|
EU einigt sich auf neue Chemikalienpolitik
Umweltminister Gabriel nennt die neue Chemikalien-
Verordnung einen guten Kompromiß zwischen Umwelt- und Verbraucherschutz
und den Interessen der Industrie. Umwelt- und Verbraucherverbände
zeigten sich enttäuscht.
(vv) - Vom Abstimmungsergebnis des EU-Wettbewerbsrates zur umstrittenen
Brüsseler Chemikalienreform REACH zeigten sich der Bund für
Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Greenpeace, Die Verbraucher
Initiative und die Frauenorganisation WECF (Women in Europe für
a Common Future) enttäuscht. Der Rat habe den Beschluss des
EU-Parlaments gekippt, riskante Stoffe durch sichere Alternativen
ersetzen zu müssen. Damit sei die Chance verspielt worden,
die Bürger besser vor gefährlichen Chemikalien zu schützen.
Zwar müssten nach dem Ratsbeschluss Unternehmen künftig
vor der Vermarktung gefährlicher Chemikalien prüfen,
ob Alternativen vorhanden seien. Wenn die Hersteller jedoch darlegten,
ihre Chemikalien angemessen kontrollieren zu können,
dürften gefährliche Chemikalien trotz möglicher
Alternativen weiterhin vermarktet werden, so die Verbände.
Damit verfehle die REACH-Verordnung (Registrierung, Evaluierung
und Autorisierung von Chemikalien) eines ihrer wichtigsten Ziele:
die Entwicklung sicherer und innovativer Produkte zu fördern.
Wie bereits das Parlament Mitte November habe sich der Ministerrat
ebenfalls mehrheitlich dafür ausgesprochen, dass Unternehmen
weniger Informationen über ihre Stoffe vorlegen müssen
als ursprünglich vorgesehen. Mehr als 100.000 Chemikalien
werden nach Angaben der Umweltverbände in Europa zur Zeit
eingesetzt, ohne dass ausreichende Informationen über ihr
Risiko vorliegen. Nach dem heutigen Votum gäbe es für
90 Prozent der Stoffe auch in Zukunft keine ausreichenden Informationen
über ihre Umwelt- und Gesundheitsauswirkungen.
Die Verbände werfen der Bundesregierung vor, sie habe sich
im Vorfeld der Verhandlungen für weitere Abschwächungen
des REACH-Entwurfs stark gemacht. Als Begründung sei immer
wieder auf die hohe Belastung der Chemieindustrie hingewiesen
worden. Dabei koste REACH die Unternehmen umgerechnet nicht mehr
als 0,05 Prozent ihres Jahresumsatzes.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) bezeichnete die Einigung
über die neue Chemikalien-Verordnung hingegen als "guten
und ausgewogenen Kompromiss" zwischen Umwelt- und Verbraucherschutz
einerseits und der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Chemieindustrie
andererseits.
Die Verbände forderten das EU-Parlament auf, sich im kommenden
Jahr bei der zweiten Lesung von REACH für das Substitutionsprinzip
stark zu machen. Der Ersatz besonders gefährlicher Chemikalien
sei der einzige Weg, die steigende Belastung von Mensch und Umwelt
mit Chemikalien in den Griff zu bekommen und die Gesundheit der
Bürger besser zu schützen.
Seite
drucken
|