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- 09.07.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Altlasten und Einleitungen:
Sanierung der Flüsse wird mühsam

Die Wasserqualität der deutschen Flüsse hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren deutlich verbessert. Nun beginnt für die Flusssanierer die mühsame Kleinarbeit.

Von Annette Jürgensmeier, dpa

Hamburg (dpa) - Die Flusssanierer kämpfen an vielen Fronten: Schadstoffe und Nährstoffe fließen nach starken Regenfällen von den Äckern in die Flüsse; Arzneimittelreste gelangen trotz Kläranlage in die Ströme; Schwermetalle aus Ablagerungen am Flussgrund werden ausgewaschen.

«Früher musste man den Dreck mit dem Bagger wegmachen, heute kann man den groben Besen nehmen», sagt Michael Bergemann von der Hamburger Wassergütestelle Elbe (ARGE-Elbe). «Wir haben noch zehn bis zwanzig Jahre gut zu tun». In der Elbe ist das Wasser immerhin inzwischen so gut, dass zum Elbebadetag am 14. Juli Tausende in die Fluten springen wollen, auch wenn der Fluss wegen der großen Trübung keine Badewasserqualität hat.

Die wasserreiche und wenig für den Schiffsverkehr genutzte Donau gilt nach einer Untersuchung der Landesarbeitsgemeinschaft Wasser (Lawa) als sauberster der großen Flüsse Deutschlands. Niedrige Wassertemperaturen und starkes Gefälle der Zuflüsse sorgen für eine gute Sauerstoffversorgung.

Der Rhein, Europas meistgenutzter Strom, ist zugleich Schifffahrtsroute und Trinkwasserreservoir und muss neben den Abwässern seiner Millionen Anlieger auch die der ausgedehnten chemischen Industrie an seinen Ufern verkraften. Die Qualität des Elbewassers hat hingegen stark von der Wende profitiert.

Nach einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie des Fraunhofer-Institutes (Karlsruhe) gelangen mehr als zwei Drittel aller Schadstoffe aus indirekten Einleitungen in die Flüsse. So steigt beispielsweise in der Elbe der Nitratgehalt nach starken Regenfällen. Vor allem aber hat die Elbe mit den Altlasten vergangener Jahrzehnte zu kämpfen: Quasi die gesamte chemische Industrie der DDR lag im Einzugsgebiet des Flusses.

Zu Wendezeiten galten ganze Abschnitte als ökologisch zerstört. Im Schlick haben sich damals große Mengen Schwermetalle wie Quecksilber abgelagert, die heute nach und nach ausgeschwemmt werden. «Im Vergleich zu anderen Flüssen hat die Elbe, was Schadstoffe anbelangt, noch immer die schlechteste Situation der großen deutschen Flüsse», urteilt Ulrich Irmer, Fachgebietsleiter Gewässer beim Bundesumweltministerium.

«Auch bei anderen Flüssen haben wir Probleme mit Schwermetallen. Aber auf einem ganz anderen Niveau als in der Elbe.» Die ARGE Elbe schätzt die Situation positiver ein: «Bei vielen Schadstoffen haben wir eine vergleichbare Belastung wie beim Rhein», sagt Bergemann.

Die Wissenschaftler der ARGE-Elbe zählen heute wieder 94 Fischarten, darunter so empfindliche wie Lachs und Meerforelle in ihrem Strom. Auch Muscheln sind wieder zu finden. Für Angler gilt jedoch die Empfehlung: Nicht mehr als ein bis zwei Kilogramm Elbfisch pro Monat. Bei einer Untersuchung wurden 1999 im Zander auffällige Quecksilbermengen gefunden, Aale waren mit Hexachlorbenzol sowie zum Teil mit DDT belastet.

Im Rhein werden heute über 350 wirbellose Tierarten gefunden, darunter auch seltene und schützenwerte Arten. Mit rund 40 heimischen Fischarten ist nach Erkenntnissen der Experten fast wieder die Anzahl vom Beginn des letzten Jahrhunderts erreicht.

Dabei haben an Städten vorbeifließende Ströme wie der Rhein nur wenig Potenzial zur Selbstregeneration. «Je tiefer und weniger breit ein Gewässer ist, desto schlechter funktioniert der Abbau von organischen Belastungen», erklärt Irmer. Noch in den siebziger Jahren wurde befürchtet, dass der Rhein in absehbarer Zeit ökologisch tot sein könnte. Heute gilt er als saniert.

In einigen Fällen bringen Belastungen auch unerwartete Veränderungen. In der Elbe führte die Verringerung der Einleitungen aus der Chemischen Industrie zu einem neuen Problem: «Jeden Sommer haben wir jetzt eine üppige Algenblüte. Vor dreißig Jahren haben das die Gifte noch verhindert», sagt Bergemann.

Die Werra, einer der Quellflüsse der Weser, war jahrzehntelang durch Salze der ostdeutschen Kaliindustrie belastet. «Dort hatten sich Salzwasserarten angesiedelt. Heute haben wir wieder eine Süßwasserpopulation«, sagt Irmer.


© dpa

Ein Mädchen badet in der Elbe in Hamburg: Am Sonntag den 14.07.2002 sollen zum Elbe-Badetag von der Quelle bis zur Mündung der Elbe an 55 Badeplätzen zehntausend Badelustige erwartet.

Das "größte Badefest Europas" ist Teil des Projektes "Lebendige Elbe", das die Anerkennung der Schutzgebiete der Elbe als UNESCO-Weltkulturerbe zum Ziel hat.

 

 Mehr Informationen:

ARGE-Elbe

Elbe-Badetag

Lebendige Elbe

Rivernet

 

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