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- 22.06.2004 -

 

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Staudämme gefährden größte Flüsse der Welt

Mega-Staudämme bedrohen nach einer Studie des WWF das ökologische Gleichgewicht der wasserreichsten Flüsse der Erde.

(vv) - Der unkontrollierte Bau von Mega-Staudämmen gefährdet das ökologische Gleichgewicht der wasserreichsten Flüsse unseres Planeten. Eine am Dienstag veröffentlichte Studie der Umweltstiftung WWF identifiziert die 21 am stärksten durch in Bau befindliche oder geplante Dämme bedrohten Ströme. An der Spitze steht der Jangtse in China mit 46 Bauvorhaben. Es folgen der La Plata in Argentinien mit 27 sowie Tigris und Euphrat im Mittleren Osten mit 26 Dämmen. In Europa sind die Donau mit acht und der Ebro mit sechs neuen Staudämmen besonders betroffen. Zu den gefährdeten Giganten zählt der WWF auch den Amazonas, den Mekong und den Brahmaputra.

Staudämme durchschneiden laut der Studie drei von fünf der 227 größten Flüsse. Die massiven Eingriffe zerstörten wertvolle Feuchtgebiete und reduzierten die Bestände von Flussdelfinen, Fischen und Vögeln. Viele Millionen Menschen würden aus ihrer Heimat vertrieben und umgesiedelt, um Platz für riesige Stauseen zu schaffen.

Verschwendung 10x höher als Wasserverbrauch Afrikas

Dämme bieten nach Ansicht des WWF zwar auch Vorteile wie Wasserkraft, landwirtschaftliche Bewässerung und Flutkontrolle. Allerdings ignorierten die Regierungen bei ihren Planungen nur allzu oft die Empfehlungen der Welt-Kommission für Staudämme (WCD). Deshalb würden die ökologischen und sozialen Kosten den Nutzen der Megaprojekte häufig übertreffen. Die so entstehenden Schäden für Mensch und Natur könnten vermieden werden. Allein ineffiziente Bewässerungssysteme führen laut der WWF-Studie jährlich zur Verschwendung von 1,5 Billionen Liter Wasser. Das sei zehnmal mehr, als auf dem gesamten afrikanischen Kontinent pro Jahr verbraucht würde.

Fluch und Segen zugleich

"Staudämme sind für Mensch und Natur Fluch und Segen zugleich", bilanziert Dr. Ute Collier, Leiterin der Staudamm-Initiative des WWF. "Die Menschen, die direkt von den gigantischen Bauprojekten betroffen sind, profitieren nur selten von den Vorteilen - sie bekommen weder Strom noch sauberes Wasser." Besonders die flussabwärts liegenden Gemeinden würden in Mitleidenschaft gezogen: Stauseen graben ihnen das Wasser ab und reduzieren die Fischbestände. Die Dämme verringern den Sauerstoff- und den Nährstoffgehalt der Flüsse. Sie behindern Wanderung und Fortpflanzung vieler Süßwasserarten. So drohe beispielsweise in China der Jangtse-Flussdelfin zu verschwinden, wenn die Zerstörung seines Lebensraumes wie geplant weiter voranschreitet.

Alternative: effizientere Wassernutzung

Eine Alternative zum Bau weiterer Mega-Dämme sei eine effizientere Wassernutzung. Der WWF fordert die Regierungen auf, die Empfehlungen der WCD zu berücksichtigen, und mahnt eine strengere Gesetzgebung an. Ausdrücklich begrüßt die Naturschutzorganisation die Wasser- Rahmenrichtlinie der EU. Sie erlaubt nur dann neue Staudämme, wenn es keine ökologische Alternative gibt.

 


© ArtToday

Glenn-Canyon-Damm am Lake Powell in Arizona: Staudämme durchschneiden laut der Studie drei von fünf der 227 größten Flüsse.

 

 Mehr Informationen:

WWF: Die Studie (pdf; engl.)

vista verde: Staudämme

 

 Lesen Sie auch:

China: Größtes Wasserbauprojekt der Erde geplant

 

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