|
Mäuse-Spermien: Schneller im Team
Wenn es darum geht, eine Eizelle
zu befruchten, kämpft jedes Spermium für sich. Die männlichen
Samenzellen können aber auch kooperieren, wenn das Vorteile
fürs gemeinsame Erbgut bringt.
(jkm) - An Spermien der Waldmaus
(Apodemus sylvaticus) hat jetzt ein europäisches Forschungsteam
beobachtet, dass die Einzelkämpfer sich für kurze Zeit
zusammenschließen, um als "Spermienzug" schneller
voran zu kommen.
Die Mäusespermien schließen
sich schon ein bis zwei Minuten nach der Ejakulation zusammen,
indem sie sich mit einem Kopf-Haken am Kopf oder Schwanz eines
anderen Spermiums einklinken. So bewegen sich Dutzende bis Hunderte
von Spermien wie Waggons in einem Zug vorwärts.
Die Kooperation beschleunigt die
Spermien im Vergleich zu Einzelkämpfern um rund 50 Prozent.
Das berichtet ein Team britischer, australischer und tschechischer
Wissenschaftler im Magazin "Nature".
Die Spermien stellen ihr Eigeninteresse
zurück, weil sie so den Genen des Männchens Vorteile
gegenüber konkurrierendem Erbgut verschaffen wollen, spekulieren
die Forscher. Im Laborversuch koppelten sich Tausende Samenzellen
aneinander, im Normalfall bestünde ein Spermienzug nach Schätzung
der Wissenschaftler wohl aus 50 bis 200 Zellen.
Die Solidarität ist allerdings
nicht von Dauer: Nach zwanzig bis dreißig Minuten fällt
der Zug auseinander und jeder ist sich selbst der nächste.
Das Entkoppeln wird durch eine chemische Reaktion im Spermienkopf
ausgelöst, mit der sich die Samenzelle auf das Eindringen
in die Eizelle vorbereitet.
Die Spermien der Waldmaus müssen
besonders schnell sein, weil die Tiere nichts von Monogamie halten
und sich mit häufig wechselnden Partnern paaren.
|