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- 05.03.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Kernfusion in kollabierenden Gasblasen?

Amerikanische und russische Physiker sind überzeugt, eine Kernfusion in einem schlichten Laborexperiment herbeigeführt zu haben.

(jkm) - Temperatur und Druck erreichen demnach in kollabierenden Gasblasen in einer organischen Flüssigkeit derart hohe Werte, dass Kerne von schwerem Wasserstoff miteinander verschmelzen. Doch noch vor der geplanten Veröffentlichung sorgen die Behauptungen für eine heftige Kontroverse.

Mit enormem technischen Aufwand werden derzeit Möglichkeiten untersucht, Energie mit Hilfe von kontrollierter Kernfusion zu gewinnen. Daher sorgte bereits 1989 die Behauptung zweier amerikanischer Chemiker für Aufsehen, sie hätten an Palladium-Elektroden eine "kalte" Kernfusion beobachtet.

Die Resultate konnten jedoch nicht reproduziert werden und die Forscher waren um ihren Ruf gebracht. Ähnliches könnte jetzt auch Rusi Taleyarkhan vom Oak Ridge National Laboratory im US-Bundesstaat Tennessee und seinen Kollegen drohen.

Die Physiker untersuchten ein als "akustische Kavitation" bezeichnetes Phänomen: Dabei werden mit Hilfe intensiver Schallwellen winzige Gasblasen in einer Flüssigkeit erzeugt und wieder zum Kollabieren gebracht. Beim Zusammenstürzen der Bläschen treten in ihrem Inneren hohe Drücke und Temperaturen auf, häufig wird auch Licht ausgesandt.

Indem sie im Gleichtakt mit den Schallwellen hochenergetische Neutronen durch die Flüssigkeit schickten, konnten die Forscher bis zu einen Millimeter große Blasen erzeugen. Beim Kollaps derart großer Blasen sollten geeignete Bedingungen für die Verschmelzung von Atomkernen entstehen, argumentieren Taleyarkhan und seine Kollegen in "Science".

Daher führten sie Experimente mit Aceton durch, bei dem sämtliche "normalen" Wasserstoffatome durch fusionsfähigen, schweren Wasserstoff ersetzt waren. Bei der Verschmelzung solcher Deuterium-Kerne können unter anderem Kerne eines noch schwereren Wasserstoff-Isotops, Tritium, sowie relativ energiearme Neutronen entstehen.

Tatsächlich registrierten die Messgeräte zeitgleich mit dem Kollaps der Bläschen solche Neutronen, so die Forscher. Auch fanden sie nach den Versuchen erhöhte Mengen von Tritium in der Flüssigkeit, bei Kontrollexperimenten mit normalem Aceton traten diese Effekte nicht auf.

Laut den Berechnungen der Forscher herrschten in den zusammenstürzenden Gasbläschen Temperaturen von mehreren Millionen Grad Celsius. Daher sind sie überzeugt, dass es in den Bläschen tatsächlich zur Kernfusion gekommen war.

"Wissenschaftler sollten - und werden - skeptisch bleiben, bis diese Experimente von Anderen wiederholt worden sind", kommentiert Fred Becchetti von der University of Michigan, Ann Arbor. Dafür haben Taleyarkhan und sein Team bereits gesorgt, indem sie ihre Institutskollegen die Versuche mit leistungsfähigeren Messgeräten durchführen ließen.

Das Ergebnis: Dan Shapira und Michael Saltmarsh fanden keine zusätzlichen Neutronen direkt nach dem Lichtblitz. Sie glauben vielmehr, dass ihre Kollegen den "Nachhall" des zur Blasenerzeugung eingesetzten Neutronenpulses registriert haben.

Taleyarkhan und sein Team erwähnen dieses negative Ergebnis in ihrem "Science"- Artikel, sind jedoch nach wie vor von der Richtigkeit ihrer Messungen überzeugt.

Selbst wenn sich ihre Beobachtung als korrekt herausstellen sollte, wäre es bis zur Energieerzeugung mit kollabierenden Gasblasen noch ein weiter Weg.

Zunächst müsste gezeigt werden, dass bei diesem Prozess mehr Energie abgegeben wird, als man zu seiner Aufrechterhaltung aufwenden muss. Und selbst dann müssten Mittel und Wege gefunden werden, diesen Energieüberschuss in eine nutzbare Form umzuwandeln.


©
Oak Ridge National Laboratory, Rensselaer Polytechnic Institute, Russian Academy of Sciences

Behälter mit Aceton, kurz vor dem Kollaps der Bläschen

 

 Mehr Informationen:

Oak Ridge National Laboratory

Programm Kernfusion des Forschungszentrums Karlsruhe

 

 

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