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Matriarchat:
Es geht auch anders
In den meisten Kulturen des
Menschen haben Männer das Sagen. Das Volk der Minangkabau
auf der Insel Sumatra gibt dagegen den Frauen den Vorzug - ohne
die Männer zu beherrschen.
(jkm) - Eine amerikanische Wissenschaftlerin
fand nach Jahrzehnte langen Studien heraus, dass in mutterrechtlichen
Gesellschaften eine größere Gleichberechtigung der
Geschlechter herrscht.
Der Schweizer Altertumsforscher
Johann Jakob Bachofen (1815- 1887) wies 1861 zum ersten Mal auf
das Mutterrecht hin, das bisher nur "von wenigen beachtet"
worden war. Tatsächlich wird in weniger als fünfzehn
Prozent aller Gesellschaften der Familienbesitz in weiblicher
Linie vererbt; Frauen stellen dort den Haushaltsvorstand.
Die vier Millionen Volksangehörigen
der Minangkabau im Bergland der indonesischen Insel Sumatra bewahren
die größte zur Zeit noch bestehende matriarchale Kultur.
Die amerikanische Anthropologin
Peggy Sanday von der Universität von Pennsylvania lebte 21
Sommer lang in einem Dorf der Minangkabau. Ihre Beobachtungen
wurden der Öffentlichkeit jetzt als Buch vorgestellt.
Nach Sandays Auffassung verstellen
europäische Vorurteile den Blick auf die tatsächlichen
Lebensverhältnisse in einer mutterrechtlichen Kultur: "Die
meisten Anthropologen erwarten eine Gesellschaft, in der die Frauen
alle Dinge des Alltagslebens, einschließlich der Regierung,
beherrschen. Im Westen Sumatras sorgen Männer und Frauen
jedoch eher wie Partner für das gemeinsame Wohl und fühlen
sich nicht als egozentrische Konkurrenten."
Bei den Minangkabau wird das Eigentum
an Grund und Boden von den Müttern auf die Töchter vererbt.
Bei der Hochzeit zieht der Bräutigam in das Haus seiner Frau,
bei einer Scheidung kehrt er in den Haushalt seiner Mutter zurück.
Dennoch herrscht keines der Geschlechter
über das andere: "Die Minangkabau glauben, dass Entscheidungen
durch Konsensus herbeigeführt werden müssen. Mir wurde
erklärt, dass es keine Geschlechterherrschaft gibt, weil
Männer und Frauen sich ergänzen."
Die gleichberechtigte Rolle der
Frauen wird von dem Grundsatz des alten Gewohnheitsrechts des
'Adat' hergeleitet, wonach "das Wachstum in der Natur Lehren
erteilt."
Das mütterliche Prinzip wird
als Ursprung und Grundlage des Lebens in der Natur und in der
Gesellschaft angesehen. So werden die alten Frauen mit dem ältesten
Pfeiler eines Hauses gleichgesetzt und Frauen gelten allgemein
als "das Zentrum eines Fischnetzes", in dem alle Fäden
zusammenlaufen.
Obwohl bereits im 16. Jahrhundert
der Islam eingeführt wurde, haben sich beide Rechtsauffassungen
miteinander arrangiert. "Hätten die Minangkabau Widerstand
geleistet und ihre kulturelle Reinheit verteidigt, statt sich
den verschiedenen Einflüssen anzupassen, wäre das Adat
zweifellos schon vor langem untergegangen," urteilt die Wissenschaftlerin.
"Die Moral ihrer Geschichte
lautet, dass der Ausgleich von Gegensätzen eine Welt bewahren
kann."
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