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Meeresleben: Nur zwei große Wechsel
in 450 Millionen Jahren
Das Ökosystem Meer ist
stabiler als gedacht: Innerhalb von 450 Millionen Jahren gab es
nur zwei einschneidende Ereignisse, die das Leben unter Wasser
nachhaltig veränderten. Alle sonstigen Klimaschwankungen
und Umwelteinflüsse haben kaum Spuren hinterlassen.
(jkm) - Drei amerikanische Geologen
haben die Folgen von fünf großen Massensterben in der
Erdgeschichte verglichen. Ihr Fazit: Drei dieser Sterben haben
das Gleichgewicht der Meere nicht verändert.
Die Forscher Richard Bambach,
Andrew Knoll und John Sepkoski Jr. glauben, nur zwei große
Ereignisse hätten das Meeresleben wirklich beeinträchtigt:
Das eine markiert den Übergang von Perm zu Trias vor 251
Millionen Jahren, das andere fällt auf das Ende der Kreidezeit
vor 65 Millionen Jahren, als zeitgleich auf dem Land die Dinosaurier
ausstarben.
Das Sterben im Perm war besonders
schwer wiegend. Wie fossile Funde belegen, verschwanden rund 95
Prozent aller Arten von Meerestieren. Verantwortlich soll der
Einschlag eines riesigen Meteoriten oder Kometen sein, der die
Kohlendioxid-Werte in den Ozeanen schlagartig ansteigen ließ.
Darauf deuten Gaseinschlüsse
in Gestein aus dem Perm hin, die in ihrer speziellen Zusammensetzung
keiner anderen Epoche der Erdgeschichte nachzuweisen sind und
wahrscheinlich aus dem Weltraum stammen.
Im Vergleich zum Perm-Sterben
fiel der zweite schwere Einschnitt zum Ende der Kreidezeit maßvoller
aus, schreiben die Forscher in den "Proceedings of the National
Academy of Sciences".
Auch das Sterben vor 65 Millionen
Jahren wird mit dem Einschlag eines Himmelskörpers in Zusammenhang
gebracht. Doch weil sich dieser nicht auf dem Meer sondern auf
dem Land ereignete, waren die Folgen für das marine Leben
nicht ganz so drastisch.
Entscheidend seien aber nicht
die Massensterben selbst gewesen, so die Forscher, sondern die
sich anschließenden Erholungsphasen. "Wir glauben,
dass diese zwei Sterben groß genug waren, um das ganze Ökosystem
zu einer Generalüberholung zu zwingen", meint Bambach.
"Das Auftreten verschiedener Arten und ihre Beziehungsgeflechte
pendelten sich neu ein."
Profitiert haben die flexiblen,
nicht ortsgebundenen Arten: "Organismen, die sich selbst
kaum fortbewegen, sind darauf angewiesen, dass ihnen die Strömung
Nahrung zutreibt", erklärt Bambach, "wer selbst
schwimmt, dem eröffnen sich mehr Futterquellen."
"Vor dem Massensterben am
Ende des Perm waren zwei Drittel der Meerestiere ortsgebunden",
so Bambach weiter, "nach der ersten Erholungsphase lag das
Verhältnis zwischen mobilen und nicht-mobilen Arten bei eins
zu eins - bis zum Ende der Kreidezeit.
Nach dem zweiten Sterben gewannen
die mobilen Lebewesen mit zwei Drittel aller Arten die Oberhand.
Der Zustand hat sich also seit den Zeiten des Perm ins Gegenteil
verkehrt. Und dieser Zustand ist bis auf den heutigen Tag stabil
geblieben."
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