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Sex, Evolution und Romantik:
Bei Eisprung droht Seitensprung
Während ihrer fruchtbaren
Tage träumen Frauen häufiger von Sex mit fremden Männern.
Das regt ihre Partner dazu an, sich verstärkt um sie zu kümmern.
Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt eine Befragung durch
Psychologen.
(jkm) - Bei allen Tierprimaten
sind die Zeiten der weiblichen Fruchtbarkeit für das Männchen
deutlich zu erkennen. Beim Menschen fehlen eindeutige körperliche
Anzeichen für die weibliche Empfängnisbereitschaft.
Biologen sprechen deshalb von einer "Ovulationsverbergung"
beim Menschen. Sie führe dazu, dass Menschen feste Paarbindungen
eingehen und auch außerhalb der fruchtbaren Tage der Frau
miteinander verkehren.
Eine Forschergruppe um Steven
Gangestad von der Universität von Neu-Mexiko fand jedoch
heraus, dass eine alte genetische Programmierung der weiblichen
Sexualität beim Menschen fortbesteht. Wie von anderen Tierarten
bekannt ist, spüren auch Frauen einen Anreiz, durch Paarung
mit anderen Partnern die genetische Qualität ihrer Nachkommen
zu verbessern.
Aus verdeckten Untersuchungen
weiß man, dass je nach sozialem Umfeld bis zu dreißig
Prozent aller Geburten außerehelich gezeugt wurden. Die
männlichen Partner einer festen Beziehung versuchen dagegen,
durch verschiedene Kontrollmaßnahmen die freie Wahlmöglichkeit
ihrer Partnerin während ihrer fruchtbaren Tage einzuschränken.
Gangestad und seine Kollegen von
der Universität von Neu-Mexiko in Albuquerque führten
zwei Befragungen bei 51 Studentinnen mit einem Durchschnittsalter
von 19,6 Jahren durch. Sie sollten angeben, wie oft sie in den
fünf Tagen vor ihrem Eisprung sowie in der Mitte ihrer unfruchtbaren
Tage das Bedürfnis verspürten, mit einem fremden Partner
zu schlafen.
"Die Ergebnisse belegen,"
fasst Gangestad in den "Proceedings" der Royal Society
zusammen, "dass alle Frauen während ihrer fruchtbaren
Tage ein bemerkenswert größeres sexuelles Interesse
mit Fantasien über fremde Partner hatten als während
ihrer unfruchtbaren Tage. Das Interesse an ihren festen Partnern
zeigte dagegen keine Veränderung." Keine der Frauen
setzte ihre Träume allerdings in die Wirklichkeit um; es
blieb bei unerfüllten Sehnsüchten.
In einer zweiten Befragung äußerten
sich die Frauen dazu, ob sich die Aufmerksamkeit ihrer festen
Partner im Zeitraum um den Eisprung veränderte. Tatsächlich
konnten sie feststellen, wie sich die Wachsamkeit und Bemühung
ihrer Partner bis hin zu besitzergreifendem Verhalten um etwa
dreißig Prozent vermehrt hatten. Die Männer riefen
häufiger unerwartet bei ihnen an, verwöhnten sie mit
Geschenken oder verbrachten besonders viel Zeit mit ihnen. In
einigen Fällen versuchten sie, Konkurrenten herabzusetzen
oder ihre Partnerin einzuschüchtern.
"Unsere Ergebnisse legen
nahe," so die Forscher, "dass ein Interessenkonflikt
zwischen den Geschlechtern besteht, wenn Frauen empfängnisbereit
sind. (...) Männliche Partner wollen ihre Fortpflanzungsinteressen
steigern, indem sie die Wahrscheinlichkeit verringern, Bemühungen
in Nachkommen zu investieren, die nicht ihre eigenen sind."
Bemerkenswerterweise berichteten Frauen über eine stärkere
Lust auf fremde Männer, je mehr sie von ihren festen Partnern
kontrolliert wurden.
Für die Evolutionsbiologen
steht damit fest, dass selbst die romantischen Beziehungen des
Menschen zum Teil aus genetischen Interessenkonflikten hervorgehen.
Noch ist ungeklärt, auf welchem Weg Männer die Empfängnisbereitschaft
ihrer Partnerinnen bemerken. Denkbar ist eine unbewusste Steuerung
über den Körpergeruch oder über die Wahrnehmung
des veränderten Verhaltens ihrer Partnerinnen.
Die Studie äußert sich
auch nicht zu der Frage, ob die globale Unterdrückung der
weiblichen Sexualität damit zusammenhängt, dass Männer
zunehmend die Fähigkeit verloren haben, die Paarungsbereitschaft
ihrer Frauen richtig zu deuten.
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