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Marine Bakterien: Aus dem Vollen geschöpft
Die Entdeckung zahlreicher
neuer Meeresbakterien, die eine spezielle Form der Photosynthese
betreiben, belegt nicht nur, dass es in den Ozeanen noch sehr
viel einzelliges Leben zu entdecken gibt. Auch die bisherigen
Vorstellun- gen zum marinen Stoff- und Energiekreislauf müssen
eventuell überdacht werden.
(jkm) - Ein Team amerikanischer
und japanischer Wissenschaftler um Edward DeLong vom kalifornischen
Monterey Bay Aquarium Research Institute untersuchte Wasserproben
aus dem Pazifik. Zunächst isolierten die Forscher sämtliche
RNA aus dem Salzwasser und fahndeten dann nach solchen RNA-Abschnitten,
die die Information für Photosynthesepigmente und -proteine
trugen.
Dabei konzentrierten sie sich
auf eine spezielle Form der Photosynthese, die so genannte aerobe
anoxygene Photosynthese. Anders als von Landpflanzen und Algen
gewohnt, wird dabei kein Sauerstoff freigesetzt. Erst vor kurzer
Zeit war entdeckt worden, dass dieser Stoffwechseltyp im Meer
sehr häufig ist. Schätzungsweise wird er von über
zehn Prozent aller marinen Mikroben betrieben.
DeLong und seine Kollegen sequenzierten
die gefundenen RNA- Abschnitte und versuchten, sie bekannten Bakterien
zuzuordnen. Dabei erlebten sie eine Überraschung: Viele der
gefundenen Erbgutschnipsel schienen aus Bakteriengruppen zu stammen,
die man bislang noch nicht im Ozean nachgewiesen hatte.
Die Forscher konnten zeigen, dass
es sich dabei aber nicht etwa um "sterbliche Überreste"
von ins Meer gespülten Bakterien handelte, sondern dass die
entsprechenden Gene im Meereswasser tatsächlich abgelesen
wurden.
Viele Wissenschaftler gehen davon
aus, dass sich der Großteil der marinen Bakterien nicht
im Labor kultivieren lässt. Daher setzen Mikrobiologen neben
der klassischen Kulturschale immer häufiger den Sequenzier-Automat
ein.
"Mikrobielle Vielfalt und
Funktion in der Umwelt sind noch nicht sehr gut verstanden",
so DeLong. "Mit neuen Techniken, die traditionelle Herangehensweisen
ergänzen, können wir uns daran machen, ein realistischeres
Bild der tatsächlichen Komplexität zu erlangen."
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