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Kernfusion in kollabierenden Gasblasen?
Amerikanische und russische
Physiker sind überzeugt, eine Kernfusion in einem schlichten
Laborexperiment herbeigeführt zu haben.
(jkm) - Temperatur und Druck erreichen
demnach in kollabierenden Gasblasen in einer organischen Flüssigkeit
derart hohe Werte, dass Kerne von schwerem Wasserstoff miteinander
verschmelzen. Doch noch vor der geplanten Veröffentlichung
sorgen die Behauptungen für eine heftige Kontroverse.
Mit enormem technischen Aufwand
werden derzeit Möglichkeiten untersucht, Energie mit Hilfe
von kontrollierter Kernfusion zu gewinnen. Daher sorgte bereits
1989 die Behauptung zweier amerikanischer Chemiker für Aufsehen,
sie hätten an Palladium-Elektroden eine "kalte"
Kernfusion beobachtet.
Die Resultate konnten jedoch nicht
reproduziert werden und die Forscher waren um ihren Ruf gebracht.
Ähnliches könnte jetzt auch Rusi Taleyarkhan vom Oak
Ridge National Laboratory im US-Bundesstaat Tennessee und seinen
Kollegen drohen.
Die Physiker untersuchten ein
als "akustische Kavitation" bezeichnetes Phänomen:
Dabei werden mit Hilfe intensiver Schallwellen winzige Gasblasen
in einer Flüssigkeit erzeugt und wieder zum Kollabieren gebracht.
Beim Zusammenstürzen der Bläschen treten in ihrem Inneren
hohe Drücke und Temperaturen auf, häufig wird auch Licht
ausgesandt.
Indem sie im Gleichtakt mit den
Schallwellen hochenergetische Neutronen durch die Flüssigkeit
schickten, konnten die Forscher bis zu einen Millimeter große
Blasen erzeugen. Beim Kollaps derart großer Blasen sollten
geeignete Bedingungen für die Verschmelzung von Atomkernen
entstehen, argumentieren Taleyarkhan und seine Kollegen in "Science".
Daher führten sie Experimente
mit Aceton durch, bei dem sämtliche "normalen"
Wasserstoffatome durch fusionsfähigen, schweren Wasserstoff
ersetzt waren. Bei der Verschmelzung solcher Deuterium-Kerne können
unter anderem Kerne eines noch schwereren Wasserstoff-Isotops,
Tritium, sowie relativ energiearme Neutronen entstehen.
Tatsächlich registrierten
die Messgeräte zeitgleich mit dem Kollaps der Bläschen
solche Neutronen, so die Forscher. Auch fanden sie nach den Versuchen
erhöhte Mengen von Tritium in der Flüssigkeit, bei Kontrollexperimenten
mit normalem Aceton traten diese Effekte nicht auf.
Laut den Berechnungen der Forscher
herrschten in den zusammenstürzenden Gasbläschen Temperaturen
von mehreren Millionen Grad Celsius. Daher sind sie überzeugt,
dass es in den Bläschen tatsächlich zur Kernfusion gekommen
war.
"Wissenschaftler sollten
- und werden - skeptisch bleiben, bis diese Experimente von Anderen
wiederholt worden sind", kommentiert Fred Becchetti von der
University of Michigan, Ann Arbor. Dafür haben Taleyarkhan
und sein Team bereits gesorgt, indem sie ihre Institutskollegen
die Versuche mit leistungsfähigeren Messgeräten durchführen
ließen.
Das Ergebnis: Dan Shapira und
Michael Saltmarsh fanden keine zusätzlichen Neutronen direkt
nach dem Lichtblitz. Sie glauben vielmehr, dass ihre Kollegen
den "Nachhall" des zur Blasenerzeugung eingesetzten
Neutronenpulses registriert haben.
Taleyarkhan und sein Team erwähnen
dieses negative Ergebnis in ihrem "Science"- Artikel,
sind jedoch nach wie vor von der Richtigkeit ihrer Messungen überzeugt.
Selbst wenn sich ihre Beobachtung
als korrekt herausstellen sollte, wäre es bis zur Energieerzeugung
mit kollabierenden Gasblasen noch ein weiter Weg.
Zunächst müsste gezeigt
werden, dass bei diesem Prozess mehr Energie abgegeben wird, als
man zu seiner Aufrechterhaltung aufwenden muss. Und selbst dann
müssten Mittel und Wege gefunden werden, diesen Energieüberschuss
in eine nutzbare Form umzuwandeln.
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