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Effizienz - die unentdeckte Ölquelle
Mehr Energie-Effizienz wäre ein kurzfristig
möglicher Ausweg aus der neuen Ölkrise, die Wirtschaft
und Verbrauchern derzeit so hohe Strom- und Benzinpreise beschert.
Zu diesem Ergebnis kamen Experten beim Jahreskongress des Rates
für Nachhaltige Entwicklung im Berlin.
(vv) - Welche Auswege gibt es für Deutschland aus der neuen
Ölkrise, die Wirtschaft und Verbrauchern seit Monaten so
hohe Energiepreise beschert? Diese Frage stand im Mittelpunkt
eines der fünf Diskussionsforen beim Jahreskongress des Rates
für Nachhaltige Entwicklung Anfang September im Berlin. Ein
Patentrezept gibt es nicht, darin waren sich die Diskutanten einig.
Deutschland mit seiner komplexen und über viele Jahrzehnte
gewachsenen Infrastruktur kann nicht von heute auf morgen umsteuern.
Es wird noch einige Jahrzehnte dauern, bis der Anteil der nicht-fossilen
Energieträger die Abhängigkeit von Öl und Gas spürbar
mildert. Außerdem, das betonte Georg Wilhelm Adamowitsch,
Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, gibt es nicht
nur Verlierer: Die Mineralölfirmen verdienen sich dumm
und dämlich.
Spürbare Einbrüche beim Wirtschaftswachstum
Liegt der Ölpreis länger als sechs Monate über
50 Dollar pro Barrel, führt das zu spürbaren Einbrüchen
beim Wirtschaftswachstum, warnte auf dem Forum Prof. Claudia
Kemfert, Energieexpertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung
(DIW). Das gilt nicht nur für Industrienationen. Auch in
Schwellenländern wie Indien werden Alternativen zu fossilen
Energien ernsthaft diskutiert. Indien ist derzeit von schlechter,
wasserreicher Kohle abhängig, erläuterte Rajeev
Kher vom indischen Energy Research Institute. Daher werde die
Regierung einerseits die Atomkraft, andererseits die erneuerbaren
Energien kräftig ausbauen.
Aus vergangenen Ölkrisen nichts gelernt
Prof. Eberhard Jochem vom Fraunhofer-Institut für Systemtechnik
und Innovationsforschung und Ratsmitglied zeigte sich skeptisch,
ob Politik und Wirtschaft in Deutschland richtig und rechtzeitig
auf die rasant steigenden Energiepreise reagieren. Aus den
vergangenen Ölkrisen haben Regierung und Industrie nichts
gelernt, kritisierte er. Dabei liege ein möglicher
Ausweg gar nicht so fern: Ein intelligenter und vor allem sparsamer
Umgang mit fossilen Energien könne hochindustrialisierte
Länder wie Deutschland durchaus aus der neuen Ölkrise
führen. Laut Jochem könnte die Energieeffizienz in den
kommenden Jahrzehnten um den Faktor fünf erhöht werden.
Energieeffizienz ist die bislang unentdeckte Ölquelle,
brachte es Ratsmitglied Prof. Fritz Vahrenholt auf den Punkt.
Verbraucher halten am Altgewohnten fest
Ob eine Lockerung der Abhängigkeit vom Öl gelingt,
ist auch von Forschung und Ausbildung abhängig. Davon zeigte
sich Prof. Jürgen Schmid, Mitglied im Wissenschaftlichen
Beirat für Globale Umweltveränderungen, überzeugt.
Passivhäuser gibt es schon lange, sparsame Motoren
auch, so Schmid. Doch die Technologien kämen kaum zum
Einsatz, weil wichtige Akteure wie Fahrzeugentwickler und Architekten
schlichtweg für effiziente Produkte nicht ausgebildet und
zu wenig sensibilisiert sind. Nicht zuletzt liege viel Macht zum
Umsteuern in der Hand des Verbrauchers - und auch der hält
lieber am Altgewohnten fest: 2004, so betonte Schmid, seien die
Deutschen trotz stark gestiegener Benzinpreise mehr mit dem Auto
gefahren als 2003, die Fahrleistung lag um drei Prozent höher.
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