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- 03.06.2004 -

 

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Atomkraft: Stoiber will den Ausstieg vom Ausstieg

Wegen steigender Ölpreise kündigt die CSU nach einem Regierungswechsel eine weitere Nutzung der Kernenergie an.

(vv) - Wegen steigender Ölpreise soll der bayerische Miniterpräsident Edmund Stoiber offenbar auch an neue Atomkraftwerke denken. Dies berichtet die Tageszeitung "Die Welt". Auf einen Regierungswechsel soll prompt der Ausstieg aus dem Ausstieg der Kernenergie folgen, heißt es in dem Bericht. Der CSU gehe es vor allem um "die Sicherung einer ausreichenden, ökonomisch und ökologisch verträglichen Versorgung der Menschheit mit Energie". Diese Versorgung, so soll es in dem "Gesamtkonzept Bayern zur Energiepolitik" stehen, lasse sich ohne Kernenergie nicht sicherstellen. Daher wolle Stoiber raus aus dem Atomausstieg und den heutigen Energiemix aus Kohle, Atom und erneuerbaren Energien beibehalten. Zur Not wolle Bayern sogar neue Atomanlagen bauen, schreibt "Die Welt". Dies dementierte die bayerische Staatsregierung jedoch umgehend.

CSU-Generalsekretär Markus Söder sagte, in Bayern lebe man sehr gut mit dem heutigen Energiemix. Der "Ausstieg aus dem Ausstieg" sei jedoch weiter nötig, denn eine Abkehr von der Kernkraft sei "weder ökologisch noch ökonomisch vertretbar". Der Bau neuer Kernreaktoren stehe jedoch "nicht auf der Tagesordnung".

Öl-Abhängigkeit nicht durch Atomkraftwerke reduzierbar

Ein sinnvoller Zusammenhang zwischen Atomkraftwerken und Ölpreisen ist in Deutschland gar nicht darstellbar, teilte das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) in Münster mit.

Kernkraftwerke produzieren Strom und auf dem Stromsektor trägt Öl in Deutschland nur zu rund 1 Prozent zur Stromerzeugung bei. In Deutschland wird Öl vor allem im Wärmebereich, d.h. zu Heizzwecken, und im Treibstoffsektor verwendet und nicht zur Stromerzeugung, so das IWR weiter. "Die Abhängigkeit vom fossilen Energieträger Öl lässt sich nicht durch neue Atomkraftwerke reduzieren," sagte IWR-Leiter Norbert Allnoch in Münster.

NABU kritisiert Bayerns Pläne

Auch der Naturschutzbund NABU kritisierte die Absichten Stoibers zu Nutzung und Ausbau der Atomenergie. "Die bayerische Landesregierung, die vehement eine fachlich fundierte Suche nach einem Endlager für Atommüll blockiert, beweist mit diesen Aussagen ihren verantwortungslos populistischen Umgang mit wichtigen Zukunftsfragen", sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Während die ganze Welt auf der "renewables2004" in Bonn realistische Wege für eine nachhaltige Energiezukunft suche, verharre Stoiber in einem energiepolitischen Anachronismus.

Es sei auch ökonomischer Unfug, Klimaziele ausgerechnet mit der Atomkraftnutzung erreichen zu wollen, da die ebenfalls beschränkten Uranvorkommen noch früher versiegen würden. Die sich abzeichnende weltweite Energiekrise könne nur durch einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energien und einer gleichzeitigen Effizienzrevolution abgewendet werden, sagte Tschimpke.

 


© ArtToday

Wegen steigender Ölpreise kündigt die CSU nach einem Regierungswechsel eine weitere Nutzung der Kernenergie an.

 

 Mehr Informationen:

DIE WELT: Atomkraft? Vielleicht doch

IWR

NABU

 

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