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Forscher: Geklonter Tasmanischer Tiger
noch in weiter Ferne
Australische Wissenschaftler
wollen den ausgestorbenen Beutelwolf durch Klonen wieder zum Leben
zu erwecken. Doch Experten winken ab: Zu kompliziert, lautet ihr
Urteil.
Von Frank Brandmaier und Sid Astbury,
dpa
Sydney (dpa) - «Benjamin»
war der letzte. Als der Tasmanische Beutelwolf an einem Dezembertag
1936 im Beaumaris-Zoo von Hobart verendete, galt die Art als ausgerottet.
Zuvor hatten Siedler über Jahrzehnte das Fleisch fressende
Beuteltier gnadenlos verfolgt.
Seit zwei Jahren experimentieren
australische Wissenschaftler mit in Alkohol eingelegten Erbgut-Proben,
um den Beutelwolf durch Klonen wieder zum Leben zu erwecken. Jetzt
wollen sie erste Fortschritte erzielt haben. Doch Experten winken
ab: Zu kompliziert, lautet ihr Urteil.
Sollten die Versuche letztlich
doch gelingen, wäre es weltweit das erste Mal, dass ein ausgestorbenes
Tier durch Klonen auf die Erde zurück gebracht worden wäre.
Ausgangspunkt für die Forscher
am Australischen Museum in Sydney ist Gewebe eines Welpen, der
1886 in Alkohol eingelegt wurde. Als Museumsdirektor Mike Archer
vor wenigen Tagen bekannt gab, Erbgut aus dem Material habe erfolgreich
kopiert werden können, sprach er von einem «gigantischen
Schritt».
Doch auch Archer räumt ein,
dass es bis zum geklonten Beutelwolf (Thylacine cynocephalus),
der wegen seiner Streifen auch «Tasmanischer Tiger»
genannt wird, noch mindestens ein Jahrzehnt hin ist. «Nun,
wir sind noch nicht am Ziel. Aber wir sind auf einem Pfad, der
uns hoffen lässt, auf dem Weg dorthin zu sein.»
Kritiker halten selbst das für
eine gewagte Prognose. Bislang seien nur vier von etwa 30 000
Genen kopiert worden, betonen Fachleute. «Es ist also noch
ein schrecklich langer Weg, bis das ganze Genom rekonstruiert
ist», sagte der Biologe Ian Lewis der Zeitung «Sydney
Morning Herald». Er hatte Australiens erstes geklontes Kalb
geschaffen.
Noch mehr Zweifel hegen französische
Experten an dem australischen Experiment. In Sydney seien allenfalls
Bruchstücke der Erbsubstanz DNA kopiert worden, teilte kürzlich
Genopole mit, ein Verbund von mehr als 20 Biotechnologie-Laboratorien
in Evry südlich von Paris. Auch sie weisen darauf hin, dass
es der kompletten Erbinformation bedürfe, um zu klonen.
Üblicherweise wird dabei
der erbguthaltige Kern einer Eizelle entnommen und stattdessen
genetisches Material jenes Tieres eingesetzt, das geschaffen werden
soll. «Im Fall des Tasmanischen Tigers haben die Forscher
aber nur tote, in Alkohol konservierte Zellen, die völlig
nutzlos sind.»
Zwar könne Ethanol die DNA
gut erhalten, dennoch zerstöre dieser Alkohol eine Reihe
anderer Strukturen, die für einen funktionierenden Zellkern
notwendig seien, betonen die Franzosen. Es gebe keinen Grund zu
glauben, dass es eines Tages möglich sein werde, eine so
komplexe Kreatur wie den Beutelwolf zu reproduzieren, auch wenn
man noch so viele DNA-Fragmente in eine entkernte Zelle bringe.
«Das so genannte Klonen des Tasmanischen Tigers wird es
für sehr lange Zeit nicht geben.»
Jenseits aller wissenschaftlichen
Hürden sehen Naturschützer Klonversuche an ausgestorbenen
Arten noch aus einem anderen Grund mehr als skeptisch. «Sollte
es diese schnelle, technische Lösung geben, eröffnet
das die Möglichkeit, sich aus der Verantwortung für
die Umwelt herauszukaufen», kritisiert der Wildschutz-Direktor
der Tasmanischen Nationalparks, Nick Mooney.
Der Wirbel um die Experimente
in Sydney, ist er sich sicher, sei allenfalls dazu gut, um vom
Ziel des Artenerhalts und des Naturschutzes abzulenken.
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