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Herbizide: Flockenblume schwingt die
chemische Keule
Mit gleich zwei Giftstoffen
hält eine harmlos aussehende Blume Konkurrenz und Krankheitserreger
in Schach, berichten amerikanische Agrarwissenschaftler.
(jkm) - Die eine der über
die Wurzeln abgegebenen Substanzen wirkt toxisch auf benachbarte
Pflanzen. Die andere tötet dagegen Bakterien ab und bewahrt
das Kraut vor Infektionen. Nach Ansicht der Forscher könnten
diese Substanzen die Basis für umweltverträgliche Herbizide
darstellen.
Seit langem wird vermutet, dass
die Flockenblume Centaurea maculosa - eine nahe Verwandte der
Kornblume - mit chemischen Waffen agiert. Zwar produziert die
Anfang des 20. Jahrhundert von Osteuropa nach Nordamerika verschleppte
Pflanze große Mengen langlebiger Samen und wird von Vieh
meist verschmäht. Diese Faktoren allein konnten aber nicht
die Hartnäckigkeit erklären, mit der sie sich über
Millionen Hektar von Weideland ausbreitete.
Erst jetzt konnten Jorge Vivanco
und seine Kollegen von der Colorado State University in Fort Collins
den Verdacht bestätigen. Dazu verglichen sie die von den
Wurzeln der Pflanze abgegeben Chemikalien, bevor und nachdem sie
das Gewächs beispielsweise mit Pilzextrakten in Alarmzustand
versetzt hatten. Es zeigte sich, dass die Wurzelzellen von C.
maculosa zwei so genannte Catechine produzieren, wie sie auch
in Halbbitterschokolade oder in grünem Tee vorkommen.
Das Besondere dabei: Die beiden
Moleküle verhalten sich zu einander wie Bild und Spiegelbild.
Die eine Form, (+)-Catechin, hat antibakterielle Wirkung, während
die andere, (-)-Catechin, zahlreiche Pflanzen schädigt. Auf
Weizen und andere Gräser hat sie jedoch nur geringe Wirkung
und wird im Boden relativ schnell zu harmlosen Verbindungen abgebaut.
Diese Eigenschaften prädestinieren sie für den Einsatz
in der Landwirtschaft. Dementsprechend haben die Forscher ihre
Entdeckung bereits zum Patent angemeldet.
"Seit Jahren haben Wissenschaftler
die Flockenblume im Verdacht, derartige Chemikalien zu produzieren",
so Vivanco im Fachblatt "Plant Physiology". "Im
Boden wurden sie jedoch nicht fündig, da es fast unmöglich
war, diese von all den anderen, natürlicherweise im Boden
vorkommenden Substanzen zu trennen. Wir haben dagegen in der Pflanze
selbst gesucht."
Zusammen mit mehreren Firmen loten
die Wissenschaftler derzeit das Potenzial der Catechine aus. Erste
Versuche hätten gezeigt, dass (-)-Catechin nach dem Versprühen
ähnlich effektiv sei wie 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure.
Diese auch als 2,4-D bezeichnete
Substanz ist eines der ältesten Herbizide überhaupt
und war Bestandteil des während des Vietnamkriegs versprühten
"Agent Orange". Schon binnen ein bis zwei Jahren könnten
entsprechende Produkte im Handel stehen, glauben die Forscher.
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