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- 18.03.2002 -

 

 

 

 

 

 

 


 

Experte: Weniger Staus durch Tempolimit auf Autobahnen

Das Stauproblem auf deutschen Autobahnen kann nach Erkenntnissen von Verkehrsforschern durch ein generelles Tempolimit entschärft werden.

Regensburg (dpa) - «Es ist relativ wahrscheinlich, dass eine Höchstgeschwindigkeit von 120 oder 130 Stundenkilometern zu weniger Staus führen würde», sagte der Verkehrsforscher Dirk Helbing bei der Frühjahrstagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft in Regensburg der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Einzelne sehr schnell fahrende Wagen könnten den Verkehrsfluss auf den Straßen empfindlich stören und so zu Behinderungen führen, erklärte er.

Helbing ist Direktor des Instituts für Wirtschaft und Verkehr der TU Dresden. Der Professor setzt bei Computersimulationen Modelle aus der so genannten Vielteilchenphysik ein. Nach Helbings Angaben wird der Verkehr durch «zahlreiche Selbstorganisations-Phänomene» bestimmt, die physikalischen Regeln folgen. «Psychologische und soziale Verhaltensfaktoren sind für das Geschehen auf den Autobahnen nicht maßgeblich, sondern spielen eine untergeordnete Rolle.»

Ein häufiges Problem sei der «Stau aus dem Nichts», der nicht durch einen Unfall oder eine Baustelle verursacht wird. «So ein Stau entsteht, wenn eine bestimmte Verkehrsdichte vorliegt», erklärte Helbing. «Da können schon kleinste Störungen wie einfahrende Fahrzeuge oder unterschiedliche Geschwindigkeiten ausreichen.» Überreaktionen von einzelnen Fahrern wie starkes Bremsen führten dann zu Kettenreaktionen, die den gesamten Verkehr lahm legen.

Das kritische Tempo auf Fernstraßen liegt laut Helbing bei etwa 85 Stundenkilometern. «Sobald die Geschwindigkeit darunter sinkt, wird der Verkehr instabil und es besteht akute Staugefahr.» Der Verkehrsfluss könnte in solchen Situationen erhalten bleiben, wenn sich alle anpassen. «Da ist Rücksicht und Mitdenken gefragt.»

Die Fahrer sollten im Verkehrsfluss ohne Drängelei und Trödelei quasi mitschwimmen, dann kämen alle flotter voran. Der 37-Jährige bezeichnet dies als «Langsamer-ist-schneller-Effekt». Eine Lösung für das Problem sind laut Helbing Regelanlagen, die den Fahrern zeitweise Tempolimits vorschreiben.

 Mehr Informationen:

Institut für Wirtschaft und Verkehr, TU Dresden

 

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