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- 02.05.2002 -


 

"Reitender Urzwerg": Kleinster Einzeller entdeckt

In 120 Metern Meerestiefe vor Island lebt nach Angaben deutscher Mikrobiologen das kleinste bislang bekannte Lebewesen der Welt.

(jkm) - Einen Einzeller mit wundersamen Eigenschaften haben Regensburger Mikrobiologen am Meeresboden vor Island entdeckt. Die urtümlichen Zellen bevorzugen nicht nur Temperaturen von bis zu 90 Grad Celsius, wie sie in der Umgebung heißer untermeerischer Quellen auftreten. Sie sind auch extrem klein und reiten huckepack auf einem weiteren Exoten, was ihnen den Namen Nanoarchaeum equitans eingehandelt hat.

Harald Huber von der Universität Regensburg und seine Kollegen entdeckten die Winzling auf Gesteinsproben, die sie nördlich von Island aus 120 Metern Meerestiefe geborgen hatten. Unter Kulturbedingungen von 90 Grad Celsius und in Anwesenheit von Schwefel, Wasserstoff und Kohlendioxid ließ sich ein bislang unbekannter Einzeller vermehren. Eine genauere Betrachtung zeigte, dass diese Vertreter der Gattung Ignicoccus - Feuerkugel - häufig Begleitung in Form kleiner Kügelchen hatten.

Erst nach einer langen Reihe vergeblicher Versuche konnten die Forscher nachweisen, dass diese nur 400 Nanometer (Millionstel Millimeter) großen Kügelchen ein eigenes Erbgut enthalten. Um mehr über ihre systematische Stellung zu erfahren, sequenzierten Huber und seine Kollegen schließlich die RNA aus der kleinen ribosomalen Untereinheit, ein häufig verwendeter "Personalausweis".

Demnach gehören die Winzlinge wie Ignicoccus zu den Archaeen, neben Bakterien und Eukaryonten der dritte große Ast am Baum des Lebens. Sie unterscheiden sich jedoch so stark von allen bekannten Archaeen, dass die Forscher sie in eine eigene Gruppe einordnen.

Die neue Art wurde schließlich Nanoarchaeum equitans und die neue Gruppe dementsprechend Nanoarchaeota getauft. Ob es sich hierbei um besonders primitive oder hoch entwickelte Archaeen handelt, ist derzeit noch unklar.

Wie Huber und seine Kollegen in "Nature" berichten, ist Nanoarchaeum für sein Überleben auf direkten Kontakt mit Ignicoccus angewiesen. Erste Beobachtungen lassen vermuten, dass es sich bei dieser innigen Beziehung um eine Art Symbiose handelt.

Sie könnte mit einer weiteren Besonderheit der "reitenden Urzwerge" in Zusammenhang stehen: Ihr Genom umfasst gerade einmal eine halbe Million Basenpaare und ist damit das kleinste, jemals bei einem Einzeller gefundene Erbgut.

 Mehr Informationen:

Universität Regensburg, Lehrstuhl für Mikrobiologie und Archaeenzentrum

nature sience update

g-o.de: Extremophile

Three Domains of Life

Minimal Genome Project

 

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