Mehr große Blackouts erwartet
Ein US-Forscher glaubt, dass der Stromausfall in Nordamerika im letzten Sommer längst überfällig war. Er erwartet weitere große Blackouts.
(jkm) - Am 14. August 2003 wurde Nordamerika vom größten Stromausfall seiner Geschichte heimgesucht. Nach Ansicht eines amerikanischen Systemforschers war dieses Ereignis jedoch nicht weniger "natürlich" als ein großes Erdbeben an der kalifornischen San-Andreas-Spalte. "Derartige Ausfälle sind im Einklang mit Statistiken und werden immer wieder auftreten", ist John Doyle vom California Institute of Technology in Pasadena überzeugt. "Ich würde sagen, dieser war längst überfällig."
Kosten von vier bis sechs Milliarden Dollar
Ausgangspunkt des Blackouts war ein Kohlekraftwerk im US-Bundesstaat Ohio, das gegen 14 Uhr Ortszeit plötzlich vom Netz ging. Zum Ausgleich musste mehr Elektrizität von anderen Kraftwerken herangeführt werden. Einige Stromleitungen in dem schlecht gewarteten System verkrafteten diese zusätzliche Belastung jedoch nicht und brachen zusammen, was wiederum die Belastung für andere Leitungen erhöhte. Das Resultat war ein lawinenartiger Kollaps des regionalen Stromnetzes, der etwa 50 Millionen Menschen urplötzlich in vorindustrielle Zeiten zurückversetzte und Kosten von schätzungsweise vier bis sechs Milliarden US-Dollar verursachte.
Höhere Wahrscheinlichkeit für großen Blackout
Anhand von früheren Berichten über häufige kleine Stromausfälle war geschätzt geworden, dass große Ausfälle wie der im August 2003 einmal alle fünf Jahrtausende auftreten sollten. Laut Doyle sprechen die Statistiken vom Jahr 1984, dem Start der systematischen Berichterstattung über Stromausfälle, bis zum Jahr 2000 jedoch eine andere Sprache: In diesem Zeitraum sei es zu elf Ausfällen mit einem Leistungswegfall von jeweils über 4.000 Megawatt gekommen. Daraus ergebe sich eine 325-mal höhere Wahrscheinlichkeit für einen großen Blackout.
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