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- 20.03.2002 -

 

 

 

 

 

 

 


 

"Mercury Sunrise": Böses Erwachen an den Polen

Zum Ende des Polarwinters kommt es in Arktis und Antarktis zu regelrechten Quecksilber-Einbrüchen. Zwei Forscherteams haben jetzt neue Erkenntnisse über dieses als "Mercury Sunrise" bezeichnete Phänomen gewonnen.

(jkm) - Den Schätzungen der Wissenschaftler zufolge beschert die Frühlingssonne den polaren Ökosystemen neben Licht und Wärme auch Einträge von bis zu 300 Tonnen Quecksilber pro Jahr.

Bei der Verbrennung fossiler Energieträger gelangen jährlich schätzungsweise rund 6.500 Tonnen Quecksilber in die Luft. Mit den Winden gelangt das giftige Schwermetall auch in die scheinbar fernab allen Übels gelegenen Polargebiete.

Zunächst liegt es noch in einer chemischen Form vor, in der es kaum in den Schnee oder das Meer übergeht. Das ändert sich jedoch, wenn die Sonne die zum Teil Monate dauernde Polarnacht beendet.

Vor allem der ultraviolette Anteil des Sonnenlichts löst chemische Reaktionen aus, die das Quecksilber in eine gut lösliche Form überführen. Die Folge ist eine plötzliche Anreicherung des Schnees mit Quecksilber, der erstmals 1998 in Alaska beobachtete "Mercury Sunrise".

Mit einsetzendem Tauwetter wird das Schwermetall vermutlich auch für Lebewesen verfügbar - ausgerechnet während der kurzen Wachstumssaison.

Im Fachblatt "Environmental Science and Technology" berichten Ralf Ebinghaus vom GKSS Institut für Küstenforschung in Geesthacht und seine Kollegen nun, dass dieses Phänomen auch in der Antarktis auftritt. Wie ihre Messungen an der deutschen Neumayer-Station zeigten, sank die Luftkonzentration des Quecksilbers kurz nach Frühlingsbeginn deutlich ab.

Vermutlich unter Mitwirkung von Brom- und Chlorverbindungen aus dem Meersalz war das Schwermetall in eine weniger flüchtige Form überführt worden. Fast zeitgleich setzte auch der Abbau stratosphärischen Ozons ein.

Mit dem gleichen Phänomen, jedoch auf der anderen Seite der Welt, beschäftigte sich die Gruppe um Steve Lindberg vom Oak Ridge National Laboratory, Tennessee. Aufgrund ihrer Untersuchungen nahe der Stadt Barrow in Nordalaska sind die Forscher überzeugt, dass zumindest ein Teil der im Schnee angereicherten Quecksilberverbindungen in die Nahrungskette gelangen kann.

Eine wichtige Rolle könnten dabei Bakterien spielen, die die Verbindungen nochmals in eine andere Form überführen. Nach Ansicht der Forscher könnte dieser Befund erklären, warum die Quecksilbergehalte in arktischen Seevögeln, Robben und Belugas in den letzten 20 Jahren trotz sinkender Emissionen gestiegen sind.

 Mehr Informationen:

GKSS Institut für Küstenforschung

NOAA Climate Monitoring & Diagnostics Laboratory

Neumayer-Station

 

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