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US-Pläne für eine «Mini
Nuke»: Alte Atomlabors hoffen auf neues Leben
Der vom amerikanischen Verteigungsministerium
erwogene Einsatz kleiner Atombomben könnte der alternden
US-Atomwaffenindustrie und -wissenschaft neues Leben einhauchen.
Von Gabriele Chwallek, dpa
Washington (dpa) - Schon im Juni
2000 warb US-Atomforscher Stephen Younger für eine neue Art
von Nuklearwaffen mit begrenzter Sprengkraft, die tief in den
Boden eindringen könnten. Mit einer solchen Bombe, so meinte
der damalige Top-Wissenschaftler im Atomlabor Los Alamos, könnten
viele «harte» Ziele wie Bunker zerstört werden,
und das mit geringen Begleitschäden. Heute ist Younger Chef
der Pentagon-Abteilung für die Verteidigung gegen Massenvernichtungswaffen
und seine Idee von der neuen «Mini Nuke» alles andere
als utopisch.
Im jüngst bekannt gewordenen
und umstrittenen Atomreport des US-Verteidigungsministeriums wird
die Entwicklung neuer so genannter «Bunker Buster»
(«Bunkerknacker») konkret vorgeschlagen. Inzwischen
mehren sich Berichte darüber, dass das zuständige Energieministerium
damit begonnen hat, Teams für die Arbeit an der neuen Bombe
zusammenzustellen.
Trotz Kritik aus dem Ausland
daran, dass eine solche neue Waffengeneration eine Abkehr von
der Abschreckungsstrategie bedeuten und Atomwaffen zu Mitteln
der Kriegführung würden, soll nach Informationen der
Zeitung «USA Today» bereits im April mit der Forschung
begonnen werden.
Zwar will das Pentagon den Kongress
vor der Entwurfsphase in ein bis zwei Jahren um Erlaubnis fragen.
Aber hält sich die akute Terrorangst in den USA bis dahin,
ist eine Zustimmung durchaus möglich.
Der alternden US-Atomwaffenindustrie
und -wissenschaft könnten die Pläne neues Leben einhauchen.
Das gilt vor allem für die Forschungsstätte Los Alamos
in New Mexico und das Lawrence Livermore National Laboratory in
Kalifornien, die mit den «Bunker Buster»-Arbeiten
betraut werden sollen.
Mangel an anspruchsvollen Aufgaben
hat viele der einstigen Spitzen-Atomwissenschaftler nach Ende
des Kalten Krieges in andere Forschungsbereiche abwandern lassen
oder in den Ruhestand getrieben. Es fehlte an Forschungsaufträgen,
an einer «Mission» und zunehmend auch an Prestige.
Die damalige US-Regierung unter
Bill Clinton versuchte zwar, dem Frust und der «intellektuellen
Verkümmerung» der Atomwissenschaftler durch attraktive
zivile Projekte entgegenzuwirken. So entstand zum Beispiel in
Livermore der größte Laser der Welt.
Aber solche Herausforderungen
und das Simulieren von Atomwaffentests per Computer stoppten den
Exodus nicht, sondern verlangsamten ihn allenfalls. Waren in der
Atomwaffen-Wirtschaft noch vor zehn Jahren rund 100.000 Menschen
beschäftigt, ist die Zahl heute deutlich geschrumpft.
Energieministerium und Pentagon
wollen nun für die «Mini Nuke»- Forschungen eine
Mischung aus «älteren Füchsen» und jüngeren
Kräften, «die einen Blick für die neuen Bedrohungen
haben», wie es ein Ministeriumssprecher formulierte.
Die neuen Bedrohungen - das sind
in den Augen der US-Regierung mögliche Angriffe von Terrorgruppen
und den als «Achse des Bösen» geltenden Staaten
Irak, Iran und Nordkorea mit Massenvernichtungswaffen. Chemische
und Biowaffen, so wird in Washington argumentiert, könnten
sehr wohl unterirdisch hergestellt und gelagert werden. Und hier
kommen die «Bunker Buster» ins Spiel.
Aber längst nicht alle Wissenschaftler
glauben, dass eine solche neue Waffe überhaupt technologisch
machbar ist. Um tatsächlich Folgeschäden auf der Oberfläche
gering zu halten, müsste eine «Mini Nuke» mindestens
70 Meter tief in den Boden eindringen, argumentiert zum Beispiel
der renommierte US-Physiker Robert Nelson von der Princeton-Universität.
Eine derartige Durchschlagskraft
bei gleichzeitiger Sicherstellung einer zeitverzögerten Explosion
- nämlich nach Erreichen der nötigen Tiefe - lasse sich
aber technisch nicht bewerkstelligen. Dringe die Waffe aber nicht
tief genug ein, «dann wird es nach der Explosion auf der
Oberfläche tödlichen radioaktiven Schmutz regnen».
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