vista verde SucheNewsForumAktion

v i s t a   v e r d e   n e w s   -  W i s s e n s c h a f t   &   T e c h n i k

News - Seite 1Politik
Natur und Tiere
Wissenschaft und Technik
Wirtschaft und Energie

- 19.04.2002 -

 

 

 

 

 

 

 


 

Neue Erklärung für Allergien: Mangel an Dauerinfektionen

Der Grund für die dramatische Zunahme von Allergien in Industrieländern könnte ein Mangel an Dauerinfektionen sein, meinen Forscher.

Washington/Tübingen (dpa) - Auf der Suche nach dem Grund für die dramatische Zunahme von Allergien in Industrieländern haben Forscher eine neue Theorie entwickelt. Danach könnte ein Mangel an Dauerinfektionen dazu beitragen, dass Europäer und Nordamerikaner weitaus häufiger unter Allergien leiden als Menschen in Afrika, Asien oder auch Südamerika.

Im US-Wissenschaftsmagazin «Science» (Bd. 296, S. 490) vom Freitag weisen die Forscher darauf hin, dass Erreger wie die Parasitenwürmer Helminth die Produktion von infektionsbekämpfenden Stoffen im Körper ankurbeln.

Studien zeigten, dass das Risiko für allergische Reaktionen mit dem wachsenden Anteil dieser infektionsbekämpfenden Zytokine sinke. Weltweit sind dem «Science»-Bericht zufolge mindestens eine Milliarde Menschen von Helminth-Würmern befallen.

Diese Erkenntnis soll nun für die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden gegen Allergien genutzt werden, sagte einer der Autoren, Prof. Peter G. Kremsner in Tübingen. Der Mediziner arbeitet im Institut für Tropenmedizin der Universitätskliniken Tübingen und war an den Studien im Albert-Schweitzer-Hospital in Lambarene (Gabun) beteiligt.

Eine Schlüsselstellung bei der Abwehr von Infektionen hat nach Angaben von Kremsner das körpereigene Immunhormon Interleukin-10 (IL-10). Bei Menschen in industrialisierten Ländern, die Infektionen seit Generationen durch Impfungen vorbeugten oder sie mit Antibiotika bekämpften, sei die Produktion dieses Hormons aber häufig gestört, sagte Kremsner.

Bei ihnen werde Interleukin-10 entweder gar nicht oder nur unzureichend produziert. Das sei der Grund, weshalb ihre Körper gegen manche Stoffe mit allergischen Schüben wie Hautekzemen, Heuschnupfen und Asthma reagierten. «Wir zahlen einen Preis für die Zivilisation», sagte der Mediziner.

In «Science» heißt es weiter, die ständige Herausforderung durch Erreger sei entscheidend für die Entwicklung eines ausgewogenen Abwehrsystems im Körper.

Jetzt müsse überlegt werden, wie die T-Zellen des Immunsystems zur Vorbeugung und Behandlung von Allergien stimuliert werden könnten, ohne die Impfungen im Kindesalter zu streichen. Dafür sei es vor allem vielversprechend, die für die Infektionsbekämpfung zuständigen Gene zu identifizieren.

 Lesen Sie auch:

Antibiotikaresistenz: Wie Bakterien hartnäckig werden

Schimmelpilz: Sporen im Büro

Naturmedizin: Stärker gefragt - aber Ärzte verordnen weniger

Umweltverschmutzung: Europas Kinder schwer belastet

Studie: Spuren hormonell wirksamer Stoffe in vielen Lebensmitteln

Experte: Chemische Keule im Haushalt ist nicht hygienischer

Allergien: Klimawandel begünstigt Gras-Pollen

 

 

 

zurück zur vorherigen Seite    nach oben

News: Seite 1 | Politik | Natur | Wissenschaft| Wirtschaft
Rubriken: Home | Suche | News | Forum | Aktion
vista verde: Impressum | Hilfe | Werbung