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- 26.03.2002 -

 

 

 

 

 

 

 


 

Protein-Evolution: Kein unbedeutendes Rauschen

Wenn eine Mutation die Funktion eines Proteins nicht verändert, ist sie trotzdem nicht unbedeutend.

(jkm) - Hierauf deuten die Resultate einer evolutionären Zeitreise hin, die zwei amerikanische Molekularbiologen unternommen haben. Demnach können zwei Mutationen, die sich einzeln kaum auswirken, gemeinsam einen bedeutenden Effekt haben.

Jianzhi Zhang und Helene Rosenberg von den National Institute of Health in Bethesda, Maryland, wollten mehr über die Vergangenheit zweier Proteine herausfinden, die von menschlichen Abwehrzellen produziert werden.

Beide Eiweiße zerschneiden RNA sehr effektiv in ihre Einzelteile. Eines der Eiweiße, EDN, wirkt daneben auch gegen einige Viren, während das andere, ECP, zusätzlich die Zellmembran von einzelligen Parasiten und Bakterien schädigt.

Vor einiger Zeit war entdeckt worden, dass die zwei Proteine aus einer Genverdoppelung hervorgegangen sind, die nach der Trennung von Altweltaffen und Neuweltaffen vor über 30 Millionen Jahren stattfand. Während erstere - und damit auch der Mensch - beide Proteine aufweisen, besitzen Neuweltaffen nur eines. Es arbeitet weniger effektiv als seine Vettern und wirkt weder antiviral noch antibakteriell.

Zhang und Rosenberg ermittelten die Aminosäuren-Abfolge der entsprechenden Proteine von Neuwelt- und Altweltaffen. Durch eine statistische Analyse berechneten sie daraus die vermutlichen Abfolgen in den Vorläuferproteinen, ließen diese von Bakterien herstellen und ermittelten die Aktivität der Proteine.

Demnach haben nur zwei Aminosäure-Ersetzungen zu der hohen RNase- Aktivität der modernen Altweltaffen-EDNs geführt, schreiben die Forscher in einem online veröffentlichten Artikel der "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Versuchweise ließen sie die Bakterien das Neuweltaffen-EDN inklusive diese Veränderungen herstellen und maßen deren Aktivität. Überraschenderweise hatte jede einzelne Veränderung für sich kaum einen Effekt.

Erst beide Austausche gemeinsam erhöhten die RNase-Effektivität des Proteins um das Dreizehnfache. Eine antivirale Wirkung konnten sie dem Proteins jedoch nicht verleihen, vermutlich bedurfte es dazu weiterer Veränderungen.

Nach Ansicht von Zhang und Rosenberg bestätigen ihre Ergebnisse frühere Befunde, dass Genverdoppelungen der Evolution zusätzlichen Spielraum verschaffen.

Fast noch wichtiger sei aber die Erkenntnis, dass auch scheinbar wirkungslose Proteinveränderungen sich im Endeffekt als bedeutend entpuppen können. "Neutrale Austausche sind nicht einfach nur 'Rauschen'", schreiben die Forscher, "sie spielen eine wichtige Rolle bei der Evolution der Proteinfunktion."

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