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- 07.03.2002 -

 

 

 

 

 

 

 


 

Menschheit: Exodus statt Exitus

Die moderne Menschheit verließ vor etwa 100.000 Jahren Afrika. Ihr Siegeszug um die Erde war jedoch kein totaler Krieg: Ältere Bevölkerungen leben in ihren Genen fort. Eine statistische Auswertung des bekannten Genmaterials brachte jetzt ein überraschendes Ergebnis: Dem letzten "Auszug aus Afrika" gingen zwei Ausbreitungswellen voraus.

(jkm) - 1987 wurde der erste Stammbaum des Menschen veröffentlicht, den Genetiker durch eine Analyse des menschlichen Erbmaterials erarbeitet hatten. Nach diesem Verfahren werden Abstammungslinien, die eine bestimmte Mutation gemeinsam haben, zu so genannten Haplo-Gruppen zusammengefasst.

Die Haplo-Typen lassen sich hierarchisch anordnen und nach bekannten Mutationsraten annähernd datieren. Die Zweige und Äste dieses Stammbaums ergeben ein Bild der geographischen Ausbreitung der Menschheit im zeitlichen Verlauf.

Kritiker haben seither immer wieder bemängelt, dass oft nur ein Teil der menschlichen Zelle, die mitochondriale DNA (mtDNA), berücksichtigt wird. Der Humanbiologe Alan Templeton von der Washington-Universität in Saint Louis (MO) unterzog deshalb alle bisher veröffentlichten Gensequenzen einer statistischen Analyse.

Das von ihm und zwei Wissenschaftlern der Brigham-Young- Universität entwickelte Computerprogramm GEODIS misst die zeitliche und räumliche Distanz der verschiedenen Haplo-Gruppen vom frühesten Zeitpunkt des Auftretens einer gemeinsamen Mutation.

Wie Templeton in der Zeitschrift "Nature" berichtet, erreicht sein statistisches Verfahren der verschachtelten Kladen-Analyse (nested clade analysis) eine hohe Genauigkeit vor allem in sehr frühen Zeiträumen, in denen andere Untersuchungsmethoden versagen. Für spätere Zeiten (etwa ab 50.000 v. Chr.) hält Templeton genetische Methoden für weniger geeignet, weil die genetische Auflösung der Merkmale zunehmend sinkt.

Templeton analysierte erstmals nicht nur die Mutationen der mtDNA, die in mütterlicher Linie weitergegeben werden, sondern auch Veränderungen der männlichen Y-Chromosomen sowie von acht weiteren Gen-Abschnitten, die sowohl über den Vater wie über die Mutter vererbt werden. Sie stammen aus elf großen Haplo- Gruppen und machen etwa 13 Prozent des menschlichen Genoms aus. Die Erbinformationen regeln unter anderem die Ausprägung der Hautfarbe, des Immunsystems oder der Sauerstoff-Aufnahme.

Die genetischen Spuren bestätigen zunächst Afrika als Ursprung aller Entwicklungslinien des Menschen. Die ersten Urmenschen (Homo erectus) verließen vor etwa 1,7 Millionen Jahren den dunklen Kontinent. In einer zweiten Auswanderungswelle vor 840.000 bis 420.000 Jahren wandten sich Altmenschen (Paläanthropinen) nach Norden. Zu ihnen gehören die Neandertaler. Im selben Zeitraum nahm das menschliche Gehirn an Größe zu.

Erst in einer dritten Welle vor 150.000 bis 80.000 Jahren drang der Homo sapiens von Afrika nach Norden und Osten vor. Er zeigt bereits alle Merkmale des modernen Menschen, wie einen runden Schädel, eine hohe Stirn, ein ausgeprägtes Kinn und flache Augenhöhlen. Doch nur neunzig Prozent seiner Gen-Merkmale haben ihren Ursprung in Afrika, fand Templeton heraus. Gleichzeitig werden Spuren älterer Mutationen in seiner Erbsubstanz aufbewahrt.

Für Templeton ist dies das wichtigste Ergebnis seiner Studie: "Die Hypothese einer Auslöschung älterer Bevölkerungen ist eindeutig widerlegt. (...) Die Expansion aus Afrika vor 80.000 bis 150.000 Jahren hat die Ausmaße einer größeren Völkerwanderung. Sie ist durch Vermischung und nicht durch Verdrängung gekennzeichnet."

Allerdings müssten weitere Gen-Abschnitte von einer noch größeren Zahl moderner Menschen untersucht werden, um den Befund zeitlich abzurunden.

 Mehr Informationen:

Nature

The Templeton Lab

Biokurs: Evolution des Menschen

 

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