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Altlasten und Einleitungen:
Sanierung der Flüsse wird
mühsam
Die Wasserqualität der
deutschen Flüsse hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren
deutlich verbessert. Nun beginnt für die Flusssanierer die
mühsame Kleinarbeit.
Von Annette Jürgensmeier,
dpa
Hamburg (dpa) - Die Flusssanierer
kämpfen an vielen Fronten: Schadstoffe und Nährstoffe
fließen nach starken Regenfällen von den Äckern
in die Flüsse; Arzneimittelreste gelangen trotz Kläranlage
in die Ströme; Schwermetalle aus Ablagerungen am Flussgrund
werden ausgewaschen.
«Früher musste man
den Dreck mit dem Bagger wegmachen, heute kann man den groben
Besen nehmen», sagt Michael Bergemann von der Hamburger
Wassergütestelle Elbe (ARGE-Elbe). «Wir haben noch
zehn bis zwanzig Jahre gut zu tun». In der Elbe ist das
Wasser immerhin inzwischen so gut, dass zum Elbebadetag am 14.
Juli Tausende in die Fluten springen wollen, auch wenn der Fluss
wegen der großen Trübung keine Badewasserqualität
hat.
Die wasserreiche und wenig für
den Schiffsverkehr genutzte Donau gilt nach einer Untersuchung
der Landesarbeitsgemeinschaft Wasser (Lawa) als sauberster der
großen Flüsse Deutschlands. Niedrige Wassertemperaturen
und starkes Gefälle der Zuflüsse sorgen für eine
gute Sauerstoffversorgung.
Der Rhein, Europas meistgenutzter
Strom, ist zugleich Schifffahrtsroute und Trinkwasserreservoir
und muss neben den Abwässern seiner Millionen Anlieger auch
die der ausgedehnten chemischen Industrie an seinen Ufern verkraften.
Die Qualität des Elbewassers hat hingegen stark von der Wende
profitiert.
Nach einer im vergangenen Jahr
veröffentlichten Studie des Fraunhofer-Institutes (Karlsruhe)
gelangen mehr als zwei Drittel aller Schadstoffe aus indirekten
Einleitungen in die Flüsse. So steigt beispielsweise in der
Elbe der Nitratgehalt nach starken Regenfällen. Vor allem
aber hat die Elbe mit den Altlasten vergangener Jahrzehnte zu
kämpfen: Quasi die gesamte chemische Industrie der DDR lag
im Einzugsgebiet des Flusses.
Zu Wendezeiten galten ganze Abschnitte
als ökologisch zerstört. Im Schlick haben sich damals
große Mengen Schwermetalle wie Quecksilber abgelagert, die
heute nach und nach ausgeschwemmt werden. «Im Vergleich
zu anderen Flüssen hat die Elbe, was Schadstoffe anbelangt,
noch immer die schlechteste Situation der großen deutschen
Flüsse», urteilt Ulrich Irmer, Fachgebietsleiter Gewässer
beim Bundesumweltministerium.
«Auch bei anderen Flüssen
haben wir Probleme mit Schwermetallen. Aber auf einem ganz anderen
Niveau als in der Elbe.» Die ARGE Elbe schätzt die
Situation positiver ein: «Bei vielen Schadstoffen haben
wir eine vergleichbare Belastung wie beim Rhein», sagt Bergemann.
Die Wissenschaftler der ARGE-Elbe
zählen heute wieder 94 Fischarten, darunter so empfindliche
wie Lachs und Meerforelle in ihrem Strom. Auch Muscheln sind wieder
zu finden. Für Angler gilt jedoch die Empfehlung: Nicht mehr
als ein bis zwei Kilogramm Elbfisch pro Monat. Bei einer Untersuchung
wurden 1999 im Zander auffällige Quecksilbermengen gefunden,
Aale waren mit Hexachlorbenzol sowie zum Teil mit DDT belastet.
Im Rhein werden heute über
350 wirbellose Tierarten gefunden, darunter auch seltene und schützenwerte
Arten. Mit rund 40 heimischen Fischarten ist nach Erkenntnissen
der Experten fast wieder die Anzahl vom Beginn des letzten Jahrhunderts
erreicht.
Dabei haben an Städten vorbeifließende
Ströme wie der Rhein nur wenig Potenzial zur Selbstregeneration.
«Je tiefer und weniger breit ein Gewässer ist, desto
schlechter funktioniert der Abbau von organischen Belastungen»,
erklärt Irmer. Noch in den siebziger Jahren wurde befürchtet,
dass der Rhein in absehbarer Zeit ökologisch tot sein könnte.
Heute gilt er als saniert.
In einigen Fällen bringen
Belastungen auch unerwartete Veränderungen. In der Elbe führte
die Verringerung der Einleitungen aus der Chemischen Industrie
zu einem neuen Problem: «Jeden Sommer haben wir jetzt eine
üppige Algenblüte. Vor dreißig Jahren haben das
die Gifte noch verhindert», sagt Bergemann.
Die Werra, einer der Quellflüsse
der Weser, war jahrzehntelang durch Salze der ostdeutschen Kaliindustrie
belastet. «Dort hatten sich Salzwasserarten angesiedelt.
Heute haben wir wieder eine Süßwasserpopulation«,
sagt Irmer.
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