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Spaß und Ernst: Roboter kämpfen
ums Über- leben
Das erste Langzeitexperiment
zur künstlichen Evolution startet Ende März in einem
britischen Ausstellungszen- trum. Im Magna Science Adventure Centre
in Rotherham werden dabei selbstständig agierende Räuber-
und Beute- Roboter aufeinander treffen. Durch Neukombination und
Mutation ihrer Programme sollen mit der Zeit immer neue Überlebensstrategien
entstehen.
(jkm) - Vater der Idee ist Noel
Sharkey, Computerwissen- schaftler an der Universität Sheffield.
Sein Konzept sieht ein mehrere Hundert Quadratmeter großes
Ökosystem vor, bewohnt von Beute- und Räuber-Robotern.
Die kleinen Beute-Roboter, in
der zugehörigen Multimedia-Show als "good guys"
vorgestellt, suchen in der Arena nach Licht- quellen, aus denen
sie mit Hilfe von Solarzellen elektrische Lebensenergie ernten.
Auf diese Nahrung haben es die "bad guys" abgesehen.
Bekommt eine dieser großen Maschinen einen kleinen Vetter
zu fassen, führt sie eine Elektrode in die Beute ein und
zapft Energie aus dessen Kondensator ab.
Die Maschinen nutzen Infrarot-Licht,
um sich in der Arena zu orientieren, andere Roboter zu erkennen
und um zwischen Freund und Feind zu unterscheiden. Gesteuert wird
jeder Roboter von einem Computerchip, in dem ein neuronales Netzwerk
die Sinneseindrücke in Verhaltensweisen umsetzt. Die Eigenschaften
dieses Netzwerkes sind wiederum in Verhaltensgenen codiert.
Hat ein Roboter genügend
lang überlebt, darf er sich mit einem zweiten Roboter paaren:
Die Verhaltensgene der Elternteile werden in einen Zentralcomputer
geladen, dort leicht verändert, willkürlich neu kombiniert
und schließlich in einen neuen Roboter übertragen.
Sharkey glaubt, dass die Beute
im Laufe der Zeit immer neue Wege entwickelt, um den Räubern
ein Schnippchen zu schlagen. Dies zwingt wiederum die Räuber
dazu, neue Jagdstrategien zu entwickeln.
Gleichzeitig dürfen die Räuber
nicht zu gut sein: Wenn sie alle Beute-Roboter "töten",
entziehen sie sich damit selbst die Lebensgrundlage. Der Forscher
spekuliert, dass die autonom handelnden Maschinen vielleicht sogar
gemeinschaftliches Verhalten entwickeln könnten, beispielsweise
Herdentrieb oder Jagd im Rudel.
"Die Roboter stellen einen
wissenschaftlichen Meilenstein der Robotik dar", betont das
in einem stillgelegten Stahlwerk angesiedelte Science Centre.
Ziel des Experimentes sei es, Sharkeys Forschung in die Praxis
umzusetzen und mehr über lernende Maschinen zu erfahren.
Denn autonom agierende Roboter hielten schließlich immer
öfter Einzug in den Alltag.
Selbstverständlich solle
der inszenierte Kampf ums Überleben aber auch "eine
unterhaltsame und pädagogische Erfahrung für die Besucher"
sein.
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