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Neue Erklärung für Allergien:
Mangel an Dauerinfektionen
Der Grund für die dramatische
Zunahme von Allergien in Industrieländern könnte ein
Mangel an Dauerinfektionen sein, meinen Forscher.
Washington/Tübingen (dpa)
- Auf der Suche nach dem Grund für die dramatische Zunahme
von Allergien in Industrieländern haben Forscher eine neue
Theorie entwickelt. Danach könnte ein Mangel an Dauerinfektionen
dazu beitragen, dass Europäer und Nordamerikaner weitaus
häufiger unter Allergien leiden als Menschen in Afrika, Asien
oder auch Südamerika.
Im US-Wissenschaftsmagazin «Science»
(Bd. 296, S. 490) vom Freitag weisen die Forscher darauf hin,
dass Erreger wie die Parasitenwürmer Helminth die Produktion
von infektionsbekämpfenden Stoffen im Körper ankurbeln.
Studien zeigten, dass das Risiko
für allergische Reaktionen mit dem wachsenden Anteil dieser
infektionsbekämpfenden Zytokine sinke. Weltweit sind dem
«Science»-Bericht zufolge mindestens eine Milliarde
Menschen von Helminth-Würmern befallen.
Diese Erkenntnis soll nun für
die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden gegen Allergien genutzt
werden, sagte einer der Autoren, Prof. Peter G. Kremsner in Tübingen.
Der Mediziner arbeitet im Institut für Tropenmedizin der
Universitätskliniken Tübingen und war an den Studien
im Albert-Schweitzer-Hospital in Lambarene (Gabun) beteiligt.
Eine Schlüsselstellung bei
der Abwehr von Infektionen hat nach Angaben von Kremsner das körpereigene
Immunhormon Interleukin-10 (IL-10). Bei Menschen in industrialisierten
Ländern, die Infektionen seit Generationen durch Impfungen
vorbeugten oder sie mit Antibiotika bekämpften, sei die Produktion
dieses Hormons aber häufig gestört, sagte Kremsner.
Bei ihnen werde Interleukin-10
entweder gar nicht oder nur unzureichend produziert. Das sei der
Grund, weshalb ihre Körper gegen manche Stoffe mit allergischen
Schüben wie Hautekzemen, Heuschnupfen und Asthma reagierten.
«Wir zahlen einen Preis für die Zivilisation»,
sagte der Mediziner.
In «Science» heißt
es weiter, die ständige Herausforderung durch Erreger sei
entscheidend für die Entwicklung eines ausgewogenen Abwehrsystems
im Körper.
Jetzt müsse überlegt
werden, wie die T-Zellen des Immunsystems zur Vorbeugung und Behandlung
von Allergien stimuliert werden könnten, ohne die Impfungen
im Kindesalter zu streichen. Dafür sei es vor allem vielversprechend,
die für die Infektionsbekämpfung zuständigen Gene
zu identifizieren.
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