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Neue Insektenordnung: Lebende Fossilien
entdeckt
Zum ersten Mal seit 87 Jahren
muss die Systematik der Insekten auf höchster Ebene erweitert
werden: Lebende Vertreter einer neuen Insektenordnung haben dänische
und deutsche Biologen in Namibia entdeckt.
(jkm) - Die vorläufig "Gladiator"
getauften Tiere ähneln einer Mischung aus Stabschrecke und
Gottesanbeterin. Erst vor kurzem waren ihre Verwandten in 45 Millionen
Jahre altem Bernstein entdeckt worden.
Oliver Zompro vom Max-Planck-Institut
für Limnologie in Plön und seine Kollegen entdeckten
die bis zu 2,5 Zentimeter langen Tiere bei einer Expedition zum
Brandberg in Namibia.
Laut Piotr Naskrecki, Invertebraten-Experte
der Artenschutzorganisation "Conservation International"
kommt der neue Fund der Entdeckung eines lebenden Mammuts oder
Säbelzahntigers gleich. Mit der neuen im Magazin "Science"
berschriebenen Ordnung der Mantophasmatodea erhöht sich die
Zahl der Insektenordnungen auf 31.
Im vergangenen Jahr hatte Zompro
in Bernstein aus dem Baltikum mehrere Tiere gefunden, die keiner
bekannten Insektenordnung zugeschrieben werden konnten. Im Britischen
Museum für Naturkunde wurde ihm später ein aufgespießtes
Exemplar präsentiert, das 1950 in Tansania gesammelt worden
war.
Weitere, ähnlich aussehende
Tiere fanden sich schließlich in einem glasklaren Bernstein
aus einer Privatsammlung und in Material aus dem Berliner Museum
für Naturkunde. Genauere Studien zeigten, dass es sich um
Vertreter zweier neuer Gattungen - Mantophasma und Raptophasma
- handelte, die nicht in das System der Insekten passten.
Hinweise aus Namibia führten
schließlich zur Entdeckung der dritten Art mit dem Arbeitstitel
"Gladiator". Wie sich herausstellte, hatten britische
und namibische Forscher bereits 1998 Vertreter dieser Art gefunden.
Die ersten Untersuchungen verraten
bereits viel über die Lebensweise der Tiere. Demnach handelt
es sich um Raubinsekten, die mit ihren dornenbesetzten Vorderbeinen
andere Insekten fangen und festhalten. Zudem scheinen die Mantophasmatodea
an Überflutungen gewöhnt zu sein. Darauf deuten Strukturen
an ihrem Hinterleib hin, die eine Sauerstoffversorgung der Eier
selbst unter Wasser gewährleisten könnten.
Ein wissenschaftlicher Kooperationsvertrag
zwischen dem Institut in Plön und dem Namibischen Nationalmuseum
in Windhuk soll jetzt die eingehende Erforschung der "lebenden
Fossilien" sichern.
Insekten stellen mit über
1,2 Mio. beschriebenen Arten etwa 80 Prozent aller heute lebenden
Tierarten. Jährlich werden zahlreiche weitere Arten gefunden
und beschrieben. Die Gesamtzahl der Insektenarten wird auf bis
zu 20 Millionen geschätzt.
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