vista verde SucheNewsForumAktion

v i s t a   v e r d e   n e w s   -  W i s s e n s c h a f t   &   T e c h n i k

News - Seite 1Politik
Natur und Tiere
Wissenschaft und Technik
Wirtschaft und Energie

- 02.07.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Geschätzt: 4 Millionen Bakterienarten im Boden

Die bakterielle Artenvielfalt der Erde lässt sich nicht exakt bestimmen. Aber britische Wissenschaftler stellen nun eine Methode vor, um die Zahl der Bakterienarten zumindest zu schätzen.

(jkm) - In einer Tonne Boden finden sich nach ihrer Methode bis zu vier Millionen unterschiedliche Bakterienarten, in den Ozeanen sind es immerhin noch zwei Millionen Arten, schreiben die Forscher in den "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Bakterien finden sich überall auf der Welt in großer Zahl, selbst in extrem heißen oder sauren Umgebungen. Da die Mikroben zu einer breiten Palette von Stoffwechselprozessen fähig sind, spielen sie für die Ökologie unseres Planeten eine wichtige Rolle.

Nur ein Bruchteil der Mikroben lässt sich jedoch im Labor anzüchten und in aller Ausführlichkeit studieren. Von anderen Arten kennt man zumindest Bruchstücke ihrer Erbsubstanz und kann sie grob in den Stammbaum des Lebens einsortieren. Dennoch bleibt die überwiegende Mehrheit der Arten auf Dauer unbekannt.

Thomas Curtis von der University of Newcastle upon Tyne und seine Kollegen gingen nun von früheren Arbeiten aus über die bakterielle Vielfalt aus. Diese hatten gezeigt, dass die Anzahl der Mikrobenarten und der jeweiligen Individuen in Proben aus dem Freiland oft einer bestimmten Verteilung folgt.

Demnach gibt es in Boden- und Gewässerproben nur sehr wenige Arten mit geringen Individuenzahlen, sehr viele Arten mit einer mittleren Individuenzahl und wiederum nur wenige, extrem stark vertretene Arten. Trägt man in einem Diagramm die Zahl der Arten mit einer bestimmten Individuenzahl gegen den Logarithmus der Individuenzahl auf, ergibt sich so eine glockenförmige Kurve.

Die Forscher zeigen, dass sich die genaue Form dieser Verteilung und damit die Gesamtzahl der Arten auf verschiedene Weisen schätzen lässt. Beispielsweise reicht es schon aus, die Gesamtzahl der Bakterien und die Individuenzahl der am stärksten vertreten Art in einer Probe zu bestimmen. Dafür müssen die Mikroben in der Probe jedoch ähnlichen Gruppen angehören.

Mit diesem Ansatz lässt sich auch eine "intelligente Spekulation" über die globale Mikrobenvielfalt anstellen, glauben Curtis und seine Kollegen. Beispielsweise werde die Zahl der Archäen und Bakterien in den Weltmeeren auf 10 hoch 29 (100 Milliarden Milliarden Milliarden) geschätzt. Gleichzeitig gebe es jedoch Belege, dass ein Viertel der Planktonbakterien einer einzigen Art angehöre. Daraus ergebe sich eine Zahl von rund zwei Millionen Bakterienarten in den Ozeanen. Für einen See komme man auf etwa 8.000 Arten, für Klärschlamm auf etwa 500. Eine Tonne Boden könne dagegen bis zu vier Millionen Arten beherbergen.

"Wir sind uns bewusst, dass die zu Grunde liegende Verteilung eine wichtige Rolle spielt", räumen Curtis und seine Kollegen ein. "Man kann aus vielen verschiedenen Verteilungen wählen - und laufend werden neue vorgeschlagen." Vor dem Hintergrund der spärlichen Datenlage erscheine die getroffene Wahl jedoch als die vernünftigste, zudem könne das Modell problemlos an andere Verteilungen angepasst werden.

 Mehr Informationen:

Über Bakterien

Umweltlexikon: Bakterien

g-o.de: Extremophile

 

 Lesen Sie auch:

Gentech: Joghurt schützt die Zähne

Kochwäsche bei 30 Grad: Marine Biotechnologie vor breiter Anwendung

Antibiotika: Schweiß und Tränen gegen Biofilme?

"Reitender Urzwerg": Kleinster Einzeller entdeckt

Insekten: Weniger Arten als gedacht

Marine Bakterien: Aus dem Vollen geschöpft

Bakterien: Wasserstoff statt Sonnenlicht

 

 

zurück zur vorherigen Seite    nach oben

News: Seite 1 | Politik | Natur | Wissenschaft| Wirtschaft
Rubriken: Home | Suche | News | Forum | Aktion
vista verde: Impressum | Hilfe | Werbung