sie trafen dabei auf heute ausgestorbene
Arten von Elefanten, Giraffen, Flusspferden, Nashörnern,
Pferden, Antilopen, Krokodilen, Schlangen und Landschildkröten.
Eine genaue Untersuchung des Hominiden-Schädels
und der Zähne erbrachte eine größere Übereinstimmung
mit späteren Menschenarten als mit anderen Primaten. Besonders
die Eckzähne sind kleiner als bei allen Menschenaffen und
überragen kaum die übrigen Zähne. Der Zahnschmelz
ist fester und dünner als bei Affen, was auf eine andere
Ernährung schließen lässt.
Das Hirnvolumen von etwa 350 Kubikzentimetern
gleicht einem Schimpansen ebenso wie die geschätzte Körpergröße
von etwa 120 Zentimetern. Während sich der flache Hirnschädel
kaum von einem Affen unterscheidet, erinnert das hohe und zarte
Gesicht mit seiner ausgeprägten Augenbrauenwölbung schon
ganz an einen Menschen. Obwohl bisher keine weiteren Skeletteile
gefunden wurden, vermuten die Forscher wegen des waagerechten
Verlaufs der Schädelbasis, dass dieser frühe Hominide
bereits aufrecht gegangen sein könnte.
Der Sahelmensch besitzt so viele
eigene Merkmale, in denen er sich sowohl von Schimpansen und Gorillas
wie von späteren Menschenarten unterscheidet, dass die Wissenschaftler
eine neue Artbezeichnung (Sahelanthropus tchadensis) für
ihn vorschlagen. Von den Forschern hat der unbekannte Hominiden-Mann
auch schon einen Kosenamen bekommen: "Toumaï" bedeutet
in der örtlichen Goran-Sprache "Hoffnung auf Leben."
Toumaï ist nicht nur fast
anderthalb Millionen Jahre älter als der früheste bisher
gefundene Hominide (Orrorin tugenensis), der vor einem Jahr in
Kenya entdeckt wurde. Auch das Szenario der Menschwerdung hat
sich durch den neuen Fund von den Regenwäldern Ostafrikas
in die offenen Galeriewälder und Savannen Zentralafrikas
verlagert.
Nicht zuletzt schließt sich
allmählich die Lücke des großen "Übergangsfelds"
zwischen Menschenaffen und frühen Menschenarten. Aus genetischen
Untersuchungen weiß man, dass sich die Abstammungslinie
der Gorillas vor etwa zehn Millionen Jahren und die der Schimpansen
vor etwa sieben Millionen Jahren von den späteren Menschenarten
trennte.
Nach Auffassung vieler Paläoanthropologen
bestätigen die neuen Funde, dass für den Menschen kein
einziges Stammelternpaar angenommen werden kann. Je weiter die
Forschung die Geschichte der Menschwerdung zurückverfolgt,
desto mehr Geschwister erhalten Adam und Eva, desto mehr Beziehungen
und Übergangsformen zu anderen Primatenarten werden sichtbar.
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