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- 14.05.2002 -

 

 

 

 

 

 

 


 

Meeresleben: Nur zwei große Wechsel in 450 Millionen Jahren

Das Ökosystem Meer ist stabiler als gedacht: Innerhalb von 450 Millionen Jahren gab es nur zwei einschneidende Ereignisse, die das Leben unter Wasser nachhaltig veränderten. Alle sonstigen Klimaschwankungen und Umwelteinflüsse haben kaum Spuren hinterlassen.

(jkm) - Drei amerikanische Geologen haben die Folgen von fünf großen Massensterben in der Erdgeschichte verglichen. Ihr Fazit: Drei dieser Sterben haben das Gleichgewicht der Meere nicht verändert.

Die Forscher Richard Bambach, Andrew Knoll und John Sepkoski Jr. glauben, nur zwei große Ereignisse hätten das Meeresleben wirklich beeinträchtigt: Das eine markiert den Übergang von Perm zu Trias vor 251 Millionen Jahren, das andere fällt auf das Ende der Kreidezeit vor 65 Millionen Jahren, als zeitgleich auf dem Land die Dinosaurier ausstarben.

Das Sterben im Perm war besonders schwer wiegend. Wie fossile Funde belegen, verschwanden rund 95 Prozent aller Arten von Meerestieren. Verantwortlich soll der Einschlag eines riesigen Meteoriten oder Kometen sein, der die Kohlendioxid-Werte in den Ozeanen schlagartig ansteigen ließ.

Darauf deuten Gaseinschlüsse in Gestein aus dem Perm hin, die in ihrer speziellen Zusammensetzung keiner anderen Epoche der Erdgeschichte nachzuweisen sind und wahrscheinlich aus dem Weltraum stammen.

Im Vergleich zum Perm-Sterben fiel der zweite schwere Einschnitt zum Ende der Kreidezeit maßvoller aus, schreiben die Forscher in den "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Auch das Sterben vor 65 Millionen Jahren wird mit dem Einschlag eines Himmelskörpers in Zusammenhang gebracht. Doch weil sich dieser nicht auf dem Meer sondern auf dem Land ereignete, waren die Folgen für das marine Leben nicht ganz so drastisch.

Entscheidend seien aber nicht die Massensterben selbst gewesen, so die Forscher, sondern die sich anschließenden Erholungsphasen. "Wir glauben, dass diese zwei Sterben groß genug waren, um das ganze Ökosystem zu einer Generalüberholung zu zwingen", meint Bambach. "Das Auftreten verschiedener Arten und ihre Beziehungsgeflechte pendelten sich neu ein."

Profitiert haben die flexiblen, nicht ortsgebundenen Arten: "Organismen, die sich selbst kaum fortbewegen, sind darauf angewiesen, dass ihnen die Strömung Nahrung zutreibt", erklärt Bambach, "wer selbst schwimmt, dem eröffnen sich mehr Futterquellen."

"Vor dem Massensterben am Ende des Perm waren zwei Drittel der Meerestiere ortsgebunden", so Bambach weiter, "nach der ersten Erholungsphase lag das Verhältnis zwischen mobilen und nicht-mobilen Arten bei eins zu eins - bis zum Ende der Kreidezeit.

Nach dem zweiten Sterben gewannen die mobilen Lebewesen mit zwei Drittel aller Arten die Oberhand. Der Zustand hat sich also seit den Zeiten des Perm ins Gegenteil verkehrt. Und dieser Zustand ist bis auf den heutigen Tag stabil geblieben."


© ArtToday

Organismen, die sich selbst kaum fortbewegen, sind darauf angewiesen, dass ihnen die Strömung Nahrung zutreibt - sie waren deshalb die Verlierer der Veränderungen.

 

 Mehr Informationen:

PNAS

ZUM: Ablauf der Evolution

SWR2: Wendezeiten der Evolution: Massensterben und ihre Folgen

 

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