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- 02.07.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Insekten: Sex schwächt das Immunsystem

Sex hat nicht nur positive Seiten, zumindest beim Mehlkäfer: Denn der Geschlechtsverkehr schwächt sein Immunsystem, haben Forscher entdeckt.

(jkm) - Nach einer Paarung produzieren Mehlkäfer ein Hormon, das eine bedeutende Komponente ihres Immunsystems unterdrückt. Der Effekt könnte bei Insekten weit verbreitet sein und Krankheitserregern zu ihrer Chance verhelfen, meinen zwei englische Biologen in den "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Eine Paarung ist fast immer mit Kosten und Risiken verbunden. Beispielsweise muss zusätzliche Energie für die Paarung selbst und die Produktion der Keimzellen aufgewandt werden, zudem können kopulierende Tiere leicht Beute ihrer Fressfeinde werden oder Parasiten übertragen. Seit einiger Zeit kennt man einen weiteren Effekt: Bei Fruchtfliegen und Seejungfern schwächen Paarungen das Immunsystem. Die Ursache war jedoch schleierhaft.

Jens Rolff und Michael Siva-Jothy stellten nun fest, dass das Phänomen auch bei Mehlkäfern (Tenebrio molitor) auftritt. Binnen 24 Stunden nach einer Paarung sank die Aktivität eines wichtigen Abwehrenzyms in der Körperflüssigkeit der Käfer, der Phenoloxidase, auf die Hälfte des Wertes bei jungfräulichen Tieren.

Die Forscher vermuteten, die vorübergehende Schwächung der Körperabwehr könnte ihren Ursprung in zwei Hormondrüsen haben, die direkt hinter dem Gehirn der Insekten sitzen. Nach einer Paarung stellen diese Corpora allata erhöhte Mengen des so genannten Juvenilhormons her, um die Produktion weiterer Keimzellen anzukurbeln.

Und tatsächlich: Erhielten jungfräuliche Mehlwürmer die Corpora allata von begatteten Tieren eingepflanzt, sank die Phenoloxidase-Aktivität bei ihnen ab. Erhielten sie die Hormondrüsen von ebenfalls jungfräulichen Tieren eingepflanzt oder waren die Drüsen zuvor mit einem Hemmstoff des Juvenilhormons behandelt worden, blieb der Effekt aus.

Rolff und Siva-Jothy glauben, dass es sich hierbei um eine Nebenwirkung des Juvenilhormons handelt - mit gefährlichen Folgen. "Unsere Resultate lassen vermuten, dass ein hoher Paarungserfolg zu einer längerfristigen Unterdrückung des Immunsystems führen kann", schreiben die Forscher.

Beispielsweise paarten weibliche Mehlkäfer sich alle zwei Tage, um ihre Eiproduktion zu maximieren. Als Folge wiesen die Tiere vermutlich ihr halbes Leben lang ein geschwächtes Immunsystem auf.


© ArtToday

Mehlkäfer (Tenebrio molitor)

 

 Mehr Informationen:

University of Sheffield

Mehlkäfer

vista verde: Insekten

 

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