|
Fossiler Fund: Unfreiwilliger Landgang
vor 500 Millionen Jahren
Das Zeugnis einer urzeitlichen
Tragödie findet sich in Sandsteinablagerungen im US-Bundesstaat
Wisconsin.
Die rund 500 Millionen Jahre alten Gesteinsschichten enthalten
Hunderte versteinerter Quallen, die Opfer
einer Massenstrandung wurden.
(jkm) - Nach Ansicht amerikanischer
Geowissenschaftler erlaubt dieser ungewöhnliche Fund neue
Einblicke in das Fressen und Gefressenwerden gegen Ende des Kambriums.
Zu jener Zeit waren die meisten
Tierstämme bereits entwickelt. Jedoch sind hauptsächlich
Fossilien von Arten mit einem harten Außenskelett erhalten,
weshalb die versteinerten Weichtiere im Mount Simon-Wonewoc-Sandstein
für Paläontologen besonders interessant sind.
Auch für James Hagadorn vom
California Institute of Techno- logy. "Es kommt äußerst
selten vor, dass Ablagerungen von massenhaft gestrandeten Quallen
entdeckt werden", so der Forscher.
Wie Hagadorn und seine Kollegen
im Fachblatt "Geology" schreiben, weisen die gestrandeten
Tiere große Ähnlichkeit mit heutigen Quallen auf. Mit
einem Schirmdurchmesser von mehre- ren Dezimetern seien sie die
größten aus Fossilien bekannten Quallen überhaupt.
"Interessant ist auch, dass sie zu den zwei größten
Typen von kambrischen Raubtieren gehörten", erläutert
Hagadorn.
Wisconsin lag vor 500 Millionen
Jahren am Rand eines tropischen Meeres, erläutern die Geowissenschaftler.
Vermutlich habe es in dem Gebiet kaum Erosion durch Wasser und
Wind gegeben.
Auch Aasfresser oder im Meeresgrund
wühlende Tiere hätten anscheinend gefehlt, so dass die
Körper der gestrandeten Quallen sich ungestört im Sediment
abzeichnen konnten.
Hagadorn glaubt, dass Quallen
zu den bedeutendsten Räubern des Kambriums gehörten.
Da es jedoch nur wenige Fossilien der Weichtiere gebe, seien sie
bei der Analyse der kambrischen Nahrungsketten schlicht übersehen
worden.
Daher seien die Versteinerungen
in Wisconsin so wichtig. "Die Ablagerungen eröffnen
uns die seltene Möglichkeit, mehr über diese Tiere zu
erfahren."
|