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"Mercury Sunrise": Böses
Erwachen an den Polen
Zum Ende des Polarwinters kommt
es in Arktis und Antarktis zu regelrechten Quecksilber-Einbrüchen.
Zwei Forscherteams haben jetzt neue Erkenntnisse über dieses
als "Mercury Sunrise" bezeichnete Phänomen gewonnen.
(jkm) - Den Schätzungen der
Wissenschaftler zufolge beschert die Frühlingssonne den polaren
Ökosystemen neben Licht und Wärme auch Einträge
von bis zu 300 Tonnen Quecksilber pro Jahr.
Bei der Verbrennung fossiler Energieträger
gelangen jährlich schätzungsweise rund 6.500 Tonnen
Quecksilber in die Luft. Mit den Winden gelangt das giftige Schwermetall
auch in die scheinbar fernab allen Übels gelegenen Polargebiete.
Zunächst liegt es noch in
einer chemischen Form vor, in der es kaum in den Schnee oder das
Meer übergeht. Das ändert sich jedoch, wenn die Sonne
die zum Teil Monate dauernde Polarnacht beendet.
Vor allem der ultraviolette Anteil
des Sonnenlichts löst chemische Reaktionen aus, die das Quecksilber
in eine gut lösliche Form überführen. Die Folge
ist eine plötzliche Anreicherung des Schnees mit Quecksilber,
der erstmals 1998 in Alaska beobachtete "Mercury Sunrise".
Mit einsetzendem Tauwetter wird
das Schwermetall vermutlich auch für Lebewesen verfügbar
- ausgerechnet während der kurzen Wachstumssaison.
Im Fachblatt "Environmental
Science and Technology" berichten Ralf Ebinghaus vom GKSS
Institut für Küstenforschung in Geesthacht und seine
Kollegen nun, dass dieses Phänomen auch in der Antarktis
auftritt. Wie ihre Messungen an der deutschen Neumayer-Station
zeigten, sank die Luftkonzentration des Quecksilbers kurz nach
Frühlingsbeginn deutlich ab.
Vermutlich unter Mitwirkung von
Brom- und Chlorverbindungen aus dem Meersalz war das Schwermetall
in eine weniger flüchtige Form überführt worden.
Fast zeitgleich setzte auch der Abbau stratosphärischen Ozons
ein.
Mit dem gleichen Phänomen,
jedoch auf der anderen Seite der Welt, beschäftigte sich
die Gruppe um Steve Lindberg vom Oak Ridge National Laboratory,
Tennessee. Aufgrund ihrer Untersuchungen nahe der Stadt Barrow
in Nordalaska sind die Forscher überzeugt, dass zumindest
ein Teil der im Schnee angereicherten Quecksilberverbindungen
in die Nahrungskette gelangen kann.
Eine wichtige Rolle könnten
dabei Bakterien spielen, die die Verbindungen nochmals in eine
andere Form überführen. Nach Ansicht der Forscher könnte
dieser Befund erklären, warum die Quecksilbergehalte in arktischen
Seevögeln, Robben und Belugas in den letzten 20 Jahren trotz
sinkender Emissionen gestiegen sind.
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