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- 20.03.2002 -

 

 

 

 

 


 

US-Pläne für eine «Mini Nuke»: Alte Atomlabors hoffen auf neues Leben

Der vom amerikanischen Verteigungsministerium erwogene Einsatz kleiner Atombomben könnte der alternden US-Atomwaffenindustrie und -wissenschaft neues Leben einhauchen.

Von Gabriele Chwallek, dpa

Washington (dpa) - Schon im Juni 2000 warb US-Atomforscher Stephen Younger für eine neue Art von Nuklearwaffen mit begrenzter Sprengkraft, die tief in den Boden eindringen könnten. Mit einer solchen Bombe, so meinte der damalige Top-Wissenschaftler im Atomlabor Los Alamos, könnten viele «harte» Ziele wie Bunker zerstört werden, und das mit geringen Begleitschäden. Heute ist Younger Chef der Pentagon-Abteilung für die Verteidigung gegen Massenvernichtungswaffen und seine Idee von der neuen «Mini Nuke» alles andere als utopisch.

Im jüngst bekannt gewordenen und umstrittenen Atomreport des US-Verteidigungsministeriums wird die Entwicklung neuer so genannter «Bunker Buster» («Bunkerknacker») konkret vorgeschlagen. Inzwischen mehren sich Berichte darüber, dass das zuständige Energieministerium damit begonnen hat, Teams für die Arbeit an der neuen Bombe zusammenzustellen.

Trotz Kritik aus dem Ausland daran, dass eine solche neue Waffengeneration eine Abkehr von der Abschreckungsstrategie bedeuten und Atomwaffen zu Mitteln der Kriegführung würden, soll nach Informationen der Zeitung «USA Today» bereits im April mit der Forschung begonnen werden.

Zwar will das Pentagon den Kongress vor der Entwurfsphase in ein bis zwei Jahren um Erlaubnis fragen. Aber hält sich die akute Terrorangst in den USA bis dahin, ist eine Zustimmung durchaus möglich.

Der alternden US-Atomwaffenindustrie und -wissenschaft könnten die Pläne neues Leben einhauchen. Das gilt vor allem für die Forschungsstätte Los Alamos in New Mexico und das Lawrence Livermore National Laboratory in Kalifornien, die mit den «Bunker Buster»-Arbeiten betraut werden sollen.

Mangel an anspruchsvollen Aufgaben hat viele der einstigen Spitzen-Atomwissenschaftler nach Ende des Kalten Krieges in andere Forschungsbereiche abwandern lassen oder in den Ruhestand getrieben. Es fehlte an Forschungsaufträgen, an einer «Mission» und zunehmend auch an Prestige.

Die damalige US-Regierung unter Bill Clinton versuchte zwar, dem Frust und der «intellektuellen Verkümmerung» der Atomwissenschaftler durch attraktive zivile Projekte entgegenzuwirken. So entstand zum Beispiel in Livermore der größte Laser der Welt.

Aber solche Herausforderungen und das Simulieren von Atomwaffentests per Computer stoppten den Exodus nicht, sondern verlangsamten ihn allenfalls. Waren in der Atomwaffen-Wirtschaft noch vor zehn Jahren rund 100.000 Menschen beschäftigt, ist die Zahl heute deutlich geschrumpft.

Energieministerium und Pentagon wollen nun für die «Mini Nuke»- Forschungen eine Mischung aus «älteren Füchsen» und jüngeren Kräften, «die einen Blick für die neuen Bedrohungen haben», wie es ein Ministeriumssprecher formulierte.

Die neuen Bedrohungen - das sind in den Augen der US-Regierung mögliche Angriffe von Terrorgruppen und den als «Achse des Bösen» geltenden Staaten Irak, Iran und Nordkorea mit Massenvernichtungswaffen. Chemische und Biowaffen, so wird in Washington argumentiert, könnten sehr wohl unterirdisch hergestellt und gelagert werden. Und hier kommen die «Bunker Buster» ins Spiel.

Aber längst nicht alle Wissenschaftler glauben, dass eine solche neue Waffe überhaupt technologisch machbar ist. Um tatsächlich Folgeschäden auf der Oberfläche gering zu halten, müsste eine «Mini Nuke» mindestens 70 Meter tief in den Boden eindringen, argumentiert zum Beispiel der renommierte US-Physiker Robert Nelson von der Princeton-Universität.

Eine derartige Durchschlagskraft bei gleichzeitiger Sicherstellung einer zeitverzögerten Explosion - nämlich nach Erreichen der nötigen Tiefe - lasse sich aber technisch nicht bewerkstelligen. Dringe die Waffe aber nicht tief genug ein, «dann wird es nach der Explosion auf der Oberfläche tödlichen radioaktiven Schmutz regnen».

 Mehr Informationen:

Los Alamos National Laboratory

IPPNW

Natural Resources Defense Council

vista verde: Atomenergie

 

 Lesen Sie auch:

Ärzte: Mini-Atombomben verursachen starke radioaktive Verseuchung

Sicherheitskommission: Gefährlicher Nachwuchsmangel in Atomindustrie

Zeitung: Nach US-Regierungsstudie 15.000 Krebstote durch Atomtests

 

 

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