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- 04.06.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Mexiko: Erster Maisanbau war einzigartig

Indianische Mythen erzählen, dass die erste Maispflanze dem Grab einer schönen Jungfrau entspross. Moderne Gentechnik half nun festzustellen, dass die zahlreichen Mais-Varianten tatsächlich auf eine einzige Stammform zurückgehen, die vor etwa 9.000 Jahren im mexikanischen Bergland angebaut wurde.

(jkm) - Die drittwichtigste Getreidepflanze der Welt nach Weizen und Reis wurde ursprünglich aus dem Wildgras Teosinte gezüchtet. Mit der Ausbildung seiner nahrhaften Körnerfrüchte verlor der Mais seine natürliche Verbreitungseinrichtung: Er ist bei der Vermehrung ganz und gar vom Menschen abhängig. Aus einer einzigen Gattung und Art (Zea mays) leiten sich mehrere Tausend Lokalvarianten ab. Sie gedeihen in trockenem oder feuchtheißem Klima bis auf 4.000 Meter Höhe.

In seiner Anpassungsfähigkeit an verschiedene Standorte ist der Mais bis heute unübertroffen. Die Größe der reifen Pflanze kann zwischen einem halben Meter und fünf Metern variieren. Je nach Variante dauert die Reifezeit zwischen 60 und 330 Tagen. Die gelben, roten, blauen und mehrfarbigen Kolben können zwischen 10 und 1.800 Körnern tragen.

So wenig es den Mais ohne die Pflege des Menschen gäbe, so sehr waren viele indianische Kulturen auf sein Gedeihen angewiesen. In den ländlichen Gebieten Mexikos liefern Maisprodukte heute noch bis zu siebzig Prozent der jährlichen Kalorienaufnahme.

Wegen der Erscheinungsvielfalt und weiten Verbreitung des Maises gingen Botaniker bisher davon, dass die Domestizierung der Getreidepflanze mehrfach an verschiedenen Orten erfolgte. Zur Lösung dieses Problems schloss sich der japanische Genetiker Yoshihiro Matsuoka mit fünf weiteren Kollegen zusammen.

Die Wissenschaftler der Universitäten von Matsuoka, Wisconsin und Guadalajara unterzogen 264 Pflanzen aus dem gesamten Verbreitungsgebiet einer phylogenetischen Untersuchung. Die 193 Maispflanzen wurden zwischen dem nördlichen Chile und dem südöstlichen Kanada gesammelt. 67 Unterarten des mexikanischen Teosinte-Grases und eine Fremdart dienten als Kontrollgruppe.

Untersucht wurden 99 Mikrosatelliten, die über das ganze Genom verteilt sind. Als Mikrosatellit bezeichnet die Genforschung Zusammenstellungen von Einzelbausteinen der DNA, die leicht zu typisieren sind und das Gen charakterisieren.

Zum Erstaunen der Wissenschaftler leiten sich alle Abstammungslinien von einer einzigen Stammform, der Zea parviglumis, her. Bei anderen Kulturpflanzen wie der Baumwolle, dem Reis und den Bohnen bestehen dagegen mehrere Übergangsformen zu den entsprechenden Wildpflanzen.

Innerhalb der Maisfamilie konnten die Genetiker noch drei größere Zweige unterscheiden: einen mexikanischen und südamerikanischen, einen andinen und einen nordamerikanischen Ableger.

Ein Vergleich von 33 der untersuchten 99 Mikrosatelliten legt nahe, dass der mexikanische Mais vor etwa 9.200 Jahren vom Teosinte-Gras getrennt wurde. Das amerikanische Hauptnahrungsmittel ist damit vier Jahrtausende jünger als die Getreidepflanzen der Alten Welt.

Die frühesten fossilen Maisreste, die bisher im mexikanischen Hochland gefunden wurden, sind etwa 6.250 Jahre alt. Archäologische Funde unterstützten jedoch eine frühere Domestizierung, für die es noch keine direkten Beweise gibt.

Ein weiteres Rätsel bleibt zunächst ungeklärt: Die Primitivformen der Maispflanze stammen alle aus dem mexikanischen Hochland. Der wahrscheinlichste Vorfahre der Kulturpflanze ist heute jedoch auf die Küstenebenen beschränkt.

Vielleicht hat der Mais seinen Urahn aus seinem angestammten Gebiet verdrängt, wenn man nicht annehmen will, dass die Urpflanze vor ihrer Domestizierung aus dem Tiefland eingeführt wurde.


© ArtToday

Die zahlreichen Varianten der
anpassungsfähigen Pflanze gehen auf eine einzige Stammform
zurück.

 

 Mehr Informationen:

Mais, die Pflanze der Indios

Steckbrief Mais

 

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