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- 24.01.2002 -


 

Australien: Lösten die Ureinwohner einen Weltenbrand aus?

Dreiundzwanzig Gattungen von Großtieren überlebten die Ankunft des Menschen in Australien nicht. Vor etwa 46.400 Jahren verlieren sich ihre Spuren im Dunkel der Geschichte. Australische Wissenschaftler sind den Ursachen des rätselhaften Massensterbens nun einen Schritt näher gekommen.

(jkm) - In den Ablagerungen eines ausgetrockneten Vulkansees fanden die Forscher Hinweise auf Flächenbrände, die zu dieser Zeit gewütet haben. Als Auslöser der Katastrophe kommen die Ureinwohner in Frage.

Lynch's Crater ist ein ausgetrockneter Vulkansee im Atherton- Tafelland im Norden der Provinz Queensland. Seit 25 Jahren werden seine Ablagerungen von Geologen untersucht. Die Sedi- mentschichten bewahren ein getreues Bild der Umwelt im Nord- osten des Kontinents während der vergangenen 135.000 Jahre.

In elf Metern Tiefe stießen die Wissenschaftler auf Lagen, in denen verkohlte Pflanzenreste vorherrschen. Eine genaue Datierung dieser Funde scheiterte bisher an der Schallmauer der Radiokarbon-Methode. Der Verfall des radioaktiven Kohlenstoff- Isotops C14 lässt sich nur in einem Zeitraum von bis zu 35.000 Jahren messen.

Chris Turney von der Queen's University in Belast (Irland) entwickelte mit seinen Kollegen von der Australian National University ein neues Verfahren zur Aufbereitung der Messproben.

In der aktuellen Ausgabe des "Journal of Quaternary Science" legen sie eine neue Datierung der Fundschichten des Kratersees vor. Danach ist nicht zu übersehen, dass ausgedehnte Flächen- brände vor etwa 45.000 Jahren das Aussterben der australi- schen Großfauna begleitet haben.

Eine genaue Untersuchung der Blütenpollen der Fundschicht belegt außerdem eine tief greifende Veränderung der Pflanzen- welt. Die leicht brennbaren Pinienwälder wurden von Hartlaub- gewächsen wie dem Eukalyptus ersetzt. Die Neusiedler gedeihen auf kargen Böden und widersetzen sich der Ausbreitung von Bränden.

Trockenzeiten und andere klimatische Bedingungen scheiden als Ursache für die häufigen Brände aus. Das Maximum der letzten Eiszeit wurde erst nach 20.000 Jahren erreicht. In Zeiten großer Klimaschwankungen beobachteten die Wissenschaftler außerdem nur eine allmähliche Veränderung der Pflanzenwelt.

Die genauere Datierung der Fundschichten von Lynch's Crater rückt die Ausbreitung einer neuen Flora in zeitliche Nähe mit dem Aussterben der australischen Megafauna. Über den Zeitpunkt des Auftretens des modernen Menschen auf dem Südkontinent herrscht weiterhin Unklarheit.

Das Alter des bisher ältesten Skeletts eines australischen Ureinwohners wurde vor wenigen Monaten auf etwa 68.000 Jahre bestimmt. Die frühsten Spuren menschlicher Besiedlung auf der Cape-York-Halbinsel sind etwa 37.000 Jahre alt.

Die wissenschaftliche Öffentlichkeit ist deshalb geteilt, was den Anteil des frühen Menschen an der Veränderung der australi- schen Tier- und Pflanzenwelt anbetrifft. Das Schlagwort von der "Urbrand-Theorie" (Big Burn Theory) ist bereits geprägt. So könnte die gezielte Ausrottung der Megafauna das ökologische Gleichgewicht gestört haben, was zu häufigen Flächenbränden führte.

Andererseits könnte das Aussterben der australischen Großtiere einen längeren Zeitraum eingenommen haben, nachdem die frühen Menschen ihre Nahrungsgrundlage durch Brandrodungen zerstörten. Die Untersuchung weiterer Fundplätze muss den zeitlichen Verlauf der ersten Besiedlung Australiens klären.


© ArtToday

Im Outback: Hartlaubgewächse wie der Eukalyptus gedeihen auf kargen Böden und widersetzen sich der Ausbreitung von Bränden.

 

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