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Mexiko: Erster Maisanbau war einzigartig
Indianische Mythen erzählen,
dass die erste Maispflanze dem Grab einer schönen Jungfrau
entspross. Moderne Gentechnik half nun festzustellen, dass die
zahlreichen Mais-Varianten tatsächlich auf eine einzige Stammform
zurückgehen, die vor etwa 9.000 Jahren im mexikanischen Bergland
angebaut wurde.
(jkm) - Die drittwichtigste Getreidepflanze
der Welt nach Weizen und Reis wurde ursprünglich aus dem
Wildgras Teosinte gezüchtet. Mit der Ausbildung seiner nahrhaften
Körnerfrüchte verlor der Mais seine natürliche
Verbreitungseinrichtung: Er ist bei der Vermehrung ganz und gar
vom Menschen abhängig. Aus einer einzigen Gattung und Art
(Zea mays) leiten sich mehrere Tausend Lokalvarianten ab. Sie
gedeihen in trockenem oder feuchtheißem Klima bis auf 4.000
Meter Höhe.
In seiner Anpassungsfähigkeit
an verschiedene Standorte ist der Mais bis heute unübertroffen.
Die Größe der reifen Pflanze kann zwischen einem halben
Meter und fünf Metern variieren. Je nach Variante dauert
die Reifezeit zwischen 60 und 330 Tagen. Die gelben, roten, blauen
und mehrfarbigen Kolben können zwischen 10 und 1.800 Körnern
tragen.
So wenig es den Mais ohne die
Pflege des Menschen gäbe, so sehr waren viele indianische
Kulturen auf sein Gedeihen angewiesen. In den ländlichen
Gebieten Mexikos liefern Maisprodukte heute noch bis zu siebzig
Prozent der jährlichen Kalorienaufnahme.
Wegen der Erscheinungsvielfalt
und weiten Verbreitung des Maises gingen Botaniker bisher davon,
dass die Domestizierung der Getreidepflanze mehrfach an verschiedenen
Orten erfolgte. Zur Lösung dieses Problems schloss sich der
japanische Genetiker Yoshihiro Matsuoka mit fünf weiteren
Kollegen zusammen.
Die Wissenschaftler der Universitäten
von Matsuoka, Wisconsin und Guadalajara unterzogen 264 Pflanzen
aus dem gesamten Verbreitungsgebiet einer phylogenetischen Untersuchung.
Die 193 Maispflanzen wurden zwischen dem nördlichen Chile
und dem südöstlichen Kanada gesammelt. 67 Unterarten
des mexikanischen Teosinte-Grases und eine Fremdart dienten als
Kontrollgruppe.
Untersucht wurden 99 Mikrosatelliten,
die über das ganze Genom verteilt sind. Als Mikrosatellit
bezeichnet die Genforschung Zusammenstellungen von Einzelbausteinen
der DNA, die leicht zu typisieren sind und das Gen charakterisieren.
Zum Erstaunen der Wissenschaftler
leiten sich alle Abstammungslinien von einer einzigen Stammform,
der Zea parviglumis, her. Bei anderen Kulturpflanzen wie der Baumwolle,
dem Reis und den Bohnen bestehen dagegen mehrere Übergangsformen
zu den entsprechenden Wildpflanzen.
Innerhalb der Maisfamilie konnten
die Genetiker noch drei größere Zweige unterscheiden:
einen mexikanischen und südamerikanischen, einen andinen
und einen nordamerikanischen Ableger.
Ein Vergleich von 33 der untersuchten
99 Mikrosatelliten legt nahe, dass der mexikanische Mais vor etwa
9.200 Jahren vom Teosinte-Gras getrennt wurde. Das amerikanische
Hauptnahrungsmittel ist damit vier Jahrtausende jünger als
die Getreidepflanzen der Alten Welt.
Die frühesten fossilen Maisreste,
die bisher im mexikanischen Hochland gefunden wurden, sind etwa
6.250 Jahre alt. Archäologische Funde unterstützten
jedoch eine frühere Domestizierung, für die es noch
keine direkten Beweise gibt.
Ein weiteres Rätsel bleibt
zunächst ungeklärt: Die Primitivformen der Maispflanze
stammen alle aus dem mexikanischen Hochland. Der wahrscheinlichste
Vorfahre der Kulturpflanze ist heute jedoch auf die Küstenebenen
beschränkt.
Vielleicht hat der Mais seinen
Urahn aus seinem angestammten Gebiet verdrängt, wenn man
nicht annehmen will, dass die Urpflanze vor ihrer Domestizierung
aus dem Tiefland eingeführt wurde.
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