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Paläontologie: Weniger sprunghafte
Arten- sterben?
Fossile Spuren scheinen es
eindeutig zu beweisen: Mehrmals in der Erdgeschichte verschwanden
zahlreiche Tierarten schlagartig. Forscher bezweifeln jedoch die
Theorie vom schnellen Massensterbenund meinen, die Spuren liessen
sich auch als "normales" Aussterben lesen.
(jkm) - Von Massensterben einer
Art gehen die Forscher immer dann aus, wenn beim Übergang
von einer geologischen Periode zur nächsten plötzlich
keine Fossilien mehr feststellbar sind.
Derartige Brüche gibt es
seit 543 Millionen Jahren in großer Zahl: Nach dem Übergang
vom Ordovizium zum Silur vor 438 Millionen Jahren gab es plötzlich
viele Riffbildner nicht mehr; beim Übergang vom Devon zum
Karbon vor 360 Millionen Jahren blieben viele Arten wirbelloser
Meerestiere und Plankton sowie primitive Fische auf der Strecke;
der Schritt von Trias zu Jura gelang offenbar den meisten Säugetier-ähnlichen
Reptilien nicht.
Die Aufzählung ließe
sich noch um zahlreiche Beispiele erweitern; am bekanntesten aber
ist sicherlich das Verschwinden der Dinosaurier vor 65 Millionen
Jahren.
Die Vermutung, ganze Tierfamilien
seien plötzlich ausgestorben, wird aus dem Fehlen fossiler
Funde abgeleitet. Doch dieser Schluss ist möglicherweise
unzulässig, geben Shanan E. Peters und Michael Foote von
der University of Chicago zu bedenken. Im Magazin "Nature"
weisen sie darauf hin, dass derartige Modelle zu stark von den
geologischen Formationen geprägt werden, die an den Orten
des vermeintlichen Sterbens vorherrschen.
Am Beispiel wirbelloser Meerestiere
untersuchten die Forscher, wie sich die Zahl an Fossilien aus
den letzten 543 Millionen Jahren und die geologischen Strukturen
auf dem Gebiet der USA zu einander verhalten.
Das Problem: Nicht alle geologischen
Perioden von gleicher Länge haben sich bis heute gleich gut
in den Erdschichten verewigt. Es kommt zu Überlagerungen
und Überzeichnungen, die letztendlich ein schiefes Bild der
wirklichen Verhältnisse ergeben können.
Nach den Berechnungen von Peters
und Foote lässt sich das Verschwinden einzelner Wirbelloser
schon damit erklären, dass eine offenbar fossilienlose Epoche
nur geologisch unterrepräsentiert ist.
Nimmt man etwa an, dass viele
Wirbellose in eher seichten Gewässern lebten, so ist ihr
scheinbares Verschwinden schon dadurch vorgezeichnet, dass flache
Seen weniger Spuren hinterlassen als tiefe Meere.
Statistisch ist es dann ebenso
wahrscheinlich, dass die betroffenen Arten dem regulären,
langsamen "Hintergrundaussterben" zum Opfer fielen.
Die Vergleiche von Peters und
Foote könnten dazu beitragen, zahlreiche Massensterben neu
zu bewerten. Dass die Evolution umgeschrieben werden müsste,
glauben aber auch die beiden Forscher nicht: Ereignisse wie das
Saurier-Sterben zum Ende der Kreidezeit sind zu einschneidend,
um sich durch geologische Zufälle erklären zu lassen.
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