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Hohe Spritpreise forcieren Suche nach Alternative
Um die Abhängigkeit vom Erdöl zu reduzieren,
forschen Mineralölkonzerne und Autohersteller verstärkt
an alternativen Treibstoffen.
(vv) - Neben dem schon heute verbreiteten Biodiesel gelten synthetische
Kraftstoffe wie GTL (Gas-to-liquids) als besonders viel versprechende
Option der nächsten Jahre. Die aktuell hohen Spritpreise
dürften diese Entwicklung beschleunigen, schreibt das Technologiemagazin
"Technology
Review" in seiner Oktober-Ausgabe.
"Bei den gegenwärtigen Preishorizonten für Erdöl
werden alternative Kraftstoffe schneller kommen", sagt Leopold
Mikulic, Leiter der Motorenentwicklung bei Mercedes. Ähnlich
äußert sich Gerd Hagenow, Leiter der Kraftstoffentwicklung
bei Shell in Deutschland: Der Anteil alternativer Treibstoffe
könne bis 2020 zwischen zehn und zwanzig Prozent erreichen.
Wichtige Mineralölkonzerne wie Shell oder ExxonMobil errichten
laut "Technology Review" bereits große GTL-Anlagen.
Bis 2015 sollen Produktionskapazitäten von knapp 30 Millionen
Tonnen pro Jahr aufgebaut sein.
Der heute verbreitetste Alternativ-Kraftstoff Biodiesel krankt
vor allem am hohen Flächenbedarf: Aus einem Hektar Rapsfeld
kann man etwa 1300 Liter Biodiesel gewinnen. Heute werden bereits
1,3 Millionen Hektar dafür verwendet - und laut dem Finanzministerium
dürfte das Potenzial bei 1,5 Millionen Hektar "nahezu
ausgeschöpft" sein. Schließlich konkurriert Bio-Sprit
vom Feld immer mit anderen Verwendungsmöglichkeiten für
das Ackerland, insbesondere der Produktion von Nahrungsmitteln.
GTL dagegen bezeichnet ein Verfahren, bei dem aus Gasen flüssige
Kohlenwasserstoffe hergestellt werden, die über das normale
Tankstellennetz vertrieben werden können. Auf ähnliche
Weise lässt sich auch aus Biomasse
(BTL) und Kohle (CTL) flüssiger Treibstoff erzeugen.
Besonders interessant daran ist, dass sich die Eigenschaften dieser
synthetischen Treibstoffe relativ frei bestimmen lassen. Aus diesem
Grund eignen sie sich gut für Versuche der Autohersteller,
mit neuartigen Motorkonzepten Verbrauch und Schadstoffemissionen
ihrer Fahrzeuge zu reduzieren.
Zudem kann laut "Technology Review" die Ausbeute höher
sein: Das Freiberger Unternehmen Choren
Industries erhoffe sich von seinem BTL-Verfahren den dreifachen
Ertrag gegenüber einfachem Biodiesel: 4000 Liter pro Hektar.
Als Material können dabei Stroh oder schnell wachsende Hölzer
wie Weiden oder Pappeln zum Einsatz kommen. Die Produktionskosten
für einen Liter BTL-Diesel sollen in großen Anlagen
auf 50 bis 70 Cent sinken. Ohne Berücksichtigung möglicher
Steuervorteile wäre Choren damit bei Ölpreisen um 90
Dollar je Barrell zu klassischem Diesel konkurrenzfähig.
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