Riesige Lenkdrachen sollen Schiffe ziehen und Treibstoff sparen
Lenkdrachen, die die Größe eines
Fußballfeldes haben können, sollen einmal Schiffe mit
der Kraft des Windes übers Wasser ziehen und so Treibstoff
sparen.
Von Nadine Schwede, dpa
Hamburg (dpa) - Mit der Kraft des Windes fuhren Schiffe Tausende
von Jahren, bis die Segel von Motoren abgelöst wurden. Hohe
Ölpreise und die Endlichkeit der fossilen Brennstoffe lassen
aber über eine neue Chance für den Windantrieb nachdenken.
Der Wirtschaftingenieur Stephan Wrage tüftelt seit drei Jahren
an seinem Projekt «SkySails»: Lenkdrachen bis zu Fußballfeldgröße
sollen Schiffe übers Wasser ziehen und so Treibstoff sparen.
Die einen Reeder nennen das Spinnerei, andere sprechen von einer
genialen Idee - und investieren Geld und Know-How in das Drachensegel.
«Bis zu 50 Prozent Treibstoffkosten können eingespart
werden, oder die Schiffe fahren 10 Prozent schneller», sagt
Wrage. Die Kosten für den Drachen, je nach Größe
zwischen 400 000 und 1,5 Millionen Euro, amortisierten sich innerhalb
von zwei Jahren, verspricht er. Immerhin würden bis zur Hälfte
der Schiffbetriebskosten für den Treibstoff aufgewendet -
je nach Typ, Leistung und Geschwindigkeit seien das laut Wrage
bis zu 10 Millionen Euro im Jahr pro Schiff. Auch die Umwelt profitiere
von einer Reduzierung des Schwerölverbrauchs. Noch stoße
die Welthandelsflotte wissenschaftlichen Studien zufolge so viel
klimaschädliche Treibhausgase aus, wie die gesamten USA.

© SkySails GmbH
An mehreren hundert Meter langen Seilen
soll der Drachen vor Frachtschiffe gespannt werden.
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An mehreren hundert Meter langen Seilen soll der Drachen vor
Frachtschiffe gespannt werden. Je nach Windrichtung regelt eine
Steuereinheit die Position des Drachens automatisch. Mittlerweile
arbeitet der 31-Jährige im Hamburger Hafen mit einem mehrköpfigen
Team an dem Projekt, das bisher schon drei Millionen Euro an Entwicklungskosten
verschlungen hat. «Das größte Planungsrisiko
ist bisher noch das Bergen und Setzen». Wichtig sei daher
alles genau zu testen. Gerade war Wrage mit einem acht Meter langen
Modellschiff der Hamburgischen Schiffbauversuchsanstalt für
Tests an der Ostsee.
Ideen, den Wind wieder für die Handelsschifffahrt zu nutzen,
gab es auch in unserer Zeit schon viele. Unter dem Namen Indosail
wurde zum Beispiel ein Windantriebs-Projekt der Kieler Lindenau-Werft
bekannt. Die computergesteuerte Konstruktion sollte auf einer
festen Route im indonesischen Raum eingesetzt werden. Das war
zu Zeiten der hoher Ölpreise Anfang der 80er Jahre.
«Dann ging der Ölpreis wieder runter, und die Reederei
nahm Abstand von dem Projekt», erinnert sich der Geschäftsführer
der Werft, Dirk Lindenau. Neben der Abhängigkeit von dem
Ölpreis sieht Ralf Sören Marquard vom Verband für
Schiffsbau und Meerestechnik (VSM) sieht noch «eine Reihe
von praktischen Problemen, bis so etwas auf den Markt kommt.»
Beispielsweise müsse die Manövrierfähigkeit des
Schiffes gesichert sein. Aufbauten wie Segel, Masten oder Rotoren
dürften nicht beim Be- und Entladen stören. Gegenwind
würde auch von zusätzlichen Personalkosten kommen.
In Fragen der technischen Sicherheit kooperiert SkySails mit
dem Germanischen Lloyd in Hamburg, einer der großen Prüfgesellschaften
für Schiffssicherheit. «Die technischen Probleme sind
immer lösbar», sagt der Leiter des Bereichs Schiffbau,
Wolfgang Fichelmann. «Die Frage ist eher, wie wirtschaftlich
das ist». Die Verfügbarkeit des Windes als Antriebskraft
sei wegen wechselnder Richtung und Stärke unsicher. Beim
Institut für Schiffsbetriebsforschung in Flensburg sieht
man die Windkraft in der Handelsschifffahrt noch skeptischer:
«Wo alles auf die Stunde genau getimet ist, da passen Segel
nicht recht in die Zeit», sagt Dieter Grote.
Wrage setzt den Skeptikern entgegen, mit neuen Routing- und
Wettervorhersage-Programmen zu arbeitet. Für die Vorfinanzierung
hat er den Schiffsfinanzierer Oltmann Gruppe aus Leer gewonnen.
«Das wird eine Weltsensation, wenn es klappt», sagt
Geschäftsführer Jan Luiken Oltmann. Angesichts steigender
Ölpreise tue sich ein Weltmarkt auf. Demnächst will
Oltmann Beteiligungen für Privatanleger ab 50 000 Euro anbieten.
Er räumt aber ein: «Es ist eine Risikobeteiligung.»
Überzeugt hat SkySails schon mal die Reederei Briese mit
mehr als 55 See-Schiffen. «Es wird noch fünf bis acht
Jahre dauern, bis alle technischen und rechtlichen Fragen geklärt
sind», vermutet Geschäftsführer Roelf Briese.
Irgendwann will er die Drachen dann auf kleinen Frachtschiffen
in windreichen Gebieten einsetzen. «Und in der Passagierschifffahrt.
Das wird eine Attraktion für die Gäste sein.»
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