Kohlekraftwerk ohne Emissionen?
Kohlekraftwerke könnten künftig möglicherweise
völlig ohne Schadstoffemissionen betrieben werden.
(vv) - Bei der Technik der integrierten Kohlevergasung (IGCC)
wird Steinkohle in Gas umgewandelt, das dann in einer Gasturbine
verbrannt wird. Schadstoffe würden damit schon vor der Verbrennung
abgetrennt oder entstünden erst gar nicht. Ein Kraftwerk
nach diesem Rpinzip hat jetzt Siemens entwickelt.
Nach Schätzung von Siemens reichen die Vorräte an Steinkohle
noch gut 200 Jahre. Öl würde hingegen immer teurer und
gehe rascher zur Neige. Die US-Regierung fördere daher massiv
die Entwicklung von Kohlekraftwerken - sie müssten aber strenge
Anforderungen an Emissionen und Effizienz erfüllen. Siemens
hat mit Partnern ein Konzept für ein Standard-IGCC-Kraftwerk
der 500-Megawatt-Klasse entworfen.

© Siemens Pressebild
Das Bild zeigt das von Siemens errichtete
IGCC-Kraftwerk im spanischen Puertollano.
|
Kohlendioxid könnte abgetrennt werden
IGCC-Anlagen (Integrated Gasification Combined Cycle) sind wahre
Allesfresser: Sie verbrennen Mischungen aus Kohle und Biomasse,
Kohle und Petrolkoks oder sogar flüssigen Asphalt. Im System
wird der Brennstoff in wasserstoffreiches Synthesegas umgewandelt,
das dann in einer Gasturbine verbrannt wird. Die Abwärme
nutzt eine Dampfturbine zur zusätzlichen Energiegewinnung.
IGCC-Anlagen betreibt heute vor allem die petrochemische Industrie,
die darin Raffinerierückstände verarbeitet. Experten
schätzen, dass allein im Raffinerieumfeld für die IGCC-Technik
bis 2010 weltweit ein Leistungspotenzial von 120 Gigawatt besteht.
Ob und wann sich IGCC-Kraftwerke auf Kohlebasis zur wirtschaftlichen
Stromerzeugung eignen, hänge vom gesetzlichen Rahmen für
den Schadstoffausstoß ab, so die Firma Siemens.
Der große Vorteil der IGCC-Technik liege darin, dass der
Brennstoff zunächst mit reinem Sauerstoff und dann mit Wasserdampf
in Kohlendioxid und Wasserstoff umgesetzt würde. Schadstoffe
wie Schwefel oder Schwermetalle würden vor der Verbrennung
gebunden und gelangten nicht in die Umwelt - sie könnten
sogar als Rohstoff anderweitig eingesetzt werden. Auch das Kohlendioxid
könnte technisch relativ leicht abgetrennt werden, was allerdings
Energie koste und die Leistung schmälere. Durch die Wahl
einer geringeren Verbrennungstemperatur entstünden auch nahezu
keine Stickoxide. Der Wirkungsgrad von IGCC-Anlagen liege heute
bei 51 Prozent, kombinierte Gas- und Dampfkraftwerke schafften
58 Prozent. Die Siemens-Experten sehen in der noch jungen IGCC-Technik
erhebliches Verbesserungspotenzial.
Chemiker hatten vor kurzem für eine weltweite Aufforstung
als preiswerteste Methode zur langfristigen Speicherung von Kohlendioxid
plädiert.
|