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- 08.05.2002 -


 

Hepatitis: Impfstoff aus der Karotte

Gentechnisch veränderte Pflanzen als Lieferanten für Impfstoffe und Medikamente sind seit längerem im Gespräch. Giessener Forscher nehmen jetzt einen alten Bekannten aus dem Gemüsebeet in die Pflicht.

(jkm) - Die akute Hepatitis ist eine schwere Krankheit, die im Extremfall zum Tod durch Leberversagen führt. Haupterreger ist in Deutschland das Hepatitis B-Virus. Ein noch größeres Problem ist jedoch die weltweit verbreitete chronische Infektion. Rund 350 Millionen Menschen gelten als infiziert, mehr als eine Million sterben pro Jahr durch dieses Virus.

Forscher der Universität Gießen kennen eine Lösung für das Problem: Die Karotte. Wissenschaftler am Institut für Pflanzenernährung und am Institut für Medizinische Virologie haben das Gemüse so manipuliert, dass es einen Impfstoff bildet.

Impfstoffe gegen Hepatitis B enthält das Oberflächenprotein des Virus, das nach mehrmaliger Injektion die Bildung von schützenden Antikörpern anregt. Das entsprechende Protein stammt nicht direkt vom Virus, sondern wird mit Hilfe gentechnischer Methoden in Hefezellkulturen produziert. Dieser Impfstoff ist teuer und muss zudem mindestens dreimal injiziert werden.

Als Impfstoff-Produzenten sind seit längerem transgene Pflanzen im Gespräch, etwa Tabak, Tomaten oder Kartoffeln. In Gießen setzt man alternativ auf die Karotte. Die Forscher um Jafargholi Imani, Karl-Hermann Neumann und Wolfram H. Gerlich haben Karotten dazu gentechnisch verändert.

Die Forscher verbanden das Hepatitis B-Oberflächenprotein mit einem durch ein pflanzliches Hormon aktivierbaren "Promotor". Diese Verbindung brachten sie in Karottenzellen ein. Das genaue Verfahren wird in der nächsten Ausgabe der Fachzeitschrift "Plant Cell, Tissue and Organ Culture" veröffentlicht.

Für die Karotte als Impfstoff-Lieferant spricht nach Meinung der Forscher ihre gute Lagerfähigkeit. Außerdem könne die Pflanze weltweit kultiviert und somit auch in tropischen und subtropischen Ländern angebaut werden.

Die einzige Bedingung bei der Impfung: Das Gemüse muss frisch verzehrt werden. Durch Kochen würde das von den Pflanzen produzierte Antigen zerstört und damit als Impfstoff wirkungslos. Wer keine Karotten mauen mag, kann alternativ aber auch den frisch gepressten Saft trinken.


© ArtToday

Karotten: Giessener Wissenschaftler haben das Gemüse so manipuliert, dass es einen Impfstoff bildet.

 

 Mehr Informationen:

Mitteilung der Universität Gießen

vista verde: Gentechnik

 

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