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"Reitender
Urzwerg": Kleinster Einzeller entdeckt
In 120 Metern Meerestiefe vor
Island lebt nach Angaben deutscher Mikrobiologen das kleinste
bislang bekannte Lebewesen der Welt.
(jkm) - Einen Einzeller mit wundersamen
Eigenschaften haben Regensburger Mikrobiologen am Meeresboden
vor Island entdeckt. Die urtümlichen Zellen bevorzugen nicht
nur Temperaturen von bis zu 90 Grad Celsius, wie sie in der Umgebung
heißer untermeerischer Quellen auftreten. Sie sind auch
extrem klein und reiten huckepack auf einem weiteren Exoten, was
ihnen den Namen Nanoarchaeum equitans eingehandelt hat.
Harald Huber von der Universität
Regensburg und seine Kollegen entdeckten die Winzling auf Gesteinsproben,
die sie nördlich von Island aus 120 Metern Meerestiefe geborgen
hatten. Unter Kulturbedingungen von 90 Grad Celsius und in Anwesenheit
von Schwefel, Wasserstoff und Kohlendioxid ließ sich ein
bislang unbekannter Einzeller vermehren. Eine genauere Betrachtung
zeigte, dass diese Vertreter der Gattung Ignicoccus - Feuerkugel
- häufig Begleitung in Form kleiner Kügelchen hatten.
Erst nach einer langen Reihe vergeblicher
Versuche konnten die Forscher nachweisen, dass diese nur 400 Nanometer
(Millionstel Millimeter) großen Kügelchen ein eigenes
Erbgut enthalten. Um mehr über ihre systematische Stellung
zu erfahren, sequenzierten Huber und seine Kollegen schließlich
die RNA aus der kleinen ribosomalen Untereinheit, ein häufig
verwendeter "Personalausweis".
Demnach gehören die Winzlinge
wie Ignicoccus zu den Archaeen, neben Bakterien und Eukaryonten
der dritte große Ast am Baum des Lebens. Sie unterscheiden
sich jedoch so stark von allen bekannten Archaeen, dass die Forscher
sie in eine eigene Gruppe einordnen.
Die neue Art wurde schließlich
Nanoarchaeum equitans und die neue Gruppe dementsprechend Nanoarchaeota
getauft. Ob es sich hierbei um besonders primitive oder hoch entwickelte
Archaeen handelt, ist derzeit noch unklar.
Wie Huber und seine Kollegen in
"Nature" berichten, ist Nanoarchaeum für sein Überleben
auf direkten Kontakt mit Ignicoccus angewiesen. Erste Beobachtungen
lassen vermuten, dass es sich bei dieser innigen Beziehung um
eine Art Symbiose handelt.
Sie könnte mit einer weiteren
Besonderheit der "reitenden Urzwerge" in Zusammenhang
stehen: Ihr Genom umfasst gerade einmal eine halbe Million Basenpaare
und ist damit das kleinste, jemals bei einem Einzeller gefundene
Erbgut.
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