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Hepatitis: Impfstoff aus der Karotte
Gentechnisch veränderte
Pflanzen als Lieferanten für Impfstoffe und Medikamente sind
seit längerem im Gespräch. Giessener Forscher nehmen
jetzt einen alten Bekannten aus dem Gemüsebeet in die Pflicht.
(jkm) - Die akute Hepatitis ist
eine schwere Krankheit, die im Extremfall zum Tod durch Leberversagen
führt. Haupterreger ist in Deutschland das Hepatitis B-Virus.
Ein noch größeres Problem ist jedoch die weltweit verbreitete
chronische Infektion. Rund 350 Millionen Menschen gelten als infiziert,
mehr als eine Million sterben pro Jahr durch dieses Virus.
Forscher der Universität
Gießen kennen eine Lösung für das Problem: Die
Karotte. Wissenschaftler am Institut für Pflanzenernährung
und am Institut für Medizinische Virologie haben das Gemüse
so manipuliert, dass es einen Impfstoff bildet.
Impfstoffe gegen Hepatitis B enthält
das Oberflächenprotein des Virus, das nach mehrmaliger Injektion
die Bildung von schützenden Antikörpern anregt. Das
entsprechende Protein stammt nicht direkt vom Virus, sondern wird
mit Hilfe gentechnischer Methoden in Hefezellkulturen produziert.
Dieser Impfstoff ist teuer und muss zudem mindestens dreimal injiziert
werden.
Als Impfstoff-Produzenten sind
seit längerem transgene Pflanzen im Gespräch, etwa Tabak,
Tomaten oder Kartoffeln. In Gießen setzt man alternativ
auf die Karotte. Die Forscher um Jafargholi Imani, Karl-Hermann
Neumann und Wolfram H. Gerlich haben Karotten dazu gentechnisch
verändert.
Die Forscher verbanden das Hepatitis
B-Oberflächenprotein mit einem durch ein pflanzliches Hormon
aktivierbaren "Promotor". Diese Verbindung brachten
sie in Karottenzellen ein. Das genaue Verfahren wird in der nächsten
Ausgabe der Fachzeitschrift "Plant Cell, Tissue and Organ
Culture" veröffentlicht.
Für die Karotte als Impfstoff-Lieferant
spricht nach Meinung der Forscher ihre gute Lagerfähigkeit.
Außerdem könne die Pflanze weltweit kultiviert und
somit auch in tropischen und subtropischen Ländern angebaut
werden.
Die einzige Bedingung bei der
Impfung: Das Gemüse muss frisch verzehrt werden. Durch Kochen
würde das von den Pflanzen produzierte Antigen zerstört
und damit als Impfstoff wirkungslos. Wer keine Karotten mauen
mag, kann alternativ aber auch den frisch gepressten Saft trinken.
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