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Australien: Lösten die Ureinwohner
einen Weltenbrand aus?
Dreiundzwanzig Gattungen von
Großtieren überlebten die Ankunft des Menschen in Australien
nicht. Vor etwa 46.400 Jahren verlieren sich ihre Spuren im Dunkel
der Geschichte. Australische Wissenschaftler sind den Ursachen
des rätselhaften Massensterbens nun einen Schritt näher
gekommen.
(jkm) - In den Ablagerungen eines
ausgetrockneten Vulkansees fanden die Forscher Hinweise auf Flächenbrände,
die zu dieser Zeit gewütet haben. Als Auslöser der Katastrophe
kommen die Ureinwohner in Frage.
Lynch's Crater ist ein ausgetrockneter
Vulkansee im Atherton- Tafelland im Norden der Provinz Queensland.
Seit 25 Jahren werden seine Ablagerungen von Geologen untersucht.
Die Sedi- mentschichten bewahren ein getreues Bild der Umwelt
im Nord- osten des Kontinents während der vergangenen 135.000
Jahre.
In elf Metern Tiefe stießen
die Wissenschaftler auf Lagen, in denen verkohlte Pflanzenreste
vorherrschen. Eine genaue Datierung dieser Funde scheiterte bisher
an der Schallmauer der Radiokarbon-Methode. Der Verfall des radioaktiven
Kohlenstoff- Isotops C14 lässt sich nur in einem Zeitraum
von bis zu 35.000 Jahren messen.
Chris Turney von der Queen's University
in Belast (Irland) entwickelte mit seinen Kollegen von der Australian
National University ein neues Verfahren zur Aufbereitung der Messproben.
In der aktuellen Ausgabe des "Journal
of Quaternary Science" legen sie eine neue Datierung der
Fundschichten des Kratersees vor. Danach ist nicht zu übersehen,
dass ausgedehnte Flächen- brände vor etwa 45.000 Jahren
das Aussterben der australi- schen Großfauna begleitet haben.
Eine genaue Untersuchung der Blütenpollen
der Fundschicht belegt außerdem eine tief greifende Veränderung
der Pflanzen- welt. Die leicht brennbaren Pinienwälder wurden
von Hartlaub- gewächsen wie dem Eukalyptus ersetzt. Die Neusiedler
gedeihen auf kargen Böden und widersetzen sich der Ausbreitung
von Bränden.
Trockenzeiten und andere klimatische
Bedingungen scheiden als Ursache für die häufigen Brände
aus. Das Maximum der letzten Eiszeit wurde erst nach 20.000 Jahren
erreicht. In Zeiten großer Klimaschwankungen beobachteten
die Wissenschaftler außerdem nur eine allmähliche Veränderung
der Pflanzenwelt.
Die genauere Datierung der Fundschichten
von Lynch's Crater rückt die Ausbreitung einer neuen Flora
in zeitliche Nähe mit dem Aussterben der australischen Megafauna.
Über den Zeitpunkt des Auftretens des modernen Menschen auf
dem Südkontinent herrscht weiterhin Unklarheit.
Das Alter des bisher ältesten
Skeletts eines australischen Ureinwohners wurde vor wenigen Monaten
auf etwa 68.000 Jahre bestimmt. Die frühsten Spuren menschlicher
Besiedlung auf der Cape-York-Halbinsel sind etwa 37.000 Jahre
alt.
Die wissenschaftliche Öffentlichkeit
ist deshalb geteilt, was den Anteil des frühen Menschen an
der Veränderung der australi- schen Tier- und Pflanzenwelt
anbetrifft. Das Schlagwort von der "Urbrand-Theorie"
(Big Burn Theory) ist bereits geprägt. So könnte die
gezielte Ausrottung der Megafauna das ökologische Gleichgewicht
gestört haben, was zu häufigen Flächenbränden
führte.
Andererseits könnte das Aussterben
der australischen Großtiere einen längeren Zeitraum
eingenommen haben, nachdem die frühen Menschen ihre Nahrungsgrundlage
durch Brandrodungen zerstörten. Die Untersuchung weiterer
Fundplätze muss den zeitlichen Verlauf der ersten Besiedlung
Australiens klären.
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