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Biowaffen: Das Kalkül der Pockenimpfung
Eine Massenimpfung gegen Pocken
könnte im Falle eines Angriffs mit Biowaffen Tausende von
Leben retten. Doch abgesehen vom finanziellen Aufwand könnte
schon die Impfung selbst zahlreiche Leben fordern.
(jkm) - Letztlich hänge die
Entscheidung für oder wider eine Impfkampagne davon ab, für
wie wahrscheinlich man einen groß angelegten Angriff mit
Pockenviren halte, sagen amerikanische Mediziner, die Kosten und
Nutzen in einer Studie abgewägt haben.
Am 8. Mai 1980 wurde die Welt
offiziell für pockenfrei erklärt. Schon einige Jahre
zuvor waren die Pflichtimpfungen in Deutschland, den Vereinigten
Staaten und anderen Ländern ausgesetzt worden. Seit dem letzten
Herbst ist mit der Furcht vor Bioterroristen auch die Angst vor
den Pocken wieder gewachsen.
So wird in den USA diskutiert,
ob man vorbeugend weite Teile der Bevölkerung gegen Pocken
immunisieren sollte. Die nötigen Impfstoff-Reserven werden
derzeit angelegt. Eine von den Centers for Disease Control and
Prevention, Atlanta, ausgearbeitete Strategie sieht dagegen Ringimpfungen
erst nach einem Anschlag vor. Dabei werden die Personen im Umfeld
der Infizierten geimpft, um eine weitere Ausbreitung des Erregers
zu verhindern.
Mit einem Computermodell ermittelten
Matthew Davis und seine Kollegen von der University of Michigan,
Ann Arbor, nun Kosten und Nutzen der verschiedenen Programme.
Die Kosten für eine Ringimpfung lägen demnach bei 3
Millionen Dollar, ausgehend von anfänglich 100 Infizierten.
Dagegen würde es etwa 286
Millionen Dollar kosten, jeden zweiten der rund 110 Millionen
US-Bürger zwischen 1 und 29 Jahren vorsorglich zu impfen.
Wollte man drei Viertel dieser Bevölkerungsgruppe erreichen,
lägen die Kosten bei etwa 430 Millionen Dollar. Bei einem
Viertel der unter 30-Jährigen wäre die Verabreichung
des Impfstoffs zu riskant, schätzen die Forscher.
Den Kosten stellen Davis und sein
Team die Zahl der Todesopfer gegenüber. Im ersten Jahr nach
einem Anschlag würden bei alleiniger Ringimpfung fast 2.200
Personen sterben, erläutern sie auf einem Fachkongress in
Baltimore, Maryland.
Ausgehend von den 50- und 75-Prozent-Szenarien
würden dagegen etwa 360 bzw. 240 Menschen sterben, hauptsächlich
als Folge von Impfkomplikationen. Die Forscher betonen jedoch,
dass diese Schätzungen auf dreißig Jahre alten Zahlen
beruhen - im Jahr 1972 wurden die Pflichtimpfungen in den USA
ausgesetzt.
"Wenn man den Verlust an
Menschenleben bedenkt, den ein Pocken-Anschlag in einer nicht-immunisierten
Gesellschaft wie den Vereinigten Staaten fordern würde, scheint
eine Massenimpfung kosteneffektiv", so Davis.
Diese Kosten-Nutzen- Rechnung
hänge jedoch davon ab, wie massiv ein Anschlag sei. Bei anfänglich
nur zehn Infizierten, würde die Massenimpfung beispielsweise
deutlich mehr Menschenleben als der Anschlag selbst fordern. Umgekehrt
wäre es bei Tausend Betroffenen.
"Als weiteren wichtigen Punkt
muss man die Wahrscheinlichkeit für einen Pocken-Angriff
bedenken", sagt der Mediziner. "Unsere Analyse zeigt,
dass die Impfung der 1- bis 29-Jährigen bis zu einer niedrigen
Anschlagswahrscheinlichkeit von zehn Prozent kosteneffektiv bleibt."
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