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Erdgas für das Klima vorteilhafter als gedacht
Aus russischen Gaspipelines entweicht weit weniger
klimaschädliches Methangas als bisher angenommen, haben Max-Planck-Forscher
ermittelt.
(vv) - Immer wieder wurde spekuliert, russische Gaspipelines,
über die auch der Transport von Erdgas nach Deutschland läuft,
hätten zahlreiche Lecks. So enthält die Atmosphäre
über Sibirien oft höhere Konzentrationen von Methan
als anderswo. Methan ist nach Kohlendioxid das zweitwichtigste
Treibhausgas, das zur Klimaveränderung beiträgt. Daher
vermutete man, das Methan stamme aus undichten Gaspipelines, denn
Erdgas besteht zu 90 Prozent aus Methan. Das Erdgas wird unter
extremen Wetterbedingungen im Norden Sibiriens gewonnen und in
Pipelines über viele Tausend Kilometer in Russland und im
Ausland verteilt. Doch Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts
für Chemie in Mainz und des Wuppertal Instituts für
Klima, Umwelt, Energie GmbH haben jetzt festgestellt, dass die
Gasverluste aus den Rohrleitungen gering sind. Dies berichten
die Forscher im britischen Fachjournal "Nature" (Bd.
434, S. 841).
Methan aus Feuchtgebieten nicht Lecks
Ihre Befunde beruhen auf Methanmessungen in Sibirien und umfassten
nahezu 2.500 Kilometer Pipelines und Verdichterstationen. Dabei
stellte sich heraus - erhöhte Methanwerte findet man überall
in Sibirien, vor allem im Sommer. Dies aber sei eher auf die enormen
Feuchtgebiete zurückzuführen, wo das Methan durch Bakterien
gebildet wird, als auf das Gasnetz. Das Netz der Erdgasleitungen
sei modern, gut gewartet und weniger undicht als gedacht, so die
Wissenschaftler.

© MPI für Chemie
Russische Pipelines für den Ferntransport
von Erdgas: Bestehendes Leitungsnetzwerk (orange Linien),
Pipelines in Bau (orange gestrichelte Linien), untersuchte
Pipelines (schwarze Linien), frühere Methanmessungen
1996/7 (weiße Pfeile), aktuelle Messungen 2003 (schwarze
Pfeile).
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Methankonzentration steigt kaum noch an
Russland ist weltweit der größte Produzent von Erdgas,
mit einem Fördervolumen von 580 Milliarden Kubikmetern pro
Jahr. Dahinter nimmt die USA mit 550 Milliarden Kubikmetern den
zweiten Platz ein. Bei den Messungen stellte sich heraus, dass
die Gasverluste in Sibirien, trotz des extremen Klimas, nicht
größer sind als in den USA.
Interessant sei außerdem, dass zurzeit die Methankonzentrationen
in der Atmosphäre kaum noch ansteige. Offensichtlich waren
einige Maßnahmen zur Verringerung der Methanemissionen bereits
erfolgreich. Mit der weiteren Absenkung von Methanemissionen könnte
man die Wirkung des stark ansteigenden Kohlendioxids sogar teilweise
kompensieren, hoffen die Forscher.
Umstieg auf Erdgas
Da die Nutzung von Erdgas als Energiequelle weniger Kohlendioxid
produziert als Öl und Kohle und die Methanverluste relativ
gering sind, wäre es für die Klimaentwicklung vorteilhaft,
grundsätzlich von Kohle auf Gas umzusteigen. Dies würde
die Kohlendioxid-Emissionen verringern - eine Maßnahme,
die vor allem für die nächsten Jahrzehnte wichtig sein
könnte.
Da jedoch die weltweiten Reserven an Kohle viel größer
sind als die Gasreserven, werde die Menschheit jedoch langfristig
nicht auf Kohle verzichten können. Aus Sicht der Wissenschaftler
sollten daher die nächsten Jahrzehnte genutzt werden, um
Technologien zur Verminderung von Kohlendioxidemissionen weiter
zu entwickeln.
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