Atomkraft: Stoiber will den Ausstieg vom Ausstieg
Wegen steigender Ölpreise kündigt
die CSU nach einem Regierungswechsel eine weitere Nutzung der
Kernenergie an.
(vv) - Wegen steigender Ölpreise soll der bayerische Miniterpräsident
Edmund Stoiber offenbar auch an neue Atomkraftwerke denken. Dies
berichtet die Tageszeitung "Die Welt". Auf einen Regierungswechsel
soll prompt der Ausstieg aus dem Ausstieg der Kernenergie folgen,
heißt es in dem Bericht. Der CSU gehe es vor allem um "die
Sicherung einer ausreichenden, ökonomisch und ökologisch
verträglichen Versorgung der Menschheit mit Energie".
Diese Versorgung, so soll es in dem "Gesamtkonzept Bayern
zur Energiepolitik" stehen, lasse sich ohne Kernenergie nicht
sicherstellen. Daher wolle Stoiber raus aus dem Atomausstieg und
den heutigen Energiemix aus Kohle, Atom und erneuerbaren Energien
beibehalten. Zur Not wolle Bayern sogar neue Atomanlagen bauen,
schreibt "Die Welt". Dies dementierte die bayerische
Staatsregierung jedoch umgehend.
CSU-Generalsekretär Markus Söder sagte, in Bayern lebe
man sehr gut mit dem heutigen Energiemix. Der "Ausstieg aus
dem Ausstieg" sei jedoch weiter nötig, denn eine Abkehr
von der Kernkraft sei "weder ökologisch noch ökonomisch
vertretbar". Der Bau neuer Kernreaktoren stehe jedoch "nicht
auf der Tagesordnung".
Öl-Abhängigkeit nicht durch Atomkraftwerke
reduzierbar
Ein sinnvoller Zusammenhang zwischen Atomkraftwerken und Ölpreisen
ist in Deutschland gar nicht darstellbar, teilte das Internationale
Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) in Münster mit.
Kernkraftwerke produzieren Strom und auf dem Stromsektor trägt
Öl in Deutschland nur zu rund 1 Prozent zur Stromerzeugung
bei. In Deutschland wird Öl vor allem im Wärmebereich,
d.h. zu Heizzwecken, und im Treibstoffsektor verwendet und nicht
zur Stromerzeugung, so das IWR weiter. "Die Abhängigkeit
vom fossilen Energieträger Öl lässt sich nicht
durch neue Atomkraftwerke reduzieren," sagte IWR-Leiter Norbert
Allnoch in Münster.
NABU kritisiert Bayerns Pläne
Auch der Naturschutzbund NABU kritisierte die Absichten Stoibers
zu Nutzung und Ausbau der Atomenergie. "Die bayerische Landesregierung,
die vehement eine fachlich fundierte Suche nach einem Endlager
für Atommüll blockiert, beweist mit diesen Aussagen
ihren verantwortungslos populistischen Umgang mit wichtigen Zukunftsfragen",
sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Während die ganze
Welt auf der "renewables2004" in Bonn realistische Wege
für eine nachhaltige Energiezukunft suche, verharre Stoiber
in einem energiepolitischen Anachronismus.
Es sei auch ökonomischer Unfug, Klimaziele ausgerechnet
mit der Atomkraftnutzung erreichen zu wollen, da die ebenfalls
beschränkten Uranvorkommen noch früher versiegen würden.
Die sich abzeichnende weltweite Energiekrise könne nur durch
einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energien und einer gleichzeitigen
Effizienzrevolution abgewendet werden, sagte Tschimpke.
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