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- 28.03.2002 -

 

Der beste Freund des Menschen

Wölfe waren die erste Tierart, die der Mensch seinem Willen unterwarf. Forscher meinen sogar, dass erst mit dem Halten von Hunden der entscheidende Schritt zur menschlichen Kultur geschah: Hunde machten den Menschen zum Menschen.

(jkm) - Aus einer Untersuchung der mitochondrialen DNA weiß man, dass die über 600 Hunderassen der Welt auf eine Unterart des Grauwolfs zurückgehen, der vor etwa 100.000, vielleicht sogar 135.000 Jahren lebte. Im selben Zeitraum entwickelte sich der moderne Mensch, der in wenigen Jahrtausenden fast die ganze Erde durchstreifte. In England wurden in der über 130.000 Jahre alten Crayford-Schicht kleinere Wolfsschädel gefunden, die von einer domestizierten Art herrühren könnten.

Hunde als ständige Begleiter des Menschen sind von vielen Fundplätzen überall auf der Welt aus einer Zeit zwischen 13.500 und 10.000 v. Chr. bezeugt. Aus derselben Zeit stammen die ersten Felszeichnungen von tierförmigen Mischwesen aus Wolf und Mensch. Weil Menschen damals zur Sesshaftigkeit übergingen, hinterließen sie auch deutlichere Spuren ihrer Lebensweise. Für die vorhergehende Epoche ihres unsteten Wanderlebens fehlen noch direkte Beweise für eine Arbeitsteilung zwischen Mensch und Hund.

Der Archäologe Paul Taçon vom Australian Museum in Sydney fand mit seinem Kollegen Colin Pardoe weitere Hinweise auf ein frühes Zusammenleben von Mensch und Hund. Die natürliche Geselligkeit der Wölfe hätte ganz zwanglos dazu geführt, dass sie sich den Menschengruppen anschlossen. Schon bald übernahmen sie wichtige Funktionen bei der Sauberhaltung und Bewachung des Lagers und beim Aufspüren und Verfolgen der Jagdbeute.

Die ausgeprägte Körpersprache der Wölfe wäre von den frühen Menschen intuitiv übernommen worden. Während bereits Schimpansen ihren Lebensraum verteidigen, ist das Revierverhalten der Wölfe besonders auffallend. Ihr Beispiel könnte dazu geführt haben, dass die frühen Menschen vor etwa 50.000 Jahren damit begannen, ihr Territorium durch Felszeichnungen genau zu markieren. Der schwächere Geruchssinn des Menschen wäre also durch den Gesichtssinn ergänzt worden.

Besonders folgenreich scheint den beiden Forschern jedoch das Entstehen einer neuen Form der sozialen Bindung, der Kameradschaft. Männliche Schimpansen arbeiten zwar zusammen, jedoch meist nur kurzfristig. Die vorherrschende Bindungsform bei Primaten ist die Eltern-Kind-Beziehung, weshalb die primären Gruppen innerhalb einer Lokalgruppe von bis zu achtzig Tieren selten zehn Individuen übersteigen.

Die frühen Menschen könnten von ihren Hunden das gemeinsame Jagen in Rudeln gelernt haben. Die Bildung von Allianzen hätte dann zur Vergrößerung der Territorialgruppen geführt, die auch Krieg gegeneinander führten. Die schweifende Lebensweise der Wölfe könnte ein Grund dafür sein, warum der Homo sapiens seine Heimat verließ und die ganze Welt eroberte.

Die australischen Forscher sehen in der Arbeitsteilung zwischen Mensch und Hund das wichtigste Moment der Kulturentstehung, das schließlich auch zur Domestizierung anderer Tierarten führte: "Die Zähmung von Hunden könnte eine der Hauptkräfte sein, die das Verhalten der modernen Menschen letzten Endes bewirkte. Es ist möglich, dass unsere unmittelbaren Vorfahren und die Wölfe sich gegenseitig in einer strategischen Allianz domestiziert haben, die beide in Menschen und Hunde verwandelt hat."


© ArtToday

Wolf (Canis lupus)

 

 Mehr Informationen:

Australian Museum: Dogs Make Us Human

New Scientist: Animal-headed humans appear in earliest art

Nature Australia

Australian Museum

Der Wolf

 

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