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Naturmedizin: Stärker gefragt -
aber Ärzte verordnen weniger
Immer mehr Menschen greifen
bei leichteren Erkrankungen zu Naturheilmitteln. Ärzte verschreiben
indes trotz der hohen Akzeptanz bei Patienten immer weniger solcher
Mittel.
Bonn (dpa) - Immer mehr Deutsche
setzen auf Naturmedizin. Fast drei Viertel (73 Prozent) aller
Bürger greifen bei leichteren Erkrankungen wie Erkältung,
Magenbeschwerden oder Schlaflosigkeit zumindest gelegentlich zu
Arzneien auf pflanzlicher Basis.
Einer repräsentativen Umfrage
zufolge verschreiben Ärzte indes immer weniger Naturheilmittel.
Das sagte die Direktorin des Instituts für Demoskopie Allensbach,
Elisabeth Noelle-Neumann, am Dienstag in Bonn.
1970 hatten nur 52 Prozent der
Bundesbürger (alte Länder) pflanzliche Mittel verwendet
- vorwiegend Frauen aus gebildeteren Schichten. Inzwischen vertrauten
auch früher eher zurückhaltende Männer auf Naturmedizin
zu Therapie, Begleitmedikation oder auch Vorbeugung. Auch die
Bildung spiele keine so große Rolle mehr, sagte Noelle-Neumann.
Naturarzneien werden nach ihren
Worten künftig noch beliebter werden. Das sei vor allem auf
die ausgeprägte Sorge vor Nebenwirkungen chemisch-synthetischer
Medikamente zurückzuführen.
Die Naturheilmittel (Phytopharmaka)
profitierten zudem von einem Trend zur Selbstmedikation. Bei leichten
Erkrankungen gingen die Menschen heute seltener zum Arzt. Fast
zwei Drittel (62 Prozent) sind inzwischen der Ansicht, wegen einer
Kleinigkeit sei kein Arztbesuch erforderlich. 1978 waren es nur
44 Prozent.
Die Mehrheit der 2172 Befragten
ist bereit, bei vom Arzt verschriebenen Naturheilmitteln bis zu
rund 30 Prozent des Preises selbst zu bezahlen. Rund drei Viertel
der gesetzlich Versicherten wollen, dass die pflanzlichen Medikamente
weiter auf Kassenrezept verordnet werden können.
Die ärztlichen Verordnungen
von Naturheilmitteln sanken der Studie zufolge um rund 10 Prozent
gegenüber 1997. Den Grund dafür sehen die Arzneimittelhersteller
in der Gesundheitspolitik der Bundesregierung und der Krankenkassen.
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