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Geothermie: Energie aus der Tiefe
In Offenbach soll Deutschlands größtes
Erdwärme-Kraftwerk entstehen. Ein spezielles Prinzip zur
Energieerzeugung macht Geothermie auch in Mitteleuropa wirtschaftlich.
(vv) - Unter unseren Füßen gibt es eine saubere und
unerschöpfliche Energiequelle - die Erdwärme. Angezapft
wird sie künftig im rheinland-pfälzischen Offenbach.
Dort übernimmt Siemens die Planung für Deutschlands
größtes Geothermie-Kraftwerk. Die Anlage des Unternehmens
HotRock ist auf fünf Megawatt Leistung ausgelegt und kann
rund 20.000 Haushalte mit Strom versorgen. Ein Kohlekraftwerk
gleicher Leistung würde rund 23.000 Tonnen Kohlendioxid im
Jahr ausstoßen. Eine erste Förderbohrung soll im Dezember
2004 abgeschlossen sein, teilte Siemens am Dienstag mit.
Zur Energieerzeugung wird in Offenbach das Kalina-Prinzip verwendet,
das auch in geologisch weniger aktiven Regionen einen hohen Wirkungsgrad
bei der Umwandlung von Wärme in Elektrizität verspricht.
Das macht laut Siemens Geothermie auch in Mitteleuropa wirtschaftlich.
In Deutschland fördert die Bundesregierung Erdwärme
mit bis zu 15 Cent pro Kilowattstunde.
Bei herkömmlichen Geothermie-Kraftwerken wird Wasser aus
heißen Schichten aus der Tiefe gefördert. Wenn es als
Dampf austritt, kann damit direkt eine Turbine betrieben werden,
die Strom erzeugt. Anschließend wird das Wasser wieder in
die Erde zurückgepumpt. Praktikabel ist das vor allem in
geologisch aktiven Gebieten wie Island oder Italien. In Ländern
mit weniger "heißen" Regionen, funktioniert dieser
Kreislauf nur bedingt - dort ist das Wasser aus der Tiefe kälter.
Hier können Erdwärmekraftwerke, die nach dem Kalina-Prinzip
arbeiten, Abhilfe schaffen: Das Thermalwasser wird in einen Wärmetauscher
geleitet und verdampft dort ein Wasser-Ammoniak-Gemisch. Dieses
Gemisch hat einen viel niedrigeren Siedepunkt als Wasser und kann
daher im Vergleich zu anderen Arbeitsmedien wie z. B. organischen
Flüssigkeiten mehr Wärme aufnehmen. Der Dampf des Ammoniak-Mix
treibt dann einen Generator an, kondensiert und fließt zurück
in den Wärmetauscher. Emissionen entstehen dabei nicht.
Für das Geothermie-Kraftwerk in Offenbach wird knapp drei
Kilometer tief gebohrt. Dort soll das Wasser eine Temperatur von
rund 150 Grad Celsius haben. Ein ähnliches Projekt läuft
in Unterhaching bei München. Hier ergab jüngst eine
Probebohrung in 3350 Metern Tiefe 122 Grad heißes Wasser.

© Siemens
Beim so genannten Hot-Dry-Rock-Verfahren
presst eine Pumpe Wasser in vier bis sechs Kilometer tiefe,
rund 200 Grad Celsius heiße kristalline Gesteinsschichten.
Produktionsbohrungen zapfen das aufgewärmte, unter
Druck stehende Wasser an. An der Oberfläche treibt
es in einem Wärmetauscher eine Dampfturbine mit Generator
zur Stromerzeugung an.
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