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Frühgeschichte: Mit der Zivilisation
kam die Krankheit
Jahrtausende lang kämpften
Menschen als Wildbeuter ums nackte Überleben. Erst die Kultivierung
von Pflanzen am Ende der letzten Eiszeit ließ die Bevölkerungszahlen
empor schnellen. Doch mit dem Aufkommen der Zivilisation verbreiteten
sich Krankheiten. Archäologische und genetische Studien belegen
Nietzsches Wort vom Menschen als "krankes Tier."
(jkm) - Die amerikanischen Anthropologen
Ekaterina Pechenkina und Robert Benfer untersuchten mit ihrem
chinesischen Kollegen Wang Zhijun Skelette von mehreren Fundorten
in der nordchinesischen Provinz Shaanxi. Die jungsteinzeitlichen
Hirsebauern der Yangshao- Kultur vor 7.000 bis 5.000 Jahren lebten
in einer egalitären Klangesellschaft.
Im fünften Jahrtausend setzten
starke Wetterschwankungen ein, die zum Niedergang der Yangshao-Kultur
beitrugen. Die straff organisierte Longshan-Kultur behauptete
sich zwischen 3.000 und 2.000 v. Chr. in der einsetzenden Kaltzeit.
Die Techniken des Ackerbaus wurden verfeinert, eine größere
Bevölkerungszahl fand in Mauer umwehrten Siedlungen Schutz.
Wie die Forscher in der Januar-Ausgabe
des "American Journal of Physical Anthropology" berichten,
lassen sich die wirtschaft- lichen und sozialen Verhältnisse
deutlich am Knochenbau ablesen. Bei den Menschen der Yangshao-Kultur
fanden sie nur wenige Hinweise auf Zahnverfall oder Knochenveränderungen
durch Blutarmut, was auf eine ausgeglichene Ernährung schließen
lässt.
Durch die Nahrungsumstellung am
Ende dieser Kulturphase traten vermehrt Abnutzungserscheinungen
am Gebiss auf. Erst in der Longshan-Kultur verschlechterte sich
der Gesundheits- zustand der Bevölkerung. Der Übergang
zu einer weicheren und stärker verarbeiteten Kost schonten
zwar das Gebiss, doch gleichzeitig stiegen die Fälle von
Karies und Zahnerweichung dramatisch an. Eine größere
Bevölkerungsdichte und ein geringerer Nährwert der Lebensmittel
verringerten die durchschnittliche Körpergröße
der Erwachsenen.
Offensichtlich hat die Einführung
der Landwirtschaft die menschliche Kulturentwicklung nachhaltig
beeinflusst. Den Würzburger Mikrobiologen Sebastian Suerbaum
und Christian Kraft gelang es soeben, in Zusammenarbeit mit Kollegen
in Berlin und Amerika die genetische Information von Heliobacter
pylori zu entschlüsseln. Das Bakterium siedelt auf der Magenschleimhaut
von mehr als der Hälfte der Weltbevölkerung. Neben einer
chronischen Entzündung ruft es bei zehn bis fünfzehn
Prozent der Betroffenen Geschwüre und sogar Krebs hervor.
Wie die Forscher in der aktuellen
Ausgabe der "Proceedings" der National Academy of Science
schreiben, hat der Bakterienstamm ein Alter zwischen 2.500 und
11.000 Jahren. Der Erreger hat sich also gleichzeitig mit der
Entwicklung der Landwirtschaft ausgebreitet.
Zu ähnlichen Ergebnissen
gelangte eine internationale Forscher- gruppe unter Leitung der
Biologin Sarah Tishkoff von der Universität Maryland (Science
293, 2001, 455-462). Sie untersuchten die genetischen Veränderungen
bei Menschen mit Resistenz gegen den Malaria-Erreger. Etwa 500
Millionen Menschen werden jährlich von dem Parasiten befallen.
Für Afrikaner ergab sich ein Alter der Malaria-Resistenz
zwischen 3.840 to 11.760 Jahren.
Im Mittleren Osten und im Mittelmeerraum
trat eine andere Variante der Genmutation später auf, jedoch
ebenfalls gleichzeitig mit der Ausbreitung der Landwirtschaft.
Stehende Gewässer als Brutplätze der gefährlichen
Stechmücken waren eine Begleiterscheinung des Feldbaus.
Für die Wissenschaftlerin
ist daher klar: "Unsere Studie beweist, wie Umwelt, Kultur,
Gene und Geschichte zusammenwirken, um das Genom des modernen
Menschen zu verändern."
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