Staudämme gefährden größte Flüsse
der Welt
Mega-Staudämme bedrohen nach einer Studie
des WWF das ökologische Gleichgewicht der wasserreichsten
Flüsse der Erde.
(vv) - Der unkontrollierte Bau von Mega-Staudämmen gefährdet
das ökologische Gleichgewicht der wasserreichsten Flüsse
unseres Planeten. Eine am Dienstag veröffentlichte Studie
der Umweltstiftung WWF identifiziert die 21 am stärksten
durch in Bau befindliche oder geplante Dämme bedrohten Ströme.
An der Spitze steht der Jangtse in China mit 46 Bauvorhaben. Es
folgen der La Plata in Argentinien mit 27 sowie Tigris und Euphrat
im Mittleren Osten mit 26 Dämmen. In Europa sind die Donau
mit acht und der Ebro mit sechs neuen Staudämmen besonders
betroffen. Zu den gefährdeten Giganten zählt der WWF
auch den Amazonas, den Mekong und den Brahmaputra.
Staudämme durchschneiden laut der Studie drei von fünf
der 227 größten Flüsse. Die massiven Eingriffe
zerstörten wertvolle Feuchtgebiete und reduzierten die Bestände
von Flussdelfinen, Fischen und Vögeln. Viele Millionen Menschen
würden aus ihrer Heimat vertrieben und umgesiedelt, um Platz
für riesige Stauseen zu schaffen.
Verschwendung 10x höher als Wasserverbrauch
Afrikas
Dämme bieten nach Ansicht des WWF zwar auch Vorteile wie
Wasserkraft, landwirtschaftliche Bewässerung und Flutkontrolle.
Allerdings ignorierten die Regierungen bei ihren Planungen nur
allzu oft die Empfehlungen der Welt-Kommission für Staudämme
(WCD). Deshalb würden die ökologischen und sozialen
Kosten den Nutzen der Megaprojekte häufig übertreffen.
Die so entstehenden Schäden für Mensch und Natur könnten
vermieden werden. Allein ineffiziente Bewässerungssysteme
führen laut der WWF-Studie jährlich zur Verschwendung
von 1,5 Billionen Liter Wasser. Das sei zehnmal mehr, als auf
dem gesamten afrikanischen Kontinent pro Jahr verbraucht würde.
Fluch und Segen zugleich
"Staudämme sind für Mensch und Natur Fluch und
Segen zugleich", bilanziert Dr. Ute Collier, Leiterin der
Staudamm-Initiative des WWF. "Die Menschen, die direkt von
den gigantischen Bauprojekten betroffen sind, profitieren nur
selten von den Vorteilen - sie bekommen weder Strom noch sauberes
Wasser." Besonders die flussabwärts liegenden Gemeinden
würden in Mitleidenschaft gezogen: Stauseen graben ihnen
das Wasser ab und reduzieren die Fischbestände. Die Dämme
verringern den Sauerstoff- und den Nährstoffgehalt der Flüsse.
Sie behindern Wanderung und Fortpflanzung vieler Süßwasserarten.
So drohe beispielsweise in China der Jangtse-Flussdelfin zu verschwinden,
wenn die Zerstörung seines Lebensraumes wie geplant weiter
voranschreitet.
Alternative: effizientere Wassernutzung
Eine Alternative zum Bau weiterer Mega-Dämme sei eine effizientere
Wassernutzung. Der WWF fordert die Regierungen auf, die Empfehlungen
der WCD zu berücksichtigen, und mahnt eine strengere Gesetzgebung
an. Ausdrücklich begrüßt die Naturschutzorganisation
die Wasser- Rahmenrichtlinie der EU. Sie erlaubt nur dann neue
Staudämme, wenn es keine ökologische Alternative gibt.
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