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- 11.07.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Neuer Fund: Der erste Mensch lebte vor sieben Millionen Jahren

Halb Mensch und halb Affe, so müssen wir uns den ältesten Vorfahren der Menschheit vorstellen. Er lebte vor sieben Millionen Jahren an den Ufern des Tschad-Sees in Zentralafrika. Wissenschaftler bezeichnen die Reste von fünf Individuen als den bedeutendsten Fund seit 77 Jahren.

(jkm) - Bereits im Juli vergangenen Jahres entdeckte ein französisch-afrikanisches Forscherteam unter Michel Brunet von der Universität Poitiers einen gut erhaltenen Hominiden-Schädel, zwei Bruchstücke von Unterkiefern und drei einzelne Zähne, die fünf Vertretern einer frühen Hominiden-Art gehörten. Der Fundort Toros-Medalla liegt nördlich des Tschad-Sees in der Djurab-Wüste, etwa 2.500 Kilometer vom ostafrikanischen Lebensraum der bisher entdeckten Hominiden-Arten entfernt.

Die frühen Sahel-Menschen bestritten ihren Lebensunterhalt an den Ufern des Tschad-Sees, der damals eine Fläche von der Größe Schwedens bedeckte. In derselben Erdschicht wurden Fossilien von über 700 Wirbeltieren gefunden, die 42 Arten angehören. Sie ermöglichen eine biochronologische Altersbestimmung auf bis zu sieben Millionen Jahre.

Die frühen Menschen durchstreiften eine Mosaiklandschaft aus Galeriewäldern, Strauchsavannen und offenen Grasländern. Sie trafen dabei auf heute ausgestorbene Arten von Elefanten, Giraffen, Flusspferden, Nashörnern, Pferden, Antilopen, Krokodilen, Schlangen und Landschildkröten.

Eine genaue Untersuchung des Hominiden-Schädels und der Zähne erbrachte eine größere Übereinstimmung mit späteren Menschenarten als mit anderen Primaten. Besonders die Eckzähne sind kleiner als bei allen Menschenaffen und überragen kaum die übrigen Zähne. Der Zahnschmelz ist fester und dünner als bei Affen, was auf eine andere Ernährung schließen lässt.

Das Hirnvolumen von etwa 350 Kubikzentimetern gleicht einem Schimpansen ebenso wie die geschätzte Körpergröße von etwa 120 Zentimetern. Während sich der flache Hirnschädel kaum von einem Affen unterscheidet, erinnert das hohe und zarte Gesicht mit seiner ausgeprägten Augenbrauenwölbung schon ganz an einen Menschen. Obwohl bisher keine weiteren Skeletteile gefunden wurden, vermuten die Forscher wegen des waagerechten Verlaufs der Schädelbasis, dass dieser frühe Hominide bereits aufrecht gegangen sein könnte.

Der Sahelmensch besitzt so viele eigene Merkmale, in denen er sich sowohl von Schimpansen und Gorillas wie von späteren Menschenarten unterscheidet, dass die Wissenschaftler eine neue Artbezeichnung (Sahelanthropus tchadensis) für ihn vorschlagen. Von den Forschern hat der unbekannte Hominiden-Mann auch schon einen Kosenamen bekommen: "Toumaï" bedeutet in der örtlichen Goran-Sprache "Hoffnung auf Leben."

Toumaï ist nicht nur fast anderthalb Millionen Jahre älter als der früheste bisher gefundene Hominide (Orrorin tugenensis), der vor einem Jahr in Kenya entdeckt wurde. Auch das Szenario der Menschwerdung hat sich durch den neuen Fund von den Regenwäldern Ostafrikas in die offenen Galeriewälder und Savannen Zentralafrikas verlagert.

Nicht zuletzt schließt sich allmählich die Lücke des großen "Übergangsfelds" zwischen Menschenaffen und frühen Menschenarten. Aus genetischen Untersuchungen weiß man, dass sich die Abstammungslinie der Gorillas vor etwa zehn Millionen Jahren und die der Schimpansen vor etwa sieben Millionen Jahren von den späteren Menschenarten trennte.

Nach Auffassung vieler Paläoanthropologen bestätigen die neuen Funde, dass für den Menschen kein einziges Stammelternpaar angenommen werden kann. Je weiter die Forschung die Geschichte der Menschwerdung zurückverfolgt, desto mehr Geschwister erhalten Adam und Eva, desto mehr Beziehungen und Übergangsformen zu anderen Primatenarten werden sichtbar.

 Mehr Informationen:

Nature Ancestor Web Focus

Die Evolution des Menschen

Becoming Human

 

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