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- 13.06.202 -

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Brasilien: Sprache der Awetí-Indianer soll gerettet werden

Neunzig Prozent der weltweit etwa 6.000 Sprachen werden in unserem Jahrhundert verloren gehen. Linguisten in aller Welt versuchen deshalb, aussterbende Sprachen zumindest noch rechtzeitig zu dokumentieren.

(jkm) - Sebastian Drude von der Freien Universität Berlin hat sich der Sprache des brasilianischen Indianerstammes der Awetí angenommen. Er dokumentierte nicht nur die Sprache der Indianer, sondern entwickelte auch eine Schulfibel, mit der die Kinder die Sprache ihrer Vorfahren lernen können.

Als bisher einziger Europäer verbrachte Drude mehrere Monate bei den Awetí im Gebiet der Quellflüsse des Xingú, eines der großen Zuflüsse des Amazonas. Etwa zwölf verschiedene Indianerstämme mit einer vergleichbaren Kultur, aber völlig unterschiedlichen Sprachen sind in der Region beheimatet.

Das Awetí gehört zu den Tupi-Sprachen, mit 55 bis 60 Varianten eine der größten Sprachfamilien in Südamerika. Das Awetí hat einen Stellenwert, der mit dem des Griechischen oder Ungarischen innerhalb der europäischen Sprachen vergleichbar ist: Sie ist ziemlich isoliert und steht zu keiner anderen Sprache in einem besonderen verwandtschaftlichen Verhältnis.

Es sei erstaunlich, dass Awetí heute überhaupt noch existiere, findet Drude. In den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts soll es nur noch etwa zwei Dutzend Menschen gegeben haben, die Awetí beherrschten. Ihren Nachwuchs schickten sie zur Schule in die Stadt, wo der Unterricht in der Amtssprache Portugiesisch stattfand. Aus Angst vor Diskriminierung leugneten die Kinder ihre Herkunft und versuchten sich so gut wie möglich anzupassen.

Die Awetí erkannten bald selbst, dass ihre Kultur und Sprache in Gefahr waren und wandten sich an Drude, der damals Gastforscher am Museu Goeldi in Belém war. Dem Berliner Linguisten ist es zu verdanken, dass die kommenden Generationen wieder Unterricht im Lesen, Schreiben und Rechnen in der eigenen Sprache erhalten.

Um das Awetí dokumentieren und Zeugnisse davon anfertigen zu können, hat Drude nämlich eine Orthografie für diese Sprache entwickelt und die erste Fibel erstellt, die nun für den Unterricht in der neu erbauten Dorfschule benutzt werden kann. Zur Zeit werden alle Sprösslinge in ihrer Muttersprache Awetí erzogen.

Mit Hilfe von Tonband und Videokamera zeichnet Drude Monologe von indianischen Sprechern auf. "Ich lasse sie über ganz verschiedene Dinge berichten", so der Linguist. "Während einer mir den Mythos von der Möwe und dem Maniok erzählt, beschreibt mir ein anderer den Ablauf eines Hausbaus."

Die Audio- und Video-Aufnahmen transkribiert Drude und zerlegt das schriftlich Fixierte dann in die kleinsten bedeutungstragenden Einheiten einer Sprache, die Morpheme. Die Bild- und Tondokumente werden in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Psycholinguistik in Nijmegen in einer Datenbank archiviert.

 Mehr Informationen:

Max-Planck-Instituts für Psycholinguistik: Datenbank DOBES ("DOkumentation BEdrohter Sprachen")

 

 

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