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- 04.01.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Klonschaf: Dolly hat Arthritis

Fünfeinhalb Jahre nach seiner Geburt hat Dolly, das erste geklonte Schaf der Welt, mit einer Gelenkentzündung seinen «Schöpfer» aufgeschreckt und neue Fragen für die Klonforscher aufgeworfen.

London (dpa) - Prof. Ian Wilmut vom Roslin-Institut bei Edinburgh, dessen Team Dolly «schuf», wertete die Krankheit am Freitag als Beweis dafür, dass die derzeitigen Klon-Techniken «ineffizient» seien.

Allerdings sagte Wilmut: «Wir werden niemals wissen, ob Dolly krank ist, weil sie geklont wurde oder ob es sich bei ihrer Arthritis nur um einen bedauerlichen Zufall handelt.» An der Londoner Börse sank der Kurs der Firma PPL Therapeutics, die Wilmuts Forschungsergebnisse vermarktet, um 15 Prozent.

«Wir sind sehr enttäuscht und wir werden Dolly sehr sorgfältig beobachten müssen», sagte Wilmut im britischen Rundfunk BBC. «Wir werden sehen, wie sie sich entwickelt. Ansonsten ist sie ja in jeder Hinsicht völlig gesund und Mutter von sechs gesunden Lämmern.» Dolly, die mit Schmerzmitteln behandelt werde, könne noch lange leben und zehn Jahre alt werden. «Wichtig ist, dass nicht nur wir, sondern alle, die geklonte Tiere produziert haben, deren Gesundheit während der gesamten Lebensdauer beobachten.»

Es müsse nun versucht werden, soweit wie möglich zu klären, ob es sich bei Dollys Erkrankung um eine vorzeitige Alterserschei- nung handele, die mit dem Klonen zusammenhänge. Auch «normale» Schafe in Dollys Alter könnten Arthritis haben, doch komme dies selten vor - und fast nie wie bei Dolly im Hüft- und Kniegelenk, sondern normalerweise im Ellenbogengelenk.

«Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass die derzeitigen Klon- Techniken sehr ineffizient sind», sagte Wilmut am Freitag vor Journalisten in Edinburgh. «Wir wissen aus früherer Forschung, dass nur ein kleiner Teil der Embryonen zu lebender Nachkommenschaft führt. Dollys Gesundheitszustand scheint darauf hin zu deuten, dass einige der Tiere für einige Krankheiten anfälliger sind.»

Wilmut verteidigte jedoch die Gentechnik vehement und sagte, Dollys Arthritis zeige die Notwendigkeit weiterer Forschungen mit mehr geklonten Tieren. Nachteile und Vorzüge müssten abgewogen werden. So sei es zwar denkbar, dass transplantierte Tierorgane einen Menschen schneller altern ließen. «Die Alternative für den Patienten könnte aber sein, dass er stirbt. Und das mag man als noch schlimmer betrachten.»

Die Aktie von PPL Therapeutics, einer weltweit führenden Gentechnikfirma, verlor kurz nach Bekanntwerden der Erkrankung 15 Prozent ihres Wertes und sank auf 62 Pence. Sie hatte erst am Mittwoch spektakulär zugelegt, nachdem in einer US-Niederlassung von PPL fünf Schweine geklont worden waren, deren Organe bei einer Transplantation nicht mehr vom Menschen abgestoßen werden sollen.

Dolly war am 5. Juli 1996 im Roslin-Institut geboren worden, nachdem Wilmuts Gruppe der Euterzelle eines sechs Jahre alten Schafs das Erbgut entnommen und es in eine zuvor entkernte Eizelle eingesetzt hatte.

Schon im Mai 1999 hatten die Dolly-Forscher berichtet, das Erbgut des Schafes sehe ungewöhnlich alt aus. Dolly hat demzufolge kürzere so genannte Telomere als gleichaltrige Schafe, die auf natürlichem Weg zur Welt gekommen sind. Als Telomere bezeichnet man die Enden der Chromosomen, der Träger des Erbgutes. Sie beschäftigen die Wissenschaft seit langem, da sie möglicherweise den Alterungsprozess beeinflussen.


© Roslin-Institut

Dolly: Gelenkentzündung im linken Hinterbein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mehr Informationen:

Roslin-Institut

PPL Therapeutics

 

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