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Studie: Spuren hormonell wirksamer Stoffe
in vielen Lebensmitteln
Jülicher Wissenschaftler
haben nach eigenen Angaben in zahlreichen Lebensmitteln Spuren
hormonell wirksamer Substanzen gefunden.
Jülich (dpa) - Die Forscher
wiesen erstmals bestimmte Abbauprodukte so genannter Tenside nach,
die unter anderem in Reinigungsmitteln und Pestiziden verwendet
werden. Diese «Nonylphenole» könnten das menschliche
Hormonsystem beeinflussen und würden für Missbildungen,
Fruchtbarkeitsstörungen und Krebs mit verantwortlich gemacht,
teilte das Forschungszentrum Jülich mit.
Ob die in den Lebensmitteln gefundenen
Mengen allerdings gefährlich seien, stehe nicht fest. Grenzwerte
für diese Stoffe existierten nicht, da sie bislang nicht
nachweisbar gewesen seien.
Dank eines neu entwickelten Analyse-Verfahrens
könnten Lebensmittel erstmals auf Nonylphenole untersucht
werden, sagte der Chemiker Prof. Klaus Günther, der Leiter
des Projekts. Die Forscher fahndeten in 60 Lebensmitteln nach
den Industriechemikalien. In sämtlichen Nahrungsmittelgruppen
entdeckten sie Spuren davon.
Besonders hohe Konzentrationen
seien in Tomaten und Äpfeln nachgewiesen worden. Auch in
Muttermilch und Säuglingsnahrung seien Spuren gefunden worden.
Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Stoffe in allen
Lebensmitteln vorhanden seien. Zu den vermuteten Verursachern
zählten Pestizide.
Nach Berechnungen der Forscher
nimmt ein Erwachsener täglich 7,5 Mikrogramm (millionstel
Gramm) Nonylphenole mit der Nahrung auf. Welche Folgen dieser
Wert für die Gesundheit habe, sei noch nicht abschätzbar.
Mit den Jülicher Ergebnissen
lägen nun aber erstmals verlässliche Zahlen vor, die
Toxikologen als Grundlage für weitere Untersuchungen dienen
könnten, hieß es. Die Untersuchungen sind im Fachblatt
«Environmental Science & Technology» (Bd. 36,
S. 1676) veröffentlicht.
Die Umweltschutzorganisation
Greenpeace forderte eine grundlegende Reform des Chemierechts
zum Schutz der Verbraucher. «Ob Tomaten, Äpfel, Brot
oder Bier - in offenbar allen unseren Lebensmitteln steckt das
Dauergift Nonylphenol», kommentierte Greenpeace- Chemieexperte
Manfred Krautter. Dies belege einen fahrlässigen Umgang mit
Dauergiften in der EU.
Nach Angaben der Jülicher
Forscher werden weltweit jährlich etwa 600.000 Tonnen Tenside
auf Basis von Nonylphenol in Haushalt und Industrie eingesetzt.
Diese Substanzen würden wegen ihrer Fett lösenden Eigenschaften
beispielsweise für Reinigungsmittel geschätzt und in
der Papierindustrie verwendet.
Auch in Lebensmittelverpackungen,
Pestiziden, Druck- und Wandfarben kommen die Stoffe Greenpeace
zufolge vor. In der Natur würden diese Tenside zu Nonylphenol
abgebaut, erläuterte Krautter.
Diese Verbindung aus Kohlenstoff,
Wasserstoff und Sauerstoff kann den Jülicher Angaben zufolge
grundsätzlich das Hormonsystem stören, besonders in
der Frühphase der Embryonalentwicklung.
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