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Der beste Freund des Menschen
Wölfe waren die erste
Tierart, die der Mensch seinem Willen unterwarf. Forscher meinen
sogar, dass erst mit dem Halten von Hunden der entscheidende Schritt
zur menschlichen Kultur geschah: Hunde machten den Menschen zum
Menschen.
(jkm) - Aus einer Untersuchung
der mitochondrialen DNA weiß man, dass die über 600
Hunderassen der Welt auf eine Unterart des Grauwolfs zurückgehen,
der vor etwa 100.000, vielleicht sogar 135.000 Jahren lebte. Im
selben Zeitraum entwickelte sich der moderne Mensch, der in wenigen
Jahrtausenden fast die ganze Erde durchstreifte. In England wurden
in der über 130.000 Jahre alten Crayford-Schicht kleinere
Wolfsschädel gefunden, die von einer domestizierten Art herrühren
könnten.
Hunde als ständige Begleiter
des Menschen sind von vielen Fundplätzen überall auf
der Welt aus einer Zeit zwischen 13.500 und 10.000 v. Chr. bezeugt.
Aus derselben Zeit stammen die ersten Felszeichnungen von tierförmigen
Mischwesen aus Wolf und Mensch. Weil Menschen damals zur Sesshaftigkeit
übergingen, hinterließen sie auch deutlichere Spuren
ihrer Lebensweise. Für die vorhergehende Epoche ihres unsteten
Wanderlebens fehlen noch direkte Beweise für eine Arbeitsteilung
zwischen Mensch und Hund.
Der Archäologe Paul Taçon
vom Australian Museum in Sydney fand mit seinem Kollegen Colin
Pardoe weitere Hinweise auf ein frühes Zusammenleben von
Mensch und Hund. Die natürliche Geselligkeit der Wölfe
hätte ganz zwanglos dazu geführt, dass sie sich den
Menschengruppen anschlossen. Schon bald übernahmen sie wichtige
Funktionen bei der Sauberhaltung und Bewachung des Lagers und
beim Aufspüren und Verfolgen der Jagdbeute.
Die ausgeprägte Körpersprache
der Wölfe wäre von den frühen Menschen intuitiv
übernommen worden. Während bereits Schimpansen ihren
Lebensraum verteidigen, ist das Revierverhalten der Wölfe
besonders auffallend. Ihr Beispiel könnte dazu geführt
haben, dass die frühen Menschen vor etwa 50.000 Jahren damit
begannen, ihr Territorium durch Felszeichnungen genau zu markieren.
Der schwächere Geruchssinn des Menschen wäre also durch
den Gesichtssinn ergänzt worden.
Besonders folgenreich scheint
den beiden Forschern jedoch das Entstehen einer neuen Form der
sozialen Bindung, der Kameradschaft. Männliche Schimpansen
arbeiten zwar zusammen, jedoch meist nur kurzfristig. Die vorherrschende
Bindungsform bei Primaten ist die Eltern-Kind-Beziehung, weshalb
die primären Gruppen innerhalb einer Lokalgruppe von bis
zu achtzig Tieren selten zehn Individuen übersteigen.
Die frühen Menschen könnten
von ihren Hunden das gemeinsame Jagen in Rudeln gelernt haben.
Die Bildung von Allianzen hätte dann zur Vergrößerung
der Territorialgruppen geführt, die auch Krieg gegeneinander
führten. Die schweifende Lebensweise der Wölfe könnte
ein Grund dafür sein, warum der Homo sapiens seine Heimat
verließ und die ganze Welt eroberte.
Die australischen Forscher sehen
in der Arbeitsteilung zwischen Mensch und Hund das wichtigste
Moment der Kulturentstehung, das schließlich auch zur Domestizierung
anderer Tierarten führte: "Die Zähmung von Hunden
könnte eine der Hauptkräfte sein, die das Verhalten
der modernen Menschen letzten Endes bewirkte. Es ist möglich,
dass unsere unmittelbaren Vorfahren und die Wölfe sich gegenseitig
in einer strategischen Allianz domestiziert haben, die beide in
Menschen und Hunde verwandelt hat."
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