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- 06.06.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Forscher: Geklonter Tasmanischer Tiger noch in weiter Ferne

Australische Wissenschaftler wollen den ausgestorbenen Beutelwolf durch Klonen wieder zum Leben zu erwecken. Doch Experten winken ab: Zu kompliziert, lautet ihr Urteil.

Von Frank Brandmaier und Sid Astbury, dpa

Sydney (dpa) - «Benjamin» war der letzte. Als der Tasmanische Beutelwolf an einem Dezembertag 1936 im Beaumaris-Zoo von Hobart verendete, galt die Art als ausgerottet. Zuvor hatten Siedler über Jahrzehnte das Fleisch fressende Beuteltier gnadenlos verfolgt.

Seit zwei Jahren experimentieren australische Wissenschaftler mit in Alkohol eingelegten Erbgut-Proben, um den Beutelwolf durch Klonen wieder zum Leben zu erwecken. Jetzt wollen sie erste Fortschritte erzielt haben. Doch Experten winken ab: Zu kompliziert, lautet ihr Urteil.

Sollten die Versuche letztlich doch gelingen, wäre es weltweit das erste Mal, dass ein ausgestorbenes Tier durch Klonen auf die Erde zurück gebracht worden wäre.

Ausgangspunkt für die Forscher am Australischen Museum in Sydney ist Gewebe eines Welpen, der 1886 in Alkohol eingelegt wurde. Als Museumsdirektor Mike Archer vor wenigen Tagen bekannt gab, Erbgut aus dem Material habe erfolgreich kopiert werden können, sprach er von einem «gigantischen Schritt».

Doch auch Archer räumt ein, dass es bis zum geklonten Beutelwolf (Thylacine cynocephalus), der wegen seiner Streifen auch «Tasmanischer Tiger» genannt wird, noch mindestens ein Jahrzehnt hin ist. «Nun, wir sind noch nicht am Ziel. Aber wir sind auf einem Pfad, der uns hoffen lässt, auf dem Weg dorthin zu sein.»

Kritiker halten selbst das für eine gewagte Prognose. Bislang seien nur vier von etwa 30 000 Genen kopiert worden, betonen Fachleute. «Es ist also noch ein schrecklich langer Weg, bis das ganze Genom rekonstruiert ist», sagte der Biologe Ian Lewis der Zeitung «Sydney Morning Herald». Er hatte Australiens erstes geklontes Kalb geschaffen.

Noch mehr Zweifel hegen französische Experten an dem australischen Experiment. In Sydney seien allenfalls Bruchstücke der Erbsubstanz DNA kopiert worden, teilte kürzlich Genopole mit, ein Verbund von mehr als 20 Biotechnologie-Laboratorien in Evry südlich von Paris. Auch sie weisen darauf hin, dass es der kompletten Erbinformation bedürfe, um zu klonen.

Üblicherweise wird dabei der erbguthaltige Kern einer Eizelle entnommen und stattdessen genetisches Material jenes Tieres eingesetzt, das geschaffen werden soll. «Im Fall des Tasmanischen Tigers haben die Forscher aber nur tote, in Alkohol konservierte Zellen, die völlig nutzlos sind.»

Zwar könne Ethanol die DNA gut erhalten, dennoch zerstöre dieser Alkohol eine Reihe anderer Strukturen, die für einen funktionierenden Zellkern notwendig seien, betonen die Franzosen. Es gebe keinen Grund zu glauben, dass es eines Tages möglich sein werde, eine so komplexe Kreatur wie den Beutelwolf zu reproduzieren, auch wenn man noch so viele DNA-Fragmente in eine entkernte Zelle bringe. «Das so genannte Klonen des Tasmanischen Tigers wird es für sehr lange Zeit nicht geben.»

Jenseits aller wissenschaftlichen Hürden sehen Naturschützer Klonversuche an ausgestorbenen Arten noch aus einem anderen Grund mehr als skeptisch. «Sollte es diese schnelle, technische Lösung geben, eröffnet das die Möglichkeit, sich aus der Verantwortung für die Umwelt herauszukaufen», kritisiert der Wildschutz-Direktor der Tasmanischen Nationalparks, Nick Mooney.

Der Wirbel um die Experimente in Sydney, ist er sich sicher, sei allenfalls dazu gut, um vom Ziel des Artenerhalts und des Naturschutzes abzulenken.


© dpa

Der in Alkohol konservierte Embryo eines Tasmanischen Tigers wird von Wissenschaftlern am Australischen Museum in Sydney untersucht (Foto vom 26.5.1999).

 

 Mehr Informationen:

Beutelwolf
 

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