|
Promiskuität: Schutz vor Inzucht
Bei vielen Tierarten lassen
die Weibchen sich von mehreren Männchen begatten. Zwei britische
Biologen glauben nun, eine Erklärung für dieses Verhalten
gefunden zu haben. Ihre Experimente legen nahe, dass mehrfach
begattete Grillenweibchen wählen können, mit welchem
Sperma sie ihre Eier befruchten. Auf diese Weise vermeiden sie
Inzucht-Effekte.
(jkm) - Bei der Kopulation überträgt
das Männchen typischer- weise sehr viel mehr Spermien als
zur Befruchtung sämtlicher Eizellen des Weibchens nötig
wären. Paarungen sind zudem kostenintensiv, daher rätseln
Biologen seit Jahrzehnten, warum Weibchen sich überhaupt
mit mehreren Männchen einlassen.
Tom Tregenza und Nina Wedell von
der University of Leeds gingen nun der Vermutung nach, dass Mehrfach-Paarungen
bei der Vermeidung von Inzucht helfen und so die Überlebens-
chancen der Nachkommenschaft erhöhen. Zunächst zogen
sie mehrere Familien von Mittelmeerfeldgrillen (Gryllus bimaculatus)
groß. Dann "arrangierten" sie jeweils zwei aufeinander
folgende Paarungen der Weibchen mit verwandten bzw. nicht verwandten
Männchen und ermittelten den Fortpflanzungserfolg.
Hatten die Weibchen sich mit zwei
nahe verwandten Männchen gepaart, schlüpften aus rund
35 Prozent der abgelegten Eier Larven. War mindestens einer der
Geschlechtspartner ein nicht verwandtes Männchen gewesen,
lag die Schlüpfrate über 50 Prozent, berichten die Forscher
in "Nature".
"Die einzige plausible Erklärung
für diesen Effekt ist, dass die Spermien des nicht verwandten
Männchens erfolgreicher bei der Befruchtung der Eier sind"
so Tregenza und Wedell. Der zugrunde liegende Mechanismus sei
zwar unbekannt. Vermutlich könne das Weibchen aber den Samen
von verwandten und nicht verwandten Männchen unterscheiden
und die Befruchtung entsprechend steuern, glauben die Forscher.
"Inzest stellt bei vielen
Arten ein Risiko dar", erläutert Tregenza, "daher
können neben Grillen vermutlich auch andere Arten Promiskuität
zu ihrem Vorteil nutzen."
|