Grüne wollen 1-Liter-Auto bis 2010
Die Grünen wollen den Autoverkehr vom Erdöl
unabhängiger machen und den Benzinverbrauch drastisch senken.
Berlin (dpa) - «Das 1- Liter-Auto muss in Deutschland
als erstem Land gebaut werden und sollte ab 2010 serienreif sein»,
sagte die energiepolitische Sprecherin der Fraktion, Michaele
Hustedt, am Freitag vor Beginn einer zweitägigen Verkehrskonferenz
der Grünen-Bundestagsfraktion in Berlin.
«Wir streben bis 2010 eine Verringerung des durchschnittlichen
Spritverbrauchs auf 5 Liter und bis 2015 auf 3 Liter je 100 Kilometer
an», heißt es in dem zur Konferenz erarbeiteten Verkehrskonzept
der Fraktion. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) kritisierte den
«Abschied von der Verkehrswende». Außer auf
den technologischen Fortschritt der Autobauer setzen die Grünen
darin zunehmend auf alternative Kraftstoffe und Steuerförderungen,
erläuterten die Sprecher für Verkehr und Wirtschaft,
Albert Schmidt und Fritz Kuhn.
Die Mehrwertsteuer sollte nicht nur für Ferntickets im
Bahnverkehr ermäßigt werden, sondern auch für
das von der Bahn und anderen Firmen angebotene «car sharing».
Bei diesem kombinierten Angebot von Bahnreisen und Autovermietung
im Nahverkehrsbereich bis 50 Kilometer sollen wie für Taxen
nur 7 Prozent Mehrwertsteuer verlangt werden. Darüber hinaus
gilt zur Zeit der Normalsatz von 16 Prozent.
Die Kfz-Steuer soll nicht mehr nach dem Hubraum erhoben werden,
sondern nur noch nach CO2-Emissionen und den Schadstoffen der
Euro- Normen. Ferner wird die SPD an die Koalitionsvereinbarung
erinnert, eine Weiterentwicklung der Ökosteuer zu prüfen.
Als Ziele bis 2020 werden eine Verringerung des Kraftstoffverbrauchs
im Straßenverkehr um 40 Prozent und die Steigerung des Anteils
alternativer Kraftstoffe wie Biodiesel, Elektro- und Wasserstoffantrieb
propagiert.
«Die Verkehrswende in großem Stil ist ausgeblieben»,
räumte Schmidt eine «Lebenslüge» der Grünen
ein. Der propagierte volle Umstieg vom Auto auf die Bahn sei ausgeblieben.
Mit zunehmender Umweltfreundlichkeit des Verkehrs bestehe die
Chance, sich jetzt auf ein integriertes politisches Konzept für
alle Verkehrsträger zu konzentrieren. Hierzu sollte ein Wettbewerb
über «Modellregionen Nachhaltiger Mobilität»
ausgeschrieben werden, erläuterte Kuhn. Durch möglichst
intelligente Verkehrssteuerung solle das Angebot von Bahnen, Bussen,
Autos und Fahrrädern optimiert werden.
Kritisiert wurde in diesem Zusammenhang das Verkehrsministerium.
«Das schlummert vor sich hin», sagte Schmidt. Noch
immer fehle ein Gesamtkonzept und die Umsetzung des in der Schublade
liegenden Radverkehrsplans 2002 bis 2012. Der Verkehrsclub hielt
wiederum den Grünen vor: «Die finanzielle Gleichbehandlung
der Schiene gegenüber der Straße bei den staatlichen
Investitionen sei nach guten Anfangserfolgen aktuell wieder aufgegeben
worden.»
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