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Klonschaf: Dolly hat Arthritis
Fünfeinhalb Jahre nach
seiner Geburt hat Dolly, das erste geklonte Schaf der Welt, mit
einer Gelenkentzündung seinen «Schöpfer»
aufgeschreckt und neue Fragen für die Klonforscher aufgeworfen.
London (dpa) - Prof. Ian Wilmut
vom Roslin-Institut bei Edinburgh, dessen Team Dolly «schuf»,
wertete die Krankheit am Freitag als Beweis dafür, dass die
derzeitigen Klon-Techniken «ineffizient» seien.
Allerdings sagte Wilmut: «Wir
werden niemals wissen, ob Dolly krank ist, weil sie geklont wurde
oder ob es sich bei ihrer Arthritis nur um einen bedauerlichen
Zufall handelt.» An der Londoner Börse sank der Kurs
der Firma PPL Therapeutics, die Wilmuts Forschungsergebnisse vermarktet,
um 15 Prozent.
«Wir sind sehr enttäuscht
und wir werden Dolly sehr sorgfältig beobachten müssen»,
sagte Wilmut im britischen Rundfunk BBC. «Wir werden sehen,
wie sie sich entwickelt. Ansonsten ist sie ja in jeder Hinsicht
völlig gesund und Mutter von sechs gesunden Lämmern.»
Dolly, die mit Schmerzmitteln behandelt werde, könne noch
lange leben und zehn Jahre alt werden. «Wichtig ist, dass
nicht nur wir, sondern alle, die geklonte Tiere produziert haben,
deren Gesundheit während der gesamten Lebensdauer beobachten.»
Es müsse nun versucht werden,
soweit wie möglich zu klären, ob es sich bei Dollys
Erkrankung um eine vorzeitige Alterserschei- nung handele, die
mit dem Klonen zusammenhänge. Auch «normale»
Schafe in Dollys Alter könnten Arthritis haben, doch komme
dies selten vor - und fast nie wie bei Dolly im Hüft- und
Kniegelenk, sondern normalerweise im Ellenbogengelenk.
«Dies ist ein weiterer
Beweis dafür, dass die derzeitigen Klon- Techniken sehr ineffizient
sind», sagte Wilmut am Freitag vor Journalisten in Edinburgh.
«Wir wissen aus früherer Forschung, dass nur ein kleiner
Teil der Embryonen zu lebender Nachkommenschaft führt. Dollys
Gesundheitszustand scheint darauf hin zu deuten, dass einige der
Tiere für einige Krankheiten anfälliger sind.»
Wilmut verteidigte jedoch die
Gentechnik vehement und sagte, Dollys Arthritis zeige die Notwendigkeit
weiterer Forschungen mit mehr geklonten Tieren. Nachteile und
Vorzüge müssten abgewogen werden. So sei es zwar denkbar,
dass transplantierte Tierorgane einen Menschen schneller altern
ließen. «Die Alternative für den Patienten könnte
aber sein, dass er stirbt. Und das mag man als noch schlimmer
betrachten.»
Die Aktie von PPL Therapeutics,
einer weltweit führenden Gentechnikfirma, verlor kurz nach
Bekanntwerden der Erkrankung 15 Prozent ihres Wertes und sank
auf 62 Pence. Sie hatte erst am Mittwoch spektakulär zugelegt,
nachdem in einer US-Niederlassung von PPL fünf Schweine geklont
worden waren, deren Organe bei einer Transplantation nicht mehr
vom Menschen abgestoßen werden sollen.
Dolly war am 5. Juli 1996 im
Roslin-Institut geboren worden, nachdem Wilmuts Gruppe der Euterzelle
eines sechs Jahre alten Schafs das Erbgut entnommen und es in
eine zuvor entkernte Eizelle eingesetzt hatte.
Schon im Mai 1999 hatten die Dolly-Forscher
berichtet, das Erbgut des Schafes sehe ungewöhnlich alt aus.
Dolly hat demzufolge kürzere so genannte Telomere als gleichaltrige
Schafe, die auf natürlichem Weg zur Welt gekommen sind. Als
Telomere bezeichnet man die Enden der Chromosomen, der Träger
des Erbgutes. Sie beschäftigen die Wissenschaft seit langem,
da sie möglicherweise den Alterungsprozess beeinflussen.
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