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- 18.04.2002 -


 

Neue Insektenordnung: Lebende Fossilien entdeckt

Zum ersten Mal seit 87 Jahren muss die Systematik der Insekten auf höchster Ebene erweitert werden: Lebende Vertreter einer neuen Insektenordnung haben dänische und deutsche Biologen in Namibia entdeckt.

(jkm) - Die vorläufig "Gladiator" getauften Tiere ähneln einer Mischung aus Stabschrecke und Gottesanbeterin. Erst vor kurzem waren ihre Verwandten in 45 Millionen Jahre altem Bernstein entdeckt worden.

Oliver Zompro vom Max-Planck-Institut für Limnologie in Plön und seine Kollegen entdeckten die bis zu 2,5 Zentimeter langen Tiere bei einer Expedition zum Brandberg in Namibia.

Laut Piotr Naskrecki, Invertebraten-Experte der Artenschutzorganisation "Conservation International" kommt der neue Fund der Entdeckung eines lebenden Mammuts oder Säbelzahntigers gleich. Mit der neuen im Magazin "Science" berschriebenen Ordnung der Mantophasmatodea erhöht sich die Zahl der Insektenordnungen auf 31.

Im vergangenen Jahr hatte Zompro in Bernstein aus dem Baltikum mehrere Tiere gefunden, die keiner bekannten Insektenordnung zugeschrieben werden konnten. Im Britischen Museum für Naturkunde wurde ihm später ein aufgespießtes Exemplar präsentiert, das 1950 in Tansania gesammelt worden war.

Weitere, ähnlich aussehende Tiere fanden sich schließlich in einem glasklaren Bernstein aus einer Privatsammlung und in Material aus dem Berliner Museum für Naturkunde. Genauere Studien zeigten, dass es sich um Vertreter zweier neuer Gattungen - Mantophasma und Raptophasma - handelte, die nicht in das System der Insekten passten.

Hinweise aus Namibia führten schließlich zur Entdeckung der dritten Art mit dem Arbeitstitel "Gladiator". Wie sich herausstellte, hatten britische und namibische Forscher bereits 1998 Vertreter dieser Art gefunden.

Die ersten Untersuchungen verraten bereits viel über die Lebensweise der Tiere. Demnach handelt es sich um Raubinsekten, die mit ihren dornenbesetzten Vorderbeinen andere Insekten fangen und festhalten. Zudem scheinen die Mantophasmatodea an Überflutungen gewöhnt zu sein. Darauf deuten Strukturen an ihrem Hinterleib hin, die eine Sauerstoffversorgung der Eier selbst unter Wasser gewährleisten könnten.

Ein wissenschaftlicher Kooperationsvertrag zwischen dem Institut in Plön und dem Namibischen Nationalmuseum in Windhuk soll jetzt die eingehende Erforschung der "lebenden Fossilien" sichern.

Insekten stellen mit über 1,2 Mio. beschriebenen Arten etwa 80 Prozent aller heute lebenden Tierarten. Jährlich werden zahlreiche weitere Arten gefunden und beschrieben. Die Gesamtzahl der Insektenarten wird auf bis zu 20 Millionen geschätzt.


© Thomas Kujawski/ASA-Multimedia

Gladiator Nymphe auf dem Brandberg in Namibia


 Mehr Informationen:

Pressemitteilung der Max-Planck-Gesellschaft

Videoclip
(mpg; 4,8 MB)

Stabschrecken-Seite von Oliver Zompro

AG Tropenökologie, Max-Planck-Institut für Limnologie

Insektenordnungen

vista verde: Insekten

 

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