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- 28.03.2002 -

 

 

 

 

 

 

 


 

Paläontologie: Weniger sprunghafte Arten- sterben?

Fossile Spuren scheinen es eindeutig zu beweisen: Mehrmals in der Erdgeschichte verschwanden zahlreiche Tierarten schlagartig. Forscher bezweifeln jedoch die Theorie vom schnellen Massensterbenund meinen, die Spuren liessen sich auch als "normales" Aussterben lesen.

(jkm) - Von Massensterben einer Art gehen die Forscher immer dann aus, wenn beim Übergang von einer geologischen Periode zur nächsten plötzlich keine Fossilien mehr feststellbar sind.

Derartige Brüche gibt es seit 543 Millionen Jahren in großer Zahl: Nach dem Übergang vom Ordovizium zum Silur vor 438 Millionen Jahren gab es plötzlich viele Riffbildner nicht mehr; beim Übergang vom Devon zum Karbon vor 360 Millionen Jahren blieben viele Arten wirbelloser Meerestiere und Plankton sowie primitive Fische auf der Strecke; der Schritt von Trias zu Jura gelang offenbar den meisten Säugetier-ähnlichen Reptilien nicht.

Die Aufzählung ließe sich noch um zahlreiche Beispiele erweitern; am bekanntesten aber ist sicherlich das Verschwinden der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren.

Die Vermutung, ganze Tierfamilien seien plötzlich ausgestorben, wird aus dem Fehlen fossiler Funde abgeleitet. Doch dieser Schluss ist möglicherweise unzulässig, geben Shanan E. Peters und Michael Foote von der University of Chicago zu bedenken. Im Magazin "Nature" weisen sie darauf hin, dass derartige Modelle zu stark von den geologischen Formationen geprägt werden, die an den Orten des vermeintlichen Sterbens vorherrschen.

Am Beispiel wirbelloser Meerestiere untersuchten die Forscher, wie sich die Zahl an Fossilien aus den letzten 543 Millionen Jahren und die geologischen Strukturen auf dem Gebiet der USA zu einander verhalten.

Das Problem: Nicht alle geologischen Perioden von gleicher Länge haben sich bis heute gleich gut in den Erdschichten verewigt. Es kommt zu Überlagerungen und Überzeichnungen, die letztendlich ein schiefes Bild der wirklichen Verhältnisse ergeben können.

Nach den Berechnungen von Peters und Foote lässt sich das Verschwinden einzelner Wirbelloser schon damit erklären, dass eine offenbar fossilienlose Epoche nur geologisch unterrepräsentiert ist.

Nimmt man etwa an, dass viele Wirbellose in eher seichten Gewässern lebten, so ist ihr scheinbares Verschwinden schon dadurch vorgezeichnet, dass flache Seen weniger Spuren hinterlassen als tiefe Meere.

Statistisch ist es dann ebenso wahrscheinlich, dass die betroffenen Arten dem regulären, langsamen "Hintergrundaussterben" zum Opfer fielen.

Die Vergleiche von Peters und Foote könnten dazu beitragen, zahlreiche Massensterben neu zu bewerten. Dass die Evolution umgeschrieben werden müsste, glauben aber auch die beiden Forscher nicht: Ereignisse wie das Saurier-Sterben zum Ende der Kreidezeit sind zu einschneidend, um sich durch geologische Zufälle erklären zu lassen.

 Mehr Informationen:

Nature Science Update

ZUM/Ernst-Georg Beck: Evolution

 

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