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- 09.01.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Frühgeschichte: Mit der Zivilisation kam die Krankheit

Jahrtausende lang kämpften Menschen als Wildbeuter ums nackte Überleben. Erst die Kultivierung von Pflanzen am Ende der letzten Eiszeit ließ die Bevölkerungszahlen empor schnellen. Doch mit dem Aufkommen der Zivilisation verbreiteten sich Krankheiten. Archäologische und genetische Studien belegen Nietzsches Wort vom Menschen als "krankes Tier."

(jkm) - Die amerikanischen Anthropologen Ekaterina Pechenkina und Robert Benfer untersuchten mit ihrem chinesischen Kollegen Wang Zhijun Skelette von mehreren Fundorten in der nordchinesischen Provinz Shaanxi. Die jungsteinzeitlichen Hirsebauern der Yangshao- Kultur vor 7.000 bis 5.000 Jahren lebten in einer egalitären Klangesellschaft.

Im fünften Jahrtausend setzten starke Wetterschwankungen ein, die zum Niedergang der Yangshao-Kultur beitrugen. Die straff organisierte Longshan-Kultur behauptete sich zwischen 3.000 und 2.000 v. Chr. in der einsetzenden Kaltzeit. Die Techniken des Ackerbaus wurden verfeinert, eine größere Bevölkerungszahl fand in Mauer umwehrten Siedlungen Schutz.

Wie die Forscher in der Januar-Ausgabe des "American Journal of Physical Anthropology" berichten, lassen sich die wirtschaft- lichen und sozialen Verhältnisse deutlich am Knochenbau ablesen. Bei den Menschen der Yangshao-Kultur fanden sie nur wenige Hinweise auf Zahnverfall oder Knochenveränderungen durch Blutarmut, was auf eine ausgeglichene Ernährung schließen lässt.

Durch die Nahrungsumstellung am Ende dieser Kulturphase traten vermehrt Abnutzungserscheinungen am Gebiss auf. Erst in der Longshan-Kultur verschlechterte sich der Gesundheits- zustand der Bevölkerung. Der Übergang zu einer weicheren und stärker verarbeiteten Kost schonten zwar das Gebiss, doch gleichzeitig stiegen die Fälle von Karies und Zahnerweichung dramatisch an. Eine größere Bevölkerungsdichte und ein geringerer Nährwert der Lebensmittel verringerten die durchschnittliche Körpergröße der Erwachsenen.

Offensichtlich hat die Einführung der Landwirtschaft die menschliche Kulturentwicklung nachhaltig beeinflusst. Den Würzburger Mikrobiologen Sebastian Suerbaum und Christian Kraft gelang es soeben, in Zusammenarbeit mit Kollegen in Berlin und Amerika die genetische Information von Heliobacter pylori zu entschlüsseln. Das Bakterium siedelt auf der Magenschleimhaut von mehr als der Hälfte der Weltbevölkerung. Neben einer chronischen Entzündung ruft es bei zehn bis fünfzehn Prozent der Betroffenen Geschwüre und sogar Krebs hervor.

Wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe der "Proceedings" der National Academy of Science schreiben, hat der Bakterienstamm ein Alter zwischen 2.500 und 11.000 Jahren. Der Erreger hat sich also gleichzeitig mit der Entwicklung der Landwirtschaft ausgebreitet.

Zu ähnlichen Ergebnissen gelangte eine internationale Forscher- gruppe unter Leitung der Biologin Sarah Tishkoff von der Universität Maryland (Science 293, 2001, 455-462). Sie untersuchten die genetischen Veränderungen bei Menschen mit Resistenz gegen den Malaria-Erreger. Etwa 500 Millionen Menschen werden jährlich von dem Parasiten befallen. Für Afrikaner ergab sich ein Alter der Malaria-Resistenz zwischen 3.840 to 11.760 Jahren.

Im Mittleren Osten und im Mittelmeerraum trat eine andere Variante der Genmutation später auf, jedoch ebenfalls gleichzeitig mit der Ausbreitung der Landwirtschaft. Stehende Gewässer als Brutplätze der gefährlichen Stechmücken waren eine Begleiterscheinung des Feldbaus.

Für die Wissenschaftlerin ist daher klar: "Unsere Studie beweist, wie Umwelt, Kultur, Gene und Geschichte zusammenwirken, um das Genom des modernen Menschen zu verändern."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mehr Informationen:

Ancient History
of China:
Yangshao Culture
Longshan Culture

Universität Würzburg: Institut für Hygiene und Mikrobiologie

University of Missouri: Department of Anthropology

 

 

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