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- 02.05.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Sex, Evolution und Romantik:
Bei Eisprung droht Seitensprung

Während ihrer fruchtbaren Tage träumen Frauen häufiger von Sex mit fremden Männern. Das regt ihre Partner dazu an, sich verstärkt um sie zu kümmern. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt eine Befragung durch Psychologen.

(jkm) - Bei allen Tierprimaten sind die Zeiten der weiblichen Fruchtbarkeit für das Männchen deutlich zu erkennen. Beim Menschen fehlen eindeutige körperliche Anzeichen für die weibliche Empfängnisbereitschaft. Biologen sprechen deshalb von einer "Ovulationsverbergung" beim Menschen. Sie führe dazu, dass Menschen feste Paarbindungen eingehen und auch außerhalb der fruchtbaren Tage der Frau miteinander verkehren.

Eine Forschergruppe um Steven Gangestad von der Universität von Neu-Mexiko fand jedoch heraus, dass eine alte genetische Programmierung der weiblichen Sexualität beim Menschen fortbesteht. Wie von anderen Tierarten bekannt ist, spüren auch Frauen einen Anreiz, durch Paarung mit anderen Partnern die genetische Qualität ihrer Nachkommen zu verbessern.

Aus verdeckten Untersuchungen weiß man, dass je nach sozialem Umfeld bis zu dreißig Prozent aller Geburten außerehelich gezeugt wurden. Die männlichen Partner einer festen Beziehung versuchen dagegen, durch verschiedene Kontrollmaßnahmen die freie Wahlmöglichkeit ihrer Partnerin während ihrer fruchtbaren Tage einzuschränken.

Gangestad und seine Kollegen von der Universität von Neu-Mexiko in Albuquerque führten zwei Befragungen bei 51 Studentinnen mit einem Durchschnittsalter von 19,6 Jahren durch. Sie sollten angeben, wie oft sie in den fünf Tagen vor ihrem Eisprung sowie in der Mitte ihrer unfruchtbaren Tage das Bedürfnis verspürten, mit einem fremden Partner zu schlafen.

"Die Ergebnisse belegen," fasst Gangestad in den "Proceedings" der Royal Society zusammen, "dass alle Frauen während ihrer fruchtbaren Tage ein bemerkenswert größeres sexuelles Interesse mit Fantasien über fremde Partner hatten als während ihrer unfruchtbaren Tage. Das Interesse an ihren festen Partnern zeigte dagegen keine Veränderung." Keine der Frauen setzte ihre Träume allerdings in die Wirklichkeit um; es blieb bei unerfüllten Sehnsüchten.

In einer zweiten Befragung äußerten sich die Frauen dazu, ob sich die Aufmerksamkeit ihrer festen Partner im Zeitraum um den Eisprung veränderte. Tatsächlich konnten sie feststellen, wie sich die Wachsamkeit und Bemühung ihrer Partner bis hin zu besitzergreifendem Verhalten um etwa dreißig Prozent vermehrt hatten. Die Männer riefen häufiger unerwartet bei ihnen an, verwöhnten sie mit Geschenken oder verbrachten besonders viel Zeit mit ihnen. In einigen Fällen versuchten sie, Konkurrenten herabzusetzen oder ihre Partnerin einzuschüchtern.

"Unsere Ergebnisse legen nahe," so die Forscher, "dass ein Interessenkonflikt zwischen den Geschlechtern besteht, wenn Frauen empfängnisbereit sind. (...) Männliche Partner wollen ihre Fortpflanzungsinteressen steigern, indem sie die Wahrscheinlichkeit verringern, Bemühungen in Nachkommen zu investieren, die nicht ihre eigenen sind." Bemerkenswerterweise berichteten Frauen über eine stärkere Lust auf fremde Männer, je mehr sie von ihren festen Partnern kontrolliert wurden.

Für die Evolutionsbiologen steht damit fest, dass selbst die romantischen Beziehungen des Menschen zum Teil aus genetischen Interessenkonflikten hervorgehen. Noch ist ungeklärt, auf welchem Weg Männer die Empfängnisbereitschaft ihrer Partnerinnen bemerken. Denkbar ist eine unbewusste Steuerung über den Körpergeruch oder über die Wahrnehmung des veränderten Verhaltens ihrer Partnerinnen.

Die Studie äußert sich auch nicht zu der Frage, ob die globale Unterdrückung der weiblichen Sexualität damit zusammenhängt, dass Männer zunehmend die Fähigkeit verloren haben, die Paarungsbereitschaft ihrer Frauen richtig zu deuten.


© ArtToday

Die Aufmerksamkeit des Partners nimmt im Zeitraum um den Eisprung um etwa dreißig Prozent zu.

 

 Mehr Informationen:

Royal Society: Sex, Evolution and Romance

New Scientist: Men's murky motives for romance

University of New Mexico, Department of Psychology

 

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