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- 03.05.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Die Urmenschen stiegen nicht von den Bäumen herab

Die ersten Menschen krochen auf allen Vieren, bevor sie sich entschlossen, auf zwei Beinen zu gehen. Doch warum? Drei amerikanische Anthropologen überprüften jetzt alle Theorien, die das Wunder des aufrechten Gangs erklären sollen.

(jkm) - Der aufrechte Gang auf zwei Beinen hat weit reichende Folgen für alle übrigen Teile des menschlichen Körpers. Die Hände werden frei und können Werkzeuge gebrauchen, um neue Nahrungsquellen zu erschließen. Der Kauapparat bildet sich zurück, so dass Raum für einen größeren Hirnschädel entsteht. Sprachlaute können artikuliert werden. Die Augen überblicken ein größeres Terrain und regen das Gehirn zum Wachstum an. Die Veränderung des weiblichen Beckens gefährdet Mutter und Kind bei der Niederkunft. Die Geburtshilfe wird zur ersten sozialen Einrichtung des Menschen.

Die Fortbewegung auf zwei Beinen (Bipedie) gilt deshalb als entscheidender Schritt in der Menschwerdung des Affen. Die Wissenschaft vom Menschen hat bisher jedoch noch keine Übereinstimmung darüber erzielt, wann, warum und wie diese revolutionäre Veränderung stattgefunden hat.

Brian Richmond von der Universität von Indiana stellte jetzt mit seinen Kollegen David Begun und David Strait im "Yearbook of Physical Anthropology" alle Hypothesen zusammen, die während der vergangenen einhundert Jahre über den aufrechten Gang des Menschen veröffentlicht wurden.

Die meisten Erklärungsmodelle kranken nach ihrer Auffassung daran, dass sie einer einzigen Ursache den Ausschlag geben. So ist es wenig wahrscheinlich, dass das Plündern von Früchten von kleinen Obstbäumen den entscheidenden Anreiz lieferte. Schimpansen gehen noch heute derselben Tätigkeit nach, ohne dass sich ihr Körperbau auf eine aufrechte Haltung einstellt. Auch der Gebrauch von Werkzeugen wird bei vielen Primaten beobachtet, die dadurch nicht zu einer Änderung ihrer Fortbewegungsart angeregt werden.

"Die Evolution vollzieht sich in äußerst langsamen Schritten," so die Forscher, "und deshalb gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass wir heute in irgendeiner der untersuchten Bevölkerungen ein dramatisches Entwicklungsereignis beobachten können." Am wahrscheinlichsten sei eine langsame Veränderung der Umweltbedingungen.

Ein kühleres und trockeneres Klima hätte die dichten Waldländer ausgedünnt. In dem entstehenden Mosaik aus Wäldern, Gehölzen und offenen Grasländern hätten "einige Großaffen eine waldorientierte Anpassung aufrecht erhalten, während andere die Waldränder und Gehölze mit spärlichem Bewuchs ausbeuteten." Ganz allmählich wären die neuen Anpassungsformen erblich geworden.

Um ihre Hypothese zu belegen, verglichen die Forscher die biomechanischen Eigenschaften des Skeletts der Vormenschen, wie die Beweglichkeit und Belastung von Knochen und Gelenken, mit Angaben zum Körperwachstum und zur Knochenbildung.

Dabei fanden sie im einzelnen: die Ausbildung von Händen und Füßen lässt eine erdnahe Fortbewegung vermuten; das ganze Skelett war noch zum Klettern auf Bäumen geeignet; Hände und Handgelenke ermöglichten den Fingerknöchelgang; Veränderungen in der Krümmung der Fingerknochen während der Reifung des Individuums legen einen häufigen Umgang mit Bäumen und Ästen nahe.

Aus all diesen Indizien schließen die Forscher, dass "die frühsten menschlichen Zweifüßer von Vorfahren abstammen, die sowohl auf ihren Fingerknöcheln gingen wie auf Bäume kletterten, und nicht von Vorfahren, die ausschließlich in den Bäumen lebten und 'von den Bäumen herabstiegen' oder auf dem Boden gingen, wie es die modernen Paviane tun."

Demnach entwickelte sich der aufrechte Gang in einem langsamen Ausleseprozess, so dass Gruppen mit unterschiedlichem Körperbau lange Zeit nebeneinander lebten und sich miteinander vermischten.

 Mehr Informationen:

University of Indiana

University of Indiana, Department of Anthropology

University of Toronto, Department of Anthropology

New York College of Osteopathic Medicine

Evolution des Menschen

Der aufrechte Gang

Becoming Human

 

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