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Stickstoffkreislauf: Verschmutzung gemessen?
Der Mensch hat die Vegetation
der nördlichen Erdhalbkugel sehr viel stärker beeinflusst
als bislang angenommen. Darauf deutet eine Untersuchung des Stickstoffkreislaufs
in südamerikanischen Wäldern hin. Nach Ansicht amerika-
nischer Ökologen haben die meisten bisherigen Unter- suchungen
diesen Effekt schlicht übersehen.
(jkm) - Stickstoff ist neben Kohlenstoff
das wichtigste Nährelement für Pflanzen. "Menschliche
Aktivitäten wie die Verbrennung fossiler Energieträger,
Düngerproduktion und Landnutzung haben den Stickstoffkreislauf
in großen Gebieten massiv verändert", so Steven
Perakis und Lars Hedin von der Cornell University in Ithaca.
Um die Stärke des menschlichen
Einflusses zu ermitteln, wandten die Ökologen sich Wäldern
im Süden Chiles und Argentiniens zu, die von Luftverschmutzung
oder Holzeinschlag bislang verschont geblieben sind.
Die Forscher untersuchten Bäche
in hundert geologisch wie klimatisch höchst unterschiedlichen
Waldgebieten. Wie sie in "Nature" berichten, lieferte
die Analyse verblüffende Resultate: Nur ein verschwindend
geringer Anteil des im Wasser gelösten Stickstoffs lag in
anorganischer Form vor, also als Nitrat oder Ammonium. Dagegen
waren bis zu 97 Prozent des von den Bächen abtransportierten
Stickstoffs in organischen Molekülen gebunden.
Untersuchungen in den relativ
stark beeinflussten Wäldern der Nordhalbkugel hatten entgegengesetzte
Resultate ergeben. Daher war man davon ausgegangen, dass Wälder
allgemein den Großteil ihres Stickstoffs in anorganischer
Form verlieren.
Nach Ansicht der Forscher stellen
ihre Ergebnisse diese Annahme in Frage, zumindest für nicht
oder nur wenig beeinflusste Wälder. "Anscheinend hat
unsere Neigung, Experimente überwiegend auf der Nordhalbkugel
durchzuführen, uns ein falsche Bild vermittelt", schreibt
Nico van Breemen von der Universität Wageningen in einem
begleitenden Kommentar.
Da die Stickstoffversorgung das
Wachstum der Bäume bestimme, müssten auch Modelle des
Kohlenstoffkreislaufs überdacht werden, so Perakis und Hedin.
"Modelle von Waldökosystemen
sollten organisch gebundenen Stickstoff als Hauptverlustroute
für Stickstoff enthalten. Zudem sollten sie die Auswirkungen
berücksichtigen, die solche Verluste auf die Nährstoffversorgung
und auf Kohlenstoffbalance haben könnten."
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