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- 08.05.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Biowaffen: Das Kalkül der Pockenimpfung

Eine Massenimpfung gegen Pocken könnte im Falle eines Angriffs mit Biowaffen Tausende von Leben retten. Doch abgesehen vom finanziellen Aufwand könnte schon die Impfung selbst zahlreiche Leben fordern.

(jkm) - Letztlich hänge die Entscheidung für oder wider eine Impfkampagne davon ab, für wie wahrscheinlich man einen groß angelegten Angriff mit Pockenviren halte, sagen amerikanische Mediziner, die Kosten und Nutzen in einer Studie abgewägt haben.

Am 8. Mai 1980 wurde die Welt offiziell für pockenfrei erklärt. Schon einige Jahre zuvor waren die Pflichtimpfungen in Deutschland, den Vereinigten Staaten und anderen Ländern ausgesetzt worden. Seit dem letzten Herbst ist mit der Furcht vor Bioterroristen auch die Angst vor den Pocken wieder gewachsen.

So wird in den USA diskutiert, ob man vorbeugend weite Teile der Bevölkerung gegen Pocken immunisieren sollte. Die nötigen Impfstoff-Reserven werden derzeit angelegt. Eine von den Centers for Disease Control and Prevention, Atlanta, ausgearbeitete Strategie sieht dagegen Ringimpfungen erst nach einem Anschlag vor. Dabei werden die Personen im Umfeld der Infizierten geimpft, um eine weitere Ausbreitung des Erregers zu verhindern.

Mit einem Computermodell ermittelten Matthew Davis und seine Kollegen von der University of Michigan, Ann Arbor, nun Kosten und Nutzen der verschiedenen Programme. Die Kosten für eine Ringimpfung lägen demnach bei 3 Millionen Dollar, ausgehend von anfänglich 100 Infizierten.

Dagegen würde es etwa 286 Millionen Dollar kosten, jeden zweiten der rund 110 Millionen US-Bürger zwischen 1 und 29 Jahren vorsorglich zu impfen. Wollte man drei Viertel dieser Bevölkerungsgruppe erreichen, lägen die Kosten bei etwa 430 Millionen Dollar. Bei einem Viertel der unter 30-Jährigen wäre die Verabreichung des Impfstoffs zu riskant, schätzen die Forscher.

Den Kosten stellen Davis und sein Team die Zahl der Todesopfer gegenüber. Im ersten Jahr nach einem Anschlag würden bei alleiniger Ringimpfung fast 2.200 Personen sterben, erläutern sie auf einem Fachkongress in Baltimore, Maryland.

Ausgehend von den 50- und 75-Prozent-Szenarien würden dagegen etwa 360 bzw. 240 Menschen sterben, hauptsächlich als Folge von Impfkomplikationen. Die Forscher betonen jedoch, dass diese Schätzungen auf dreißig Jahre alten Zahlen beruhen - im Jahr 1972 wurden die Pflichtimpfungen in den USA ausgesetzt.

"Wenn man den Verlust an Menschenleben bedenkt, den ein Pocken-Anschlag in einer nicht-immunisierten Gesellschaft wie den Vereinigten Staaten fordern würde, scheint eine Massenimpfung kosteneffektiv", so Davis.

Diese Kosten-Nutzen- Rechnung hänge jedoch davon ab, wie massiv ein Anschlag sei. Bei anfänglich nur zehn Infizierten, würde die Massenimpfung beispielsweise deutlich mehr Menschenleben als der Anschlag selbst fordern. Umgekehrt wäre es bei Tausend Betroffenen.

"Als weiteren wichtigen Punkt muss man die Wahrscheinlichkeit für einen Pocken-Angriff bedenken", sagt der Mediziner. "Unsere Analyse zeigt, dass die Impfung der 1- bis 29-Jährigen bis zu einer niedrigen Anschlagswahrscheinlichkeit von zehn Prozent kosteneffektiv bleibt."

 Mehr Informationen:

University of Michigan Health System

Pocken

 

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