Neue Ölkrise unausweichlich?
Bereits in etwa zehn Jahren wird nach Ansicht
vieler Wissenschaftler die Ölförderung weltweit ihren
Höhepunkt überschritten haben.
Hamburg (vv) - Der Welt steht eine neue Ölkrise bevor.
Bereits in etwa zehn Jahren wird nach Ansicht vieler Wissenschaftler
die Ölförderung weltweit ihren Höhepunkt überschritten
haben. Der Ölpreis wird erheblich steigen - mit gravierenden
Folgen für die Weltwirtschaft. Das berichtet das Wissensmagazin
"National Geographic Deutschland" in seiner Juni-Ausgabe.
Nach der Prognose des englischen Wissenschaftlers David Greene
wird die Weltproduktion ihren Höhepunkt im Jahr 2016 erreichen,
außerhalb des Nahen Ostens bereits im Jahr 2006. Andere
Experten sind der Ansicht, dass der Höhepunkt sogar schon
überschritten ist. Bei den Prognosen spielt vor allem das
Verhalten der Produzenten im Nahen Osten eine Rolle. Außerdem,
ob Öl gespart wird und unkonventionelle Vorkommen erschlossen
werden können.
Stark steigender Verbrauch
Heute verbraucht die Welt täglich fast 80 Millionen Barrel
Öl, Tendenz steigend. In den USA, wo das Benzin an manchen
Orten weniger als eine Flasche Wasser kostet, soll der Erdölverbrauch
in den nächsten 20 Jahren um fast 50 Prozent zunehmen. Die
dort beliebten Geländewagen und Minivans mit ihrem hohen
Treibstoffverbrauch sind nur eine von vielen Ursachen für
den hohen Konsum. Denn das Erdöl wird nicht nur für
Kraftstoffe gebraucht, sondern auch zum Beispiel für die
Kunstfasern von Kleidung und für alle Plastikprodukte.
Erneuerbare Energien die Alternative
Aber es gibt Alternativen zur Ölkrise. Eine günstige
und unbegrenzte Energiequelle ist die Sonne. Zur Zeit decken erneuerbare
Energien weltweit etwa 14 Prozent des Bedarfs. Nach einer Berechnung
des Wissenschaftlichen Beirats Globale Umweltveränderung
(WBGU) könnte ihr Anteil bis zum Jahr 2050 auf 50 Prozent
steigen, wenn umweltverträgliche Energien stärker gefördert
würden. Und im Jahr 2100 - wenn sich der Energieverbauch
vervierfacht haben wird - werden die schmutzigen Energieträger
Öl, Kohle und Gas nach Ansicht des WBGU im Vergleich zur
Sonne kaum noch eine Rolle spielen.
Experte der Ölindustrie anderer Ansicht
Nach Meinung eines Experten der Ölindustrie sind die Reserven
allerdings noch lange nicht ausgeschöpft. Leonardo Maugeri
vom Energieversorger Eni Spa in Rom berichtet im Wissenschaftsjournal
"Science", dass es weltweit noch wenigstens drei Billionen
Barrel nutzbarer Ölreserven gebe. Gemessen an der derzeitigen
Produktion dürften die Vorräte also noch etwa 40 Jahre
halten, schreibt Maugeri unter Verweis auf wissenschaftliche Analysen.
|