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- 21.06.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Blattläuse: Sauberes Heim dank Wachsnadeln

Mit Hilfe von Wachs verhindern gallenbewohnende Blattläuse, dass sie in ihrem eigenen Honigtau ertrinken. Sogar menschliche Ingenieure könnten von der 200 Millionen Jahre langen Erfahrung der Insekten profitieren.

(jkm) - Britische Forscher haben das Wachs einer genaueren Analyse unterzogen und kommen zu erstaunlichen Resultaten. Die wasserabweisenden Eigenschaften des Materials werden durch eine feine Nadelstruktur zusätzlich verstärkt. So können die Tiere den von ihnen ausgeschiedenen Zuckersaft in Form "flüssiger Murmeln" verpacken und mühelos aus ihrem Bau rollen.

Hygiene ist für Blattläuse das oberste Gebot. Die Insekten ernähren sich von Pflanzensaft, der zwar große Mengen von Zucker, jedoch kaum stickstoffhaltige Verbindungen enthält. Um ihren Bedarf an Proteinen zu decken, saugen die Tiere große Mengen des Safts auf und scheiden die wertlose Zuckerlösung als Honigtau aus. Gerade für Blattläuse, die in Pflanzengallen leben, könnte der klebrige Honigtau schnell zur tödlichen Klebefalle und zur Brutstätte für Krankheitserreger werden.

Schon die Urahnen der Blattläuse produzierten daher feine Wachsbüschel, die ihnen das Leben in Pflanzengallen erlaubten. Wie Lakshminarayanan Mahadevan und seine Kollegen von der Universität Cambridge in den "Proceedings of the Royal Society" berichten, haben die Tiere diese Technik seitdem immer weiter verbessert.

Sobald die Wachsbüschel aus speziellen Drüsen auf der Bauchseite einer Blattlaus austreten, zerfallen die Wachsbüschel demnach in zwölf Tausendstel Millimeter feine Nadeln. Diese Nadeln bedecken nicht nur die Tiere selbst und das Innere ihrer Behausung, sondern haften sich auch an einen Honigtau-Tropfen an, sobald er aus dem After einer Blattlaus austritt.

Analog zu dem "Lotus-Effekt", mit dem Pflanzen ihre Blätter sauber halten, verringern sie die ohnehin schon geringe Kontaktfläche zwischen Tropfen und Unterlage. "Dadurch können die Honigtau-Tröpfchen mit Leichtigkeit in der Galle hin und her bewegt werden," schreiben die Forscher, "und dabei werden sie von immer mehr Wachsnadeln eingehüllt. Diese Verkapselung macht die Tröpfchen ultra-wasserabweisend und verhindert, dass sie zusammenfließen."

Die Beweglichkeit wird durch einen weiteren Faktor verstärkt, fanden die Forscher heraus. Die Blattläuse geben ihren Honigtau als wenige Zehntel Millimeter große Tropfen ab und bewegen diese mit Geschwindigkeiten von etwa einem halben Millimeter pro Sekunde durch ihre Behausung. Unter diesen Bedingungen behalten die Tropfen ihre Kugelform bei, so dass die Tiere sie nicht etwa schieben müssen, sondern ohne viel Aufwand über die Wachsunterlage rollen können.

"Die wachsbeschichteten Honigtau-Tröpfchen der Blattläuse sind das natürliche Gegenstück zu flüssigen Murmeln", schließen Mahadevan und seine Kollegen. Leicht belustigt weisen sie darauf hin, dass ähnliche Effekte erst seit kurzem von menschlichen Ingenieuren ausgenutzt werden. Bei den Blattläusen sei das Design bereits perfektioniert worden, so dass beispielsweise die Mikrofluidtechnik von der 200 Millionen Jahre langen Erfahrung der Insekten profitieren könne.

 Mehr Informationen:

Proceedings of the Royal Society

Blattläuse I

Blattläuse II

 

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